Bär: Hörst du die Hyänen, wie sie kichern? Sie riechen Beute. Der britische ‘Telegraph’ hat eben postuliert, Regierung und Finanzplatz sollten alles daran setzen, um unsere UBS nach London zu holen. Das wäre ein echter Coup für die Briten.
Bulle: Klar, die Scharfmacher in der Wegzugsdebatte haben Konjunktur. Das ‘Wall Street Journal’ hat grad getitelt, ein Schweizer Bankriese denke «das Undenkbare». Die ‘Financial Times’ spricht von der «nuclear choice». Ein Aktionär wie Artisan Partners schreibt in einem Brieflein an den UBS-Verwaltungsrat, die Schweiz lasse angesichts strengerer Kapitalregeln der Bank «keine echte Wahl».

Bär: Ein Kampf um Schlagwörter. Da überbieten sich einige gegenseitig und der nächste steht schon bereit. Immerhin hat UBS-Chef Ermotti jüngst selber etwas den Fuss vom Gaspedal genommen und sich zum Standort Schweiz bekannt.
Bulle: Er will sicher nicht als der CEO in die Geschichte eingehen, der die UBS ins Ausland verhökert hat. Aber Präsident Colm Kelleher wird als Ire keine Skrupel haben. Seine Phrase kann ich hier schon vorformulieren: «Wir sind unseren Aktionären verpflichtet.»
Bär: Aber irgendwie muss es doch eine Nummer kleiner gehen. Meiner Meinung nach dreht sich letztlich alles um das Investment Banking, hier sind die grossen Risiken, um die sich Land und Regulator Sorgen machen müssen.
Bulle: Siehe den Fall Archegos. Die Credit Suisse hatte bei diesem Hedgefonds-Poker über 20 Milliarden Dollar auf dem Spieltisch und 5,5 Milliarden verloren. Mehr als alle anderen involvierten Investmentbanken zusammen. Einer der letzten Sargnägel für die CS, verursacht durch Missmanagement.
Bär: Darum muss man eine Lösung für die Investmentbank finden. Das ist ein personenabhängiges Geschäft. Ich gebe zu, im Moment hat die UBS mit Ermotti einen, der sich darin auskennt. Auch Präsident Kelleher ist clever genug dafür….
Bulle: … aber irgendwann hockt zuoberst wieder so einer wie damals bei der CS der Urs Rohner und versteht nichts. Dann gibt es wieder ein Schlamassel.
Bär: Das hat unsere letzte Grossbank auch zur Genüge erlebt. Schon kurz nach der Fusion von SBG und dem Bankverein zur UBS. Ich erinnere an 1998, an den US-Hedgefonds LTCM mit den zockenden Nobelpreisträgern Myron Scholes und Robert Merton: Über 1 Milliarde Verlust für die UBS und VR-Präsident Mathis Cabiallavetta verlor Hut und Ruf. Zehn Jahre später, 2008, brachte das Investment Banking Marcel Ospel zu Fall.

Bulle: Aber was jetzt? Willst du wie Christoph Blocher der UBS verbieten, in den USA irgendwelche Tochtergesellschaften zu besitzen. Womit sich ein sinnbringendes Geschäft in den USA erledigt hätte, inklusive des ganzen Vermögensverwaltungsgeschäfts.
Bär: Zu kurz gedacht. Es geht nur um das Investment Banking. Nicht um die Vermögensverwaltung. Ermotti betont ja ständig, dass 40 Prozent aller Millionäre weltweit in den USA lebten und die UBS als wirklich globaler Vermögensverwalter dort präsent sein müsse, um Erfolg zu haben.
Bulle: Da kann man ihm wohl zustimmen. Letztes Mal hast du so eine Art Joint Venture ins Spiel gebracht, heisst, einen Partner zu finden für das US-Geschäft der UBS.
Bär: Wie bei Blocher, zu kurz gedacht. Mein Vorschlag heute: Die UBS soll doch einfach ihre Investment Bank an ein US-Institut wie Morgan Stanley abgeben, im Tausch für eine namhafte Aktienbeteiligung.
Bulle: Das würde heissen, die UBS wäre dann mit 10, 15 oder wieviel Prozent auch immer an einem amerikanischen Platzhirschen im Investment Banking beteiligt. Du meinst, so einer wäre bereit, sich darauf einzulassen?
Bär: Warum nicht? Die UBS geniesst im Ausland eine hohe Reputation, wie der ‚Telegraph‘ mit seinem Bericht ja bestätigt hat. Ein seriöser Ankeraktionär könnte für so eine Bank von Nutzen sein.
Bulle: Hm, auf die Weise könnte sich die UBS allenfalls des Problems entledigen, dass Schweizer mit ihrem Investment Banking an der Wall Street stets nur neben dem Podest stehen. Ich erinnere mich gut daran, als On im 2021 an die New Yorker Börse ging. Sogar unser Schweizer Sportschuhhersteller wählte für sein IPO drei Amis als Konsortialführer, Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan. Die UBS und die CS durften etwas weiter hinten das Teilnehmerfeld auffüllen und mitlaufen.
Bär: Den Kunden der UBS könnte weiter ein Zugang zu Dienstleistungen des Investment Bankings geboten werden. Der Regulator hier bei uns müsste sich weniger Sorgen machen, da unsere letzte Grossbank nur Minderheitsaktionär einer US-Investment-Bank wäre. Das würde den Streit um Kapitalvorschriften entschärfen.
Bulle: Und Ermotti könnte seine grossen Wachstumsambitionen im US-Wealth-Management weiter eigenständig verfolgen. Gibt es keinen Haken, was hätte das für den Aktienkurs zur Folge?
Bär: Man müsste es eben wollen. Es wäre ein Einschnitt. Aber ich wette, liesse sich eine Lösung in der Art finden, würde die UBS-Aktie einen Sprung machen und die Hürde von 50 Franken nehmen. Dann darf Präsident Kelleher getrost frohlocken, er nehme seine Verantwortung gegenüber seinen Aktionären halt ernst.
Bulle und Bär sind zwei langjährige, erfahrene Wirtschaftsjournalisten aus der Schweiz.