Eine Luxusjacht auf dem Mittelmeer, Villen ins Südfrankreich, gehebelte Finanzprodukte, aufwändige Offshore-Finanzstrukturen – all das stand auf den Einkaufszetteln, wenn reiche Russinnen und Russen in der Schweiz nach Finanzdienstleistungen nachfragten.
Das war lukrativ. Gemäss eines Reuters-Berichts, der sich auf nicht näher spezifizierte Branchen-Schätzungen abstützt, sollen Banken für spezielle Kreditstrukturen und Finanzinstrumente Bruttomargen von bis zu 700 Basispunkten (7 Prozent) verlangt haben. Damit ist jetzt vorerst Schluss.
Die Banken treten auf die Bremse
Die Banken treten auf die Bremse. Zum einen müssen sie die Gelder von rund 900 Russen einfrieren, die auf den internationalen Sanktionslisten stehen. Zum anderen müssen sie aber auch für andere vermögende Kunden, die nicht auf den Listen stehen, schon jetzt spezielle Vorsichtsmassnahmen treffen. Das verunsichert und macht es schwer, die Zukunft zu planen.
Also fahren die Banken die Geschäfte mit grenzüberschreitenden Kunden aus Russland generell zurück, Kredite werden aufgekündigt, Finanzinstrumente aufgelöst, gehebelte Aktienpositionen abgebaut. Das machen sie, weil sie jederzeit damit rechnen müssen, dass die internationalen Sanktionen plötzlich ausgeweitet werden könnten. Von einer sanktionierten Person Kredite zurückzuverlangen, kann sehr schwierig werden.
Damit schneiden die Banken aber ihre lukrativsten Kunden ab. Das hat folgen auf die Erträge. Gemäss Schätzungen haben Russen in der Schweiz 200 Milliarden Franken geparkt. Nimmt man eine Bruttomarge von 700 Basispunkte zum Massstab, könnten die Banken Erträge von 14 Milliarden Franken verlieren. Selbst wenn man eine Bruttomarge von 300 Basispunkten annimmt, weil nicht alle Kunden komplexe Geschäfte tätigten, könnten die verhängten Sanktionen den Schweizer Finanzplatz sechs Milliarden Franken kosten.
Die Sanktionen werden sich in den Bilanzen bemerkbar machen
Welche Bruttomargen man auch immer annimmt, die Russland-Sanktionen werden sich in den Erfolgsrechnungen der Banken bemerkbar machen. Ob es 3, 6, 10 oder 14 Milliarden sind, das wegbrechende Russengeschäft wird den Banken wehtun. Zum Vergleich: Die Handelszeitung hat diese Woche die bis dato ausgewiesenen Gewinne von 50 Schweizer Banken zusammengezählt. Kumuliert kommen die 50 Banken 2021 auf einen Gewinn von knapp 15 Milliarden Franken.
Wen wird es am härtesten treffen? Gemäss Schätzungen dürften von den 200 Milliarden etwa die Hälfte bei der UBS, CS und Julius Bär liegen. Letztere hat rund 17 Milliarden an russischen Assets. Der Ertragsrückgang könnte somit zwischen 0,4 und 1 Milliarde Franken betragen. Bei der UBS und der Credit Suisse könnten sich die Ertragsausfälle im Wealth Management auf 1,2 bis 2,8 Milliarden Franken belaufen.
Die angenommenen Margen sind nicht unrealistisch. Das bestätigen Private-Banker im Gespräch. Viele Russen kamen in die Schweiz, weil sie hier Kredite bekamen, um an den Märkten zu spekulieren. Eine Anleihe oder ein strukturiertes Produkt kann mehrfach gehebelt werden, was die Margen für die Banken nach oben treiben. Dazu kommen Kredite für Jachten oder Villen, um die herum oftmals Offshore-Firmenkonstrukte gebaut wurden.
Die Margen im Private-Banking werden in diesem Jahr fallen
Das sind hochmargige Geschäfte. Im Gegensatz dazu generieren Kunden mit einem einfachen Lombard-Kredit Bruttomargen von nur etwa 100 Basispunkten. Die Credit Suisse legt im aktuellen Geschäftsbericht die Bruttomargen in der Vermögensverwaltung für das vergangene Jahr offen. Im Schweizer Privatkunden-Geschäft beträgt die Bruttomarge im letzten Jahr 143 Basispunkte. In der Region Asien-Pazifik betrug sie 141 Basispunkte. Im Internationalen Wealth Management (dem Rest der Welt) 89 Punkte.
Die Margen sind im letzten Jahr wegen der stark steigenden Börsen und der durchzogenen Kundenaktivität gefallen. Es ist anzunehmen, dass sie im Vermögensverwaltungsgeschäft, der Paradedisziplin im Schweizer Banking, im laufenden Jahr weiter fallen werden.