«Telegraph»: London soll der UBS den roten Teppich ausrollen

Die Debatte über einen möglichen Wegzug der UBS wird in London aufmerksam verfolgt. Der britische «Telegraph» fordert Regierung und City auf, alles daranzusetzen, die Grossbank nach London zu holen.

«Telegraph»: London soll der UBS den roten Teppich ausrollen
Foto: Tadas Petrokas / Unsplash

Die konservative britische Zeitung «The Telegraph» findet klare Worte: Sollte die UBS die Schweiz tatsächlich verlassen, müsse London alles daransetzen, die Grossbank an die Themse zu holen. Die City und die britische Regierung sollten der UBS den «roten Teppich» ausrollen.

Zwar gebe es zahlreiche Hürden, und möglicherweise werde es nie zu einem Wegzug kommen. Doch eine UBS mit Sitz in London wäre genau der Boost, den der britische Finanzplatz derzeit brauche, schreibt Kommentator Matthew Lynn. Die Ansiedlung einer Bank von der Grösse und Reputation der UBS wäre ein «Coup für Grossbritannien».

Meinungsstück im britischen «The Telegraph».

Noch vor kurzem sei es praktisch undenkbar gewesen, dass die UBS ihren Sitz aus der Schweiz verlagern könnte. Die Bank sei mit ihrem starken Wealth-Management-Geschäft, ihrer Geschichte und ihrem Ruf für Stabilität eng mit dem Schweizer Finanzplatz verbunden.

Doch der Streit um die verschärften Kapitalvorschriften habe die Ausgangslage verändert. Die UBS müsse entweder deutlich mehr Kapital vorhalten und damit ihre Profitabilität belasten – oder einen Standort suchen, an dem die Regeln weniger streng seien.

Der «Telegraph» räumt allerdings ein, dass die UBS mit ihren Wegzugsüberlegungen auch bluffen könnte. Falls die Bank die Schweizer Regierung zu einem Einlenken bewegen wolle, sei die Drohung mit einem Wegzug jedenfalls ein guter Anfang. Sollte es aber tatsächlich dazu kommen, müsse London alles unternehmen, um die UBS zu gewinnen.

Viel Wishful Thinking

Die Konkurrenz für London wäre allerdings gross. Als mögliche Standorte nennt der Kommentar New York, Singapur und Frankfurt. London könne dagegen mit einem etablierten Finanzplatz, verlässlicher Rechtsordnung und seiner Bedeutung im Devisen-, Derivate- und Vermögensverwaltungsgeschäft punkten. Zudem habe die UBS über die frühere Swiss Bank Corporation und deren Übernahme von SG Warburg bereits tiefe historische Wurzeln in der City.

Da steht viel Wishful Thinking zwischen den Zeilen. Worauf der «Telegraph» nicht eingeht: CEO Sergio Ermotti und Präsident Colm Kelleher gelten nicht als besonders anglophil. Kelleher ist Ire – was schon fast alles sagt. Vielmehr haben beide eine viel engere Bindung zur Wall Street und zu den USA, wo sie mit der UBS in den nächsten Jahren durchstarten wollen.

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