Partners Group: Undurchsichtige Aktiendeals werfen Fragen auf

Die Aktie des Zuger Private-Markets-Investors hat in diesem Jahr massiv an Wert verloren. Gleichzeitig melden Insider komplexe Aktienkaufprogramme im Millionenwert. Ob und zu welchen Konditionen die Käufe tatsächlich stattfinden, ist nicht nachvollziehbar.

Partners Group: Undurchsichtige Aktiendeals werfen Fragen auf
Gründer und Aktionäre: Urs Wietlisbach, Fredy Gantner, Marcel Erni. Quelle: HO/tp

Wer wissen will, ob die Chefs eines börsenkotierten Unternehmens Aktien der eigenen Firma kaufen oder verkaufen, kann dies in der Datenbank der Schweizer Börse SIX nachschauen. Die sogenannten Management-Transaktionen sollen Transparenz schaffen. Schliesslich ist es für Anleger wichtig zu erfahren, ob Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder mit ihrem eigenen Geld auf die Zukunft ihres Unternehmens setzen oder sich im grossen Stil von Aktien trennen.

Besonders interessant ist das bei der Partners Group, bei der die schwerreichen Gründer um Fredy Gantner, Urs Wietlisbach und Marcel Erni als sogenannte exekutive VR-Mitglieder stark engagiert sind.

Nachdem der Kurs des Unternehmens im Februar 2026 nach einem Angriff eines Short-Sellers und wegen Turbulenzen im Private-Credit-Markt stark unter Druck kam, kauften Insider kräftig eigene Aktien zu.

Kursverlauf Partners Group. Quelle: LSEG/ft

Damals waren das meist ganz gewöhnliche Transaktionen. Zum Beispiel am 27. März, als ein exekutives Verwaltungsratsmitglied oder Mitglied der Geschäftsleitung den Kauf von 1250 Aktien zum Preis von 1'021'075 Franken meldete. Oder am 5. Juni, als ein Kauf von 14’000 Namenaktien für über 10 Millionen Franken gemeldet wurde. Insgesamt gab es seit Anfang Jahr 45 Meldungen dieser Art, die meisten waren klar deklarierte Aktienkäufe.

Das hat sich nun aber geändert. Der Zuger Private-Markets-Investor meldet zunehmend komplexe Finanzinstrumente, mit denen Insider Aktien des eigenen Unternehmens kaufen. Am 19. Juni wurden gleich zwei sogenannte Pre-Trading Plans mit einem Volumen von jeweils bis zu 15 Millionen Franken bekanntgegeben. Die Programme liefen nach den vorliegenden Angaben bis zum 4. September.

Ob die vorgesehenen Aktienkäufe tatsächlich ausgeführt wurden und zu welchen Preisen, lässt sich aus den bisher geprüften Meldungen nicht feststellen. Zwei weitere Pre-Trading-Pläne wurden Mitte September bei der SIX gemeldet. Dabei geht es um ein Volumen von je 8,5 Millionen Franken.

Wie ein Sprecher auf Anfrage sagt, sei der Pre-Trading-Plan vom Juni «weitgehend umgesetzt» worden. «Zu weiteren Einzelheiten äussern wir uns nicht.»

Aktienkäufe mit Knock-out-Schwelle

In der SIX-Datenbank finden sich noch zwei weitere, erst kürzlich erfolgte Transaktionen, die noch mehr Fragen aufwerfen. Am 6. und 7. Oktober meldete die SIX den Erwerb eines speziellen Finanzprodukts mit zugrunde liegenden Partners-Group-Aktien. Es handelt sich um nicht börsenkotierte Finanzinstrumente, mit denen über einen Zeitraum von jeweils 252 Handelstagen Partners-Group-Aktien zu festgelegten Preisen erworben werden sollen.

Das erste Programm sieht vor, ab dem 7. Oktober täglich 58 Aktien zu einem Preis von 567.19 Franken zu kaufen. Allerdings nur, solange der Schlusskurs der Partners-Group-Aktie unter 761.53 Franken liegt. Erreicht oder überschreitet der Kurs diese Schwelle, endet das Programm sofort.

Das zweite, einen Tag später gestartete Programm funktioniert nach demselben Prinzip. Hier sollen täglich 42 Aktien zu einem fixierten Preis von 557.14 Franken erworben werden. Die Knock-out-Schwelle liegt bei 747.32 Franken. Am Freitag schlossen die Aktien von Partners Group bei 594 Franken.

Zusammen ermöglichen die beiden Finanzinstrumente den Erwerb von maximal 25'200 Aktien für insgesamt rund 14,2 Millionen Franken.

Die Konstruktion wirft Fragen auf. Weshalb wird ein fixer Kaufpreis vereinbart, der deutlich unter der Knock-out-Schwelle liegt? Wer ist die Gegenpartei? Aus der veröffentlichten Beschreibung allein lässt sich nicht beurteilen, wie attraktiv die Konditionen tatsächlich sind. Für interessierte Beobachter ergeben sich mehr Fragen als Antworten.

Was erfahren die übrigen Aktionäre?

Verständlicher sind die Pre-Trading Plans. Sie ermöglichen es Insidern, Aktiengeschäfte im Voraus nach bestimmten Regeln festzulegen. Damit soll insbesondere das Risiko reduziert werden, aufgrund vertraulicher, kursrelevanter Informationen zu handeln.

Aber auch hier kann es problematisch werden, wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Deals für Aussenstehende nicht nachvollziehbar sind. Gerade bei Partners Group ist das relevant. Während die Aktionäre erhebliche Kursverluste hinnehmen mussten, stellt sich die Frage, zu welchen Bedingungen Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder ihre Beteiligungen aufstocken können.

In den USA sind solche Handelsprogramme unter der Bezeichnung Rule 10b5-1 bekannt. Tatsächlich ausgeführte Insidergeschäfte müssen dort grundsätzlich zeitnah offengelegt werden. Zudem ist ersichtlich, ob die Transaktionen im Rahmen eines solchen Plans erfolgten.

Die Offenlegungsregeln bei der SIX hingegen sind weniger streng. Hier können die geplanten Transaktionen anhand einer einzigen Meldung abgebildet werden, wie es bei der SIX auf Anfrage heisst. Die einzelnen Transaktionen, die im Rahmen des Pre-Trading Plans ausgeführt werden, seien in der Folge nicht mehr meldepflichtig.

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