ESG-Backlash
Der grösste Vermögensverwalter der Welt steht wegen seiner Klimapolitik unter Druck. In einem Brief an republikanische Exponenten behauptet Blackrock nun: ESG-Anliegen stehen “völlig im Einklang” mit ihrer Pflicht, die Rendite der Anleger zu maximieren.
8. September 2022 • red.

Der US-Vermögensverwalter Blackrock ist wegen der Berücksichtigung von ESG-Faktoren (Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte) zur Zielscheibe geworden. Neunzehn Generalstaatsanwälte von republikanisch regierten Bundesstaaten haben dem Unternehmen im August in einem Brief vorgeworfen, “Klimaaktivismus” über die treuhänderische Pflicht zu stellen, das Beste für die staatlichen Pensionskassen herauszuholen.

"Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Renten unserer Bürger für Blackrocks Klima-Agenda geopfert werden", schrieben sie in dem Brief. Auslöser waren unter anderem Aussagen des Blackrock-Chefs Larry Fink, wonach es die Aufgabe von Finanzunternehmen sei, gegen den Klimawandel anzukämpfen.

Wie verschiedene Medien berichten, antwortete Blackrock am Mittwoch auf das Schreiben. Der Klimawandel stelle die Zukunftsfähigkeit vieler Branchen und Unternehmen infrage, heisst es darin. “Als umsichtige Risikomanager und Verwalter des Vermögens unserer Kunden ist es unerlässlich zu verstehen, wie sich der Klimawandel auf die Risiken und Chancen von Unternehmen auswirken wird."

“Das Gegenteil eines Boykotts”

Im Antwortschreiben bestreitet Blackrock, die Erdölindustrie zu boykottieren, und wiederholte frühere Aussagen, wonach Investitionen in US-Energieunternehmen in der Höhe von 170 Milliarden Dollar das “Gegenteil eines Boykotts” darstellten.

Das Hauptziel in Bezug auf den Klimawandel sei “Transparenz”. “Wir verlangen von den Unternehmen, dass sie über wesentliche Faktoren, die sich auf ihr Geschäft auswirken, Auskunft geben, damit die Anleger fundierte Entscheidungen treffen können.”

Wenn Blackrock an Generalversammlungen nicht im Sinne des Verwaltungsrats abstimme, dann gehe es nicht darum, ein Unternehmen zu “bestrafen”. Es gehe vielmehr darum, den “besten langfristigen Wert für diese Unternehmen und seine Aktionäre zu schaffen”.

Auch Aktivisten kritisieren Blackrock

Blackrock war das einzige US-Unternehmen, das im August vom texanischen Rechnungsprüfer auf eine Schwarze Liste gesetzt wurde, weil diese in seinen Augen die Gas- und Erdölbranche "boykottieren" würden. Credit Suisse und die UBS befinden sich ebenfalls auf der Liste.

Blackrock wird nicht nur von ESG-Gegnern kritisiert, sondern auch von Klimaschützern. So wurde das Unternehmen von Umweltaktivisten angegriffen, weil es seine Unterstützung für Aktionärsanträge zu ökologischen und sozialen Themen zurückgezogen hatte. Das Unternehmen argumentierte, die Vorschläge würden zum Teil zu stark den unternehmerischen Spielraum einschränken.

"Wir schreiben den Unternehmen nicht vor, welche spezifischen Emissionsziele sie zu erfüllen haben oder welche Art von politischer Lobbyarbeit sie betreiben sollten", schrieb Blackrock an die Generalstaatsanwälte. In der Schweiz wurde das Unternehmen wegen dieses Zurückweichens auch von Ethos-Chef Vincent Kaufmann kritisiert.