UBS-Chef Sergio Ermotti hat am Mittwoch eine weitere Eskalationsstufe gezündet. Anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen stellte der UBS-Chef den Standort Schweiz so deutlich infrage wie noch nie. «Wir prüfen die langfristigen Konsequenzen für unsere Fähigkeit, von der Schweiz aus wettbewerbsfähig zu bleiben.»
Und er schob nach: «Eine Bank mit Schweizer DNA, die in der Schweiz verwurzelt ist, zu sein, ist ein grosser Vorteil. Aber das ist nicht der Grund, weshalb unsere Kunden bei uns Bankgeschäfte tätigen.»
Bisher hatte die UBS vor allem vor den Folgen der geplanten Eigenkapitalvorschriften gewarnt. Nun stellt Ermotti also die langfristige Zukunft des Schweizer Standorts zur Diskussion. Vor ein paar Monaten tönte es noch anders: Damals bezeichnete er Wegzugsspekulationen als «Bullshit».
Doch wie ernst meint es der UBS-Chef wirklich? Er lässt zwar kaum eine Gelegenheit aus, die Möglichkeit eines Wegzugs ins Spiel zu bringen. Doch andererseits verweigert er jede konkrete Diskussion über die wirtschaftlichen Konsequenzen einer solchen Operation.
Drohkulisse ohne Preisschild
In der Telefonkonferenz mit Analysten vom Mittwoch zeigte sich dieser Widerspruch besonders deutlich. Als die Diskussion auf mögliche Notfallpläne für einen Wegzug kam, blockte Ermotti ab: «Wir kommentieren weder Spekulationen noch Annahmen oder Meinungen zu möglichen Notfallplänen.» Das sei völlig unangemessen. Jeder könne sich seine eigene Meinung bilden, aber die UBS werde dazu keinen Kommentar abgeben.
Ein Wegzug der UBS wäre wohl eine der komplexesten und auch teuersten Operationen in der Geschichte des Schweizer Finanzplatzes. Die Grossbank müsste ihre rechtliche Struktur, ihre Kapitalausstattung und möglicherweise auch ihre Organisation grundlegend verändern. Hinzu kämen regulatorische Bewilligungsverfahren, steuerliche Fragen und erhebliche operative Risiken.
Es ist also völlig legitim, dass Analysten Fragen zu den möglichen Kosten einer solchen Transaktion stellen. Schliesslich werden die «Spekulationen» längst nicht mehr nur von aussen an die Bank herangetragen, sondern von der UBS selbst am Köcheln gehalten.
Genauso gerne würde man erfahren, wie hoch die Einsparungen wären, wenn die UBS ihren Hauptsitz ins Ausland verlegen würde. Doch Ermotti warnt nur vor Milliardenbelastungen durch die geplante Lex UBS. Über die möglichen Milliardenkosten eines Wegzugs möchte er hingegen nicht sprechen.
Das Timing ist natürlich kein Zufall. Die Beratungen im Parlament über die Lex UBS biegen in die Endphase ein. Der Ständerat hat sich bereits für eine deutlich höhere Eigenmittelunterlegung der ausländischen Tochtergesellschaften ausgesprochen. Nun liegt der Ball bei der Wirtschaftskommission des Nationalrats, die Ende November entscheiden wird.