Der Kurs könnte stark steigen, aber auch ebenso fallen und sich vielleicht nur seitwärts bewegen. Wer würde bei so einer Analyse nicht den Kopf schütteln? Doch wenn es raffinierter verpackt wird, generiert es Aufmerksamkeit, ohne dass man das Risiko eingeht, danebenzuliegen.
In den Short Cuts:
JP Morgan stellte jüngst ein Research-Papier mit drei Bitcoin-Kurs-Szenarien für 2036 vor. Es geht hier nicht darum, die US-Bank in die Pfanne zu hauen. Viele Marktstrategen, Broker und Krypto-Dienstleister gehen ähnlich vor. Man stellt fantastische Kursziele in einigen Jahren in Aussicht, falls diese tatsächlich eintreten, weist man lautstark darauf hin, dass man dies vorhergesehen hat. Falls sich der Wert anders entwickelt, kann man ziemlich sicher sein, dass niemand nachforscht, wer vor 10 Jahren falsch gelegen ist. Das gilt nicht nur für den Bitcoin-Kurs, sondern auch für Aktien, Gold, etc. Wenn man dagegen mit Szenarien arbeitet, kann man kaum ganz falsch liegen.
Besser als Gold und Aktien
Laut der neuen Prognose von JP Morgan Asset Management könnte der Bitcoin in den kommenden zehn Jahren sowohl US-Aktien als auch Gold übertreffen. Die US-Grossbank schätzt, dass der Bitcoin im Basisszenario jährliche Renditen von 10 Prozent bringen könnte. Damit würde die Kryptowährung amerikanische Aktien und Gold übertreffen, für diese wird nur 7,5 respektive 5,5 Prozent erwartet. Eine Investition von 10'000 Franken in Bitcoin würde so in zehn Jahren auf 26'000 Franken anwachsen.
«Bitcoin wird meistens wie ein riskanter Vermögenswert mit hoher Beta gehandelt, der dem weltweiten Wachstum der Geldmenge folgt, wird aber manchmal auch als digitales Gold betrachtet. Instabile Korrelationen mit anderen Vermögenswerten erschweren die Modellierung. Hinzu kommt die Schwierigkeit, einen Vermögenswert zu prognostizieren, dessen Grundlagen nicht aus Cashflows bestehen und bei dem Akzeptanz, Regulierung und Liquidität ebenso wichtig sein können wie Technologie», schreiben die Studienverfasser. Zudem verweisen sie auf die historische Volatilität von 55 Prozent, die rund dreimal so hoch ist wie für Aktien und Gold.
Im Idealfall über 16 Prozent im jährlichen Durchschnitt
Weil das einfach viele Einflussfaktoren sind, arbeitet JP Morgen mit drei Szenarien, die für den Bitcoin eintreffen könnten. Da wäre einmal der Bull Case, das optimistische Szenario. In diesem legt die Kryptowährung jährlich 16,6 Prozent zu und erreicht im Jahr 2036 386'000 Dollar. In diesem Szenario würde sich die institutionelle Adaption beschleunigen und der Bitcoin würde als digitales Gold dem physikalischen Gold deutlich Marktanteile abnehmen.
Das Basisszenario ist jenes mit einer jährlichen Rendite von 10 Prozent, das eingangs bereits beschrieben wurde. Diese Annahme geht von einer kontinuierlichen Integration des Bitcoins, etwa mit stetigen Zuflüssen in Spot ETF aus. So würde der Bitcoin in zehn Jahren auf 215'000 Dollar notieren. Es könnte aber auch viel schieflaufen, dann kommt es zum Bear Case, zum pessimistischen Szenario. In diesem kommt es zu globalen strengen Regulierungen, der Druck auf das energieintensive Proof-of-Work wird stärker und die Zinsen bleiben anhaltend hoch. In diesem belastenden Umfeld würde der Bitcoin gemäss JP Morgan im Jahr im Schnitt 11,2 Prozent verlieren und 2036 noch auf 25'000 Dollar notieren. Der Bitcoin verbliebe in einer hochspekulativen Nische und verlöre an Marktanteilen gegenüber klassischen Anlageklassen.
Alles klar? Der Bitcoin notiert in 10 Jahren zwischen 25'000 und 386'000 Dollar.
Nicht im Kern-Portfolio
Obwohl die Kursziele ziemlich viel umfassen, weist JP Morgan darauf hin, dass dies keine uneingeschränkte Empfehlung sei. Trotz der positiven Erwartung im Basisszenario nimmt die US-Bank Bitcoin nicht in ihre Kern-Portfoliomodelle (Risk-Asset-Allocation) auf. Als Grund nennt das Institut die nach wie vor sehr hohe Volatilität und wechselhafte Korrelationen zu anderen Anlageklassen. JP Morgan rät deshalb den Adressaten der Studie, Institutionelle und Family Offices, Krypto-Allokationen immer Stresstests zu unterziehen und Risikopositionen strikt abzusichern.
Der Bank gelingt es aber nicht, die Kunden nachhaltig zu verunsichern. Der Bericht verweist auf den Global Family Office Report 2026 von JP Morgan Private Bank, in dem rund ein Zehntel der befragten Kunden angaben, Krypto-Assets zu halten. Zusätzlich planten 17 Prozent der Befragten, künftig Krypto und andere digitale Vermögenswerte zu priorisieren.
Kraken kauft sich eine EU-Banklizenz
War es für Kryptobörsen früher schwierig, bei einer Bank ein Bankkonto zu bekommen, kauft heute eine Kryptobörse gleich die ganze Bank. Kraken erwirbt die litauische Saldo Bank. Für die 2011 in San Francisco gegründete Kryptobörse dürften nicht Einnahmen und Gewinn der Bank ausschlaggebend sein, die in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland aktiv ist. Als Käuferin tritt Payward auf, die US-Muttergesellschaft von Kraken. Payward schreibt in der Medienmitteilung auch direkt, dass sie keine Bank kaufe, um eine Bank zu sein. Die Gesellschaft erwerbe die Infrastruktur, damit Payward europäische Kunden so bedienen könne, wie es ein primäres Finanzinstitut tun sollte: ein Ort, an dem Vermögenswerte gehalten, frei bewegt und arbeiten könnten.
Die 2006 gegründete Saldo Bank verfügt seit 2021 über eine von der Europäischen Zentralbank erteilte und durch die Bank von Litauen reguliert Banklizenz. Die US-Kryptobörse gehört zu den Musterschülern der Branche – bewertet nach Sicherheit, Liquidität und Transparenz belegt das Unternehmen regelmässig Plätze zwischen 1 und 3 und hält sich konsequent an Regulierungen in ihren verschiedenen Märkten. Kraken verfügt heute weltweit über 145 regulatorischen Zulassungen und mehr als 100 aktive Lizenzen in über 30 Ländern. In Europa hält das Unternehmen unter anderem die MiCA-Lizenz und eine E-Geld-Lizenz – das öffnet den Zugang zu sämtlichen Ländern im EU-Markt. Während traditionelle Börsen sich in den Kryptobereich vorwagen, hat Kraken bereits 11'000 Aktien und ETF im eigenen Angebot.
Staking nimmt zu, aber die Erträge schmelzen
Es wird mehr gestakt als je zuvor, während die Kosten und Erträge sinken, das ist das Fazit des Staking Reports für das zweite Quartal des Krypto-Asset-Manager Bitwise. Im zweiten Jahresviertel habe sich eine Diskrepanz zwischen der Marktstimmung und den Fundamentaldaten der Netzwerke aufgetan, schreiben die Analysten. Auf den untersuchten Netzwerken wurde der Blockspeicherplatz günstiger, die On-Chain-Aktivität nahm zu und die Gebühreneinnahmen gingen zurück. Der Rückgang der Einnahmen war hauptsächlich auf die Gestaltung der Protokolle zurückzuführen, da die Netzwerke den Blockspeicherplatz günstiger verfügbar machten. Das zeigt sich etwa bei Ethereum.
Mittlerweile ist ein Rekordwert von deutlich über 40 Millionen Ether gestaked – das ist mehr als jeder dritte Coin –, die Aktivität auf der Chain hat sich verdoppelt, aber die Einnahmen sind um 51Prozent auf 64 Millionen Dollar gefallen. Getragen würde der Staking-Boom auch von institutionellen Käufern wie BitMine, der das Staking-Volumen seit Ende 2025 verzwölffacht habe. Gesunken sind aber dank des Fusaka-Updates auch die Kosten für die Nutzer der Blockchain. Eine durchschnittliche Transaktion auf Ethereum kostete rund zwei Drittel weniger als im Vorjahr. Auch bei Solana erreichte das Staking einen Höchststand: 69 Prozent des gesamten Angebots sind gebunden. Ähnlich wie bei Ethereum bauten Krypto-Treasury-Firmen ihre Bestände deutlich aus. Die Rendite bei Solana ist aber deutlich höher als bei Ethereum.