Lange sah es so aus, als würde die UBS die Fondsadministration wieder ins eigene Haus holen. Mit der Übernahme der Credit Suisse hatte die Grossbank auch eine Abteilung übernommen, die genau diese Dienstleistungen erbrachte. Damit bot sich für die UBS die Gelegenheit, eine strategische Entscheidung aus dem Jahr 2017 rückgängig zu machen.
Damals hatte die UBS ihre Fondsadministration in der Schweiz und Luxemburg an die amerikanische Grossbank Northern Trust verkauft und eine langfristige Dienstleistungsvereinbarung abgeschlossen. Die Fondsleitung blieb bei der UBS, während Northern Trust unter anderem die Fondsbuchhaltung, die Berechnung der Nettoinventarwerte (NAV) und das Reporting übernahm.
Gute Argumente im Verhandlungspoker
Gemäss gut unterrichteten Quellen hat die UBS offenbar erwogen, die Administration wieder ins eigene Haus zu holen und damit auf die Fondsadministration der Credit Suisse zu setzen.
Nach längeren Verhandlungen hat sich die UBS nun aber doch gegen eine Rückkehr zur Eigenadministration entschieden. Doch allein die Option, die Administration wieder zurückzuführen, dürfte der UBS schlagkräftige Argumente im harten Verhandlungspoker mit Northern Trust geliefert haben.
Wie die Grossbank am Dienstag mitteilte, übernimmt Northern Trust nun das ehemalige Fondsadministrationsgeschäft der Credit Suisse für traditionelle und alternative Anlagen in der Schweiz und Luxemburg. Der Abschluss der Transaktion ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Die anschliessende Migration der Fondsadministration soll schrittweise über einen Zeitraum von zwei Jahren erfolgen.
Für Northern Trust stand viel auf dem Spiel
Andreas Toscan, bei UBS verantwortlich für Institutional Clients und Global Asset Servicing, begründet den Entscheid mit den steigenden Anforderungen an Technologie und Skaleneffekte. Die Bank wolle sich auf jene Bereiche konzentrieren, in denen sie den grössten Mehrwert für ihre Kunden schaffen könne. Allerdings wäre das UBS Asset Management sehr wohl gross genug gewesen, um eine eigene Fondsleitung effizient zu betreiben.
Für Northern Trust stand viel auf dem Spiel. Für die Traditionsbank aus den USA, die in der Schweiz mit einem abgespeckten Dienstleistungsangebot aktiv ist, wäre der Verlust der UBS als Kunden gravierend gewesen. Mit der nun erzielten Vereinbarung kann sie das Geschäft in der Schweiz und Luxemburg aber deutlich ausbauen. Northern Trust ist in der Schweiz nicht nur für die UBS tätig, sondern betreut bereits heute die Fondsadministration für weitere Schweizer Anbieter, darunter Raiffeisen.
Keine Angaben zu den Arbeitsplätzen
Zahlen zur Transaktion nennt die UBS nicht, weder zum Fondsvermögen, das zusätzlich zu Northern Trust übertragen wird, noch zur Zahl der betroffenen Mitarbeitenden. Unklar ist auch, wie viele Beschäftigte zum US-Anbieter wechseln können und wie viele Stellen verschwinden werden.
Zum Vergleich: Als UBS 2017 ihre Fondsadministration in der Schweiz und Luxemburg verkaufte, umfasste das Geschäft rund 420 Milliarden Franken an administrierten Vermögen und etwa 250 Mitarbeitende. Allein bis zum Zeitpunkt Übernahme der Credit Suisse dürfte das von Northern Trust für UBS administrierte Fondsvolumen schon deutlich angewachsen sein.