30 Leute im Einsatz? Der MBaer-Liquidator scheint keinen Aufwand zu scheuen

Acht Monate nach der Schliessung der MBaer Merchant Bank ist die Liquidation offenbar kaum vorangekommen. Kundengelder wurden bisher nicht ausbezahlt, eine Eröffnungsbilanz fehlt. Dafür soll der Liquidator rund 30 Leute beschäftigen. 

30 Leute im Einsatz? Der MBaer-Liquidator scheint keinen Aufwand zu scheuen
MBaer-Liquidator Daniel Staehelin. Quelle: HO

Die kleine MBaer Merchant Bank wurde Anfang Februar von Amtes wegen geschlossen – und mit Verfügung der Finma in Liquidation geschickt. Verwaltungsrat und Management wurden abgesetzt – inzwischen sind auch praktisch alle Mitarbeitenden der Bank weg.

Verwaist ist die Bank allerdings nicht. Für Leben in den Büros im Enge-Quartier sorgt der von der Finma eingesetzte Liquidator, der Basler Anwalt Daniel Staehelin. Mit einem Stab von geschätzt nicht weniger als 30 Leuten soll er sich um die Abwicklung der Bank kümmern. Das sagt eine Quelle, die kürzlich auf den Fluren der Bank unterwegs war.

Blockierte Milliarden bei MBaer - Kunden haben keinen Zugriff
Sitz der MBaer in Zürich. Quelle: Google Streetview

Der Hauptjob der angeheuerten Leute soll offenbar darin bestehen, die rund 700 Kunden der Bank zu überprüfen. Sind sie wirklich die, die sie vorgeben zu sein? Stammen die Gelder aus den Quellen, die sie angegeben haben? Diese Know-Your-Customer-Abklärungen dauern nun schon Monate.

Die Staehelin-Truppe soll dabei mit einer Akribie vorgehen, die möglicherweise weit übers Ziel hinausschiesst. Zumal bereits während des langen Enforcement-Verfahrens beziehungsweise im Rahmen der sogenannten Remediation auf Druck der Finma viele Kundendossiers komplett neu erstellt wurden.

Wo ist die Eröffnungsbilanz? Wann erhalten Kunden ihr Geld? 

Für andere Aufgaben scheint der Liquidator kaum Zeit zu haben. So konnte der Liquidator auch acht Monate nach der Schliessung der Bank keine Eröffnungsbilanz erstellen. Die Eigentümer der Bank warten bis heute darauf. 

Besonders ärgerlich ist die schleppende Aufarbeitung für die Kunden der Bank. Laut informierten Quellen soll bisher noch keine einzige Überweisung von Kundengeldern stattgefunden haben.

Ebenfalls unbekannt ist, wie viel die Liquidation der MBaer eigentlich kosten wird. In der Regel sollten Liquidatoren in der Lage sein, eine Einschätzung zu den Kostenfolgen machen zu können. Tippinpoint fragte Daniel Staehelin im April an, ob Kosten in der Höhe von 2 bis 3 Millionen Franken pro Jahr realistisch seien. Der Liquidator erklärte, dass er das nicht sagen könne.

Eine erneute Anfrage zu den Kosten sowie zu den anderen Punkten wie Kundenüberweisungen, KYC-Abklärungen und zum von ihm eingesetzten Personal blieb unbeantwortet.

Kaum Vorgaben der Finma

Von der Finma gibt es keine Beschränkungen, wie lange sich der Liquidator Zeit nehmen kann. Die verfahrensrechtlichen Vorgaben sehen allerdings gewisse Leitplanken vor. Privilegierte Einlagen bis zu 100'000 Franken müssen aus den vorhandenen liquiden Mitteln der Bank raschmöglichst ausgezahlt werden. Und die Liquidatoren müssen zu Beginn eine Eröffnungsbilanz erstellen. 

Die Vorgehensweise des Liquidators ist umso stossender, als die Bank stets genügend kapitalisiert war und auch keine Kundengelder zu Schaden gekommen sind. Zum Zeitpunkt der Liquidation verfügte MBaer über 70 Millionen Dollar Eigenkapital. Daniel Staehelin kann sich also noch viele Jahre jeden Stein in der Bank umdrehen und jedes Blatt so oft wenden, wie er will, bis das Geld aufgebraucht ist.

Empfehlungen

Neueste Artikel

Newsletter anmelden

Das wöchentliche Briefing für einen Überblick ohne News-Stress

Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung per E-Mail.

Die Anmeldung hat nicht geklappt. Bitte versuchen Sie es erneut.