«Should I stay or should I go?» Die Frage der britischen Punkband The Clash beschäftigt inzwischen auch die «Financial Times» (Abo). In einer ausführlichen Analyse geht das britische Wirtschaftsblatt sämtliche Optionen durch, die der UBS nach dem Entscheid des Ständerats zu den verschärften Eigenkapitalvorschriften bleiben.
Die Grossbank könnte ihren Sitz ins Ausland verlegen, mit einer ausländischen Bank fusionieren, sich in zwei Teile aufspalten oder ihr US-Geschäft verkleinern. Für jede Variante gibt es Argumente, aber auch erhebliche Nachteile.

Ein Wegzug könnte nach Berechnungen von Morgan Stanley allein wegen einer möglichen Wegzugssteuer bis zu 10 Milliarden Dollar kosten. Eine Fusion mit einer ausländischen Bank wäre hochkomplex, eine Aufspaltung ebenfalls. Und das US-Geschäft zu verkleinern, kommt für Konzernchef Sergio Ermotti ohnehin nicht infrage. «Shrinking is not an option.»
Viel Lärm um einen halben Prozentpunkt?
Am Ende der langen Auslegeordnung landet die FT bei der unspektakulärsten aller Varianten: Die UBS bleibt in der Schweiz und erfüllt die höheren Eigenkapitalanforderungen.
Ein hochrangiger UBS-Mitarbeiter hält dies laut FT für das wahrscheinlichste Szenario. Und Johann Scholtz von Morningstar geht davon aus, dass die Grossbank die zusätzlichen Anforderungen durch einbehaltene Gewinne erfüllen kann. Eine Kapitalerhöhung sei nicht notwendig.
Noch bemerkenswerter ist eine Schätzung von JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein. Demnach würden die verschärften Vorschriften die Rendite auf dem materiellen Eigenkapital der UBS im Jahr 2028 um lediglich einen halben Prozentpunkt reduzieren.
Das wäre eine sehr überschaubare Einbusse angesichts der politischen und medialen Aufregung. Allerdings gehen die Schätzungen der Analysten weit auseinander.
Eine Milchbüechli-Rechnung aus Zürich
Einen anderen Zugang zur Debatte wählt Andreas Blöchlinger, Privatdozent für Banking und Finance an der Universität Zürich und Head Treasury bei der Regionalbank Avera. In einem Beitrag auf LinkedIn nimmt er sich die Berechnungen des UBS-Grossaktionärs Artisan Partners vor.
Dieser beziffert den möglichen Börsenwertverlust durch die strengeren Eigenkapitalvorschriften auf 36 Milliarden Dollar. Die UBS selbst rechnet mit einem zusätzlichen Bedarf an hartem Eigenkapital von rund 16 Milliarden Dollar.
Wie kann eine zusätzliche Kapitalanforderung von 16 Milliarden Dollar einen Börsenwertverlust von 36 Milliarden auslösen? Diese Frage stellt Blöchlinger an den Anfang seiner Überlegungen.
Dann folgt eine zugespitzte Milchbüechli-Rechnung: Wenn die UBS-Aktionäre tatsächlich 36 Milliarden Dollar verlieren, könnten sie dem Schweizer Staat doch einfach 16 Milliarden zahlen. Im Gegenzug würde die Schweiz auf die strengeren Vorschriften verzichten. Die Aktionäre wären immer noch 20 Milliarden Dollar besser gestellt, und der Bund hätte einen milliardenschweren Rettungsfonds.
Wahrscheinlich ist das kein ernst gemeinter Regulierungsvorschlag. Blöchlinger zeigt damit aber einen Widerspruch auf. Denn die UBS muss das zusätzliche Eigenkapital gar nicht abliefern. Es bleibt in der Bank und kann weiterhin produktiv eingesetzt werden.
Der Finanzprofessor hält einen Börsenwertverlust von 36 Milliarden Dollar deshalb für wenig plausibel. Die eigentliche Veränderung bestehe darin, dass die Bank ihre Beteiligungen stärker mit hartem Eigenkapital statt mit «subventioniertem Fremdkapital (aufgrund der impliziten Staatsgarantie)» finanzieren müsse.