Partners Group steigt ins Recycling-Geschäft für Private Credit ein

Der Zuger Vermögensverwalter startet einen Private-Credit-Fonds, der unter anderem in bestehende Kreditpositionen und sogenannte NAV-Finanzierungen investiert. Damit will Partners Group vom Liquiditätsengpass der eigenen Branche profitieren.

Partners Group steigt ins Recycling-Geschäft für Private Credit ein
Zuger Investor steigt ins NAV-Lending ein. Foto: HO

Im Private-Markets-Geschäft ist viel Kapital blockiert. Unternehmensverkäufe und Börsengänge kommen nicht voran und bestehende Anlagen lassen sich oft nur mit Abschlägen verkaufen. Gleichzeitig verlangen Investoren Liquidität und setzen damit die Fondsmanager unter Druck. Die Branche steckt in einer tiefen Krise.

Das kann man auch an den Börsenkursen der grössten Private-Markets-Investoren ablesen. Die Aktien von Partners Group verloren gestern zeitweise mehr als vier Prozent und schlossen bei 589 Franken. Das Jahresminus beträgt 41 Prozent. Konkurrentin KKR verlor 30 Prozent seit Anfang Jahr.

Partners Group hält die rote Laterne. Quelle: LSEG/FT

Es ist also höchste Zeit, kreativ zu werden. Denn jede Krise bietet Chancen für Kredit- und Finanzierungslösungen. Das hat auch Partners Group erkannt.

Der Investor hat am Freitag eine neue globale Private-Credit-Strategie angekündigt, die institutionellen und vermögenden privaten Anlegern Zugang zu verschiedenen Kreditsegmenten verschaffen soll. Der als Evergreen-Struktur konzipierte Fonds strebt Renditen im hohen einstelligen bis tiefen zweistelligen Prozentbereich an, wie es in einer Mitteilung heisst.

Bestehende Anlagen werden zu neuen Finanzierungen

Besonders heikel sind zwei Bereiche der neuen Strategie. Bei Credit Secondaries übernimmt ein Investor bestehende Kreditpositionen von anderen Marktteilnehmern, die ihre Engagements verkaufen wollen oder müssen. Auf diese Weise wechseln bereits vergebene Kredite den Besitzer und das gebundene Kapital wird für den Verkäufer wieder verfügbar.

Anders funktioniert das sogenannte NAV-Lending (Tippinpoint berichtete). Hier belehnen Fondsmanager den Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) ihrer Portfolios. Die Fondsmanager können sich damit Liquidität beschaffen, ohne ihre zugrunde liegenden Anlagen verkaufen zu müssen.

Partners Group sieht in diesen Finanzierungen eine Ergänzung zum klassischen Direct Lending. «Da die privaten Kreditmärkte sowohl an Umfang als auch an Reife weiter zunehmen, haben sich die Möglichkeiten zur Kombination komplementärer ertragsgenerierender Strategien erweitert», sagt Andrew Bellis, Global Head of Private Credit, Partners Group.

Zusätzliche Verschuldung auf Fondsebene

Das tönt geschliffen, doch das Geschäft ist mit vielen Risiken verbunden. NAV-Finanzierungen schaffen zusätzliche Verschuldung auf Fondsebene. Die Sicherheiten bestehen häufig aus illiquiden Anlagen, deren Bewertungen nicht laufend durch Markttransaktionen überprüft werden können.

Die Gefahr besteht, dass Private-Credit-Manager mit dem Geld ihrer Anleger Positionen finanzieren, die eigentlich niemand mehr will. Hinzu kommt eine mögliche Doppelrolle. Partners Group gehört selbst zu den grossen Private-Markets-Managern und verwaltet zahlreiche Anlagevehikel. Im Private-Credit-Geschäft sind es nach eigenen Angaben rund 40 Milliarden Dollar.

Ob die neue Strategie auch Fonds aus dem eigenen Haus finanzieren darf, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Ebenso offen ist, wie gross der Anteil von NAV-Finanzierungen und Credit Secondaries am Gesamtportfolio sein soll.

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