Der überraschende Ertragsrückgang wird von der Börse nicht goutiert

CEO Thomas Gottstein hat die Bank im letzten Quartal stärker zurückgefahren als erwartet. Das zwingt die Credit Suisse, die Kosten im laufenden Jahr deutlich zu senken.

Der überraschende Ertragsrückgang wird von der Börse nicht goutiert
Ein sehr herausforderndes Jahr für die Credit Suisse und für ihn: CEO Thomas Gottstein (Quelle: HO)

Zwar hat die Grossbank heute einen leicht kleineren Verlust bekannt gegeben. Das ist eine positive Nachricht. Die negative Nachricht hingegen ist, dass die Erträge tiefer ausfielen, als von den Analysten geschätzt. Die Titel tauchten um über sieben Prozent.

Die schrumpfenden Erträge sind der Hauptgrund für den Kursrutsch. Die Topline sank im vierten Quartal um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das dürfte eine direkte Folge des Ausstiegs aus dem Prime-Brockerage-Geschäft sein. Damit reduziert die Bank ihre Risiken zwar deutlich, doch sie verzichtet auch auf Einnahmen.

Wenn die Bank schrumpft, dann müsste sie allerdings auch die Kosten in gleichem Tempo herunterfahren, damit quasi auf der Bottom-Line noch was übrigbleibt. Das geschieht zu wenig konsequent. Zwar hat die Bank den Bonuspool auf Druck der Finma verkleinert, doch sie zahlt immer noch 2 Milliarden Franken aus.

Aus Aktionärssicht ist dies nicht nachzuvollziehen. Würde ein x-beliebiges Unternehmen derart schlechte Zahlen schreiben, würde die CS als kreditgebende Bank sofort einschreiten und als erstes den Bonushahn zudrehen.

Die grossen Probleme sind noch nicht gelöst

«2021 war ein sehr herausforderndes Jahr für die Credit Suisse», sagte Konzernchef Thomas Gottstein heute morgen. Was er nicht sagte: Auch 2022 wird ein schwieriges Jahr für die Grossbank werden.

Die grossen Probleme sind noch nicht gelöst. Dazu gehört die Bereinigung des Greensill-Debakels, das die Bank auch künftig belasten wird. Hinzu kommen neue Rechtsfälle, wofür die Bank im letzten Quartal 436 Millionen zurückgestellt hat.

Die Investmentbank bleibt auch nach der Verkleinerung eine Blackbox. Manchmal sprudeln die Erträge, dann gibt es riesige Verluste, wie letztes Jahr in Zusammenhang mit dem Hedge-Fonds Archegos.

Für das schlechte Resultat im letzten Quartal sorgte zusätzlich ein Abschreiber auf Positionen, die mit dem Kauf mit der US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) im Jahr 2000 auf das Buch der CS übergingen. Noch ist unklar, ob es noch weitere Abschreiber geben wird und wie gross diese ausfallen werden.

Die Führungskrise ist noch nicht ausgestanden

Die Führungskrise in der Grossbank noch nicht ausgestanden. Der Rauswurf von Antonio Horta Osório – CS-intern wird gerne mal das Wort Mobbing verwendet – brachte bis jetzt nicht den erhofften Befreiungsschlag. Der neue Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann wird sich als mit seiner neuen Rolle erst anfreunden müssen. Das wird Monate dauern.

Auf grosse, interne Unterstützung kann er nicht hoffen. Wenn Severin Schwan nicht mehr zu Wiederwahl antritt – was derzeit wahrscheinlich erscheint – muss er das Gremium allein führen. Ob es ihm gelingt, einen guten Draht zu den Aktionären aufzubauen? Es wäre eine unverhoffte, positive Überraschung.

In ihrer jetzigen Verfassung ist die Bank angreifbar. Noch haben sich keine Aktionäre zu erkennen gegeben. Ein neuer, starker Aktionär würde der Bank guttun. Manche Medien spekulieren bereits, dass Andrea Orcel von der italienischen Unicredit die Fühler nach der CS ausstreckt.

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