Die Euphorie über den Wahlsieg der Demokraten bei den amerikanischen Zwischenwahlen ist an den Finanzmärkten in helle Panik umgeschlagen. Nach dem grössten Sell-off an der Wall Street seit 2020 sind am Freitag auch die asiatischen Börsen massiv unter Druck geraten. Besonders hart trifft es die Technologiewerte, die in den vergangenen Monaten vom Boom rund um künstliche Intelligenz (KI) profitiert hatten.
In Japan verlor der technologielastige Nikkei 225 zeitweise 6 Prozent. Noch dramatischer fiel der Kurseinbruch in Südkorea aus. Nachdem der Kospi-Index um 8,5 Prozent eingebrochen war, wurde der Handel für 20 Minuten ausgesetzt. Auch in Europa zeichnet sich ein schwacher Handelsstart ab. Die Terminkontrakte auf den SMI, Stoxx Europe 600 und den britischen FTSE 100 liegen rund 1 Prozent im Minus.
Am Donnerstag hatte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Handelstage seit Jahren erlebt. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 6,4 Prozent, der breite S&P 500 sackte um 4,4 Prozent ab. Insgesamt wurden an den amerikanischen Aktienmärkten mehr als 3 Billionen Dollar Börsenwert vernichtet.
Angst vor dem Ende des KI-Booms
Auslöser des Kurssturzes ist die Furcht, dass der klare Wahlsieg der Demokraten den Boom bei künstlicher Intelligenz beenden könnte. Investoren befürchten strengere Vorschriften für die KI-Industrie und eine Verlangsamung des milliardenschweren Ausbaus von Rechenzentren. Gerade die Hersteller von Hochleistungschips, die zu den grössten Börsengewinnern des Jahres gehören, geraten deshalb unter massiven Verkaufsdruck.

Wie stark die Stimmung gedreht hat, zeigt der sogenannte US AI Winners Index der UBS. Der Index umfasst mehr als 40 Unternehmen, die besonders stark vom KI-Boom profitieren, darunter Nvidia, Broadcom und AMD. Am Donnerstag verlor er mehr als 8 Prozent und steuerte damit auf seinen grössten Tagesverlust des Jahres zu.
Damit haben die grossen KI-Gewinner ihren Vorsprung gegenüber dem breiten amerikanischen Aktienmarkt fast vollständig eingebüsst. Über weite Strecken des Jahres hatten sie den S&P 500 deutlich hinter sich gelassen.