Schon vor Wochen tauchten erste Berichte über die dubiose Finanzfirma AIX Investment Group in den Medien auf. Das Unternehmen lockte in den vergangenen Jahren Anleger mit garantierten Renditeversprechen von 10 bis 30 Prozent an. Doch vor bald einem Jahr war der Spass vorbei – AIX stellte sämtliche Ausschüttungen an ihre Anleger ein. Gleichwohl sammelte das Unternehmen neues Geld ein. Jetzt müssen Tausende Anleger um ihr Geld fürchten.
AIX inszenierte sich als glitzernde Erfolgsgeschichte des Finanzplatzes Dubai. Das Unternehmen residierte im Burj Khalifa, warb bei Emirates, sponserte den spanischen Fussballclub Celta Vigo und kaufte 2024 ein Formel-2- und Formel-3-Rennteam.
AIX gab hohe Renditeversprechen ab: 12 bis 30 Prozent Jahresrendite wurden Anlegern vertraglich in Aussicht gestellt. Der Vertrieb war hochaggressiv: Fünf Prozent Vermittlungsprovision erhielten Finanzberater für neu gewonnene Kundengelder. Besonders erfolgreiche Verkäufer konnten noch mehr verdienen.
Die Kundengelder wurden offenbar in spekulative Geschäfte mit Rohstoffen, Devisen und digitalen Vermögenswerten investiert. Ein Anwalt eines Anlageopfers bezeichnete die Handelsstrategie gegenüber der Financial Times als «hochriskantes Glücksspiel».
Adel Abdel-Latif verlangt 7,9 Millionen Dollar zurück
Unter den Klägern befindet sich auch ein prominenter Schweizer: Der ehemalige Mister Schweiz und heutige Unternehmer Adel Abdel-Latif fordert von einer Gesellschaft der AIX-Gruppe rund 7,9 Millionen Dollar zurück. Wie Inside Paradeplatz berichtete, reichte der in Dubai lebende Schweizer bereits im Juni Klage beim Dubai International Financial Centre Court ein.
Inzwischen versucht AIX, durch den Verkauf von Vermögenswerten und die Belehnung von Immobilien sowie eines Privatjets Liquidität zu beschaffen. Das Rennteam wurde bereits verkauft. Anfang Woche präsentierte das Unternehmen seinen Anlegern drei Restrukturierungsoptionen. Eine davon sieht eine vierjährige Laufzeit mit einem jährlichen Coupon von 16 Prozent und der Rückzahlung des Kapitals im Januar 2031 vor. Ob diese Versprechen eingehalten werden können, ist offen.
Wer hinter AIX steht, ist ein Rätsel. Die FT identifizierte den Slowenen Aleš Čebulj als wirtschaftlich Berechtigten. Sein Name erscheint allerdings nirgends in den offiziellen Registrierungsunterlagen von AIX. Als Geschäftsführer der in Dubai registrierten AIX Holding Limited wird ein weiterer Slowene genannt, Gregor Simonič.
AIX unterhält gemäss Website eine einzige Tochtergesellschaft im Ausland. Es handelt sich dabei um die AIX Group AG mit Sitz an der Brandschenkestrasse in Zürich. Einziges Organ der Gesellschaft ist der Zürcher Anwalt Andreas Bihrer. Er übernahm im Mai 2026 von Benjamin Durner, einem französischen Staatsangehörigen, der zuvor eingetragen war. Andreas Bihrer liess eine Anfrage von Tippinpoint unbeantwortet. Die Zürcher Finanzgesellschaft verfügt über keine FINMA-Registrierung.