Ein grösserer Stellenabbau gehöre zu den «anspruchsvollsten Herausforderungen für Arbeitgeber und HR-Verantwortliche», schreibt der Verband Arbeitgeber Banken in der Einladung zu einem Seminar, das gesten Donnerstag stattfand. «Massenentlassungen und Sozialpläne in der Praxis» lautete der Titel der Veranstaltung, für die der Verband unter anderem auf der Plattform LinkedIn geworben hatte.
«Enge Fristen, komplexe rechtliche Vorgaben und heikle Kommunikationsfragen» verlangten eine sorgfältige Vorbereitung, hiess es weiter. «Denn Fehler im Verfahren können weitreichende Folgen haben.» Im Mittelpunkt des Seminars standen konkrete Praxisbeispiele, typische Stolpersteine und Handlungsempfehlungen für die Umsetzung von Massenentlassungen.

Screenshot Linkedin
Einer der Referenten war Balz Stückelberger, Geschäftsführer des Verbands Arbeitgeber Banken. Auf Anfrage von Tippinpoint sagte er, dass der Verband jährlich rund 15 Veranstaltungen für seine Mitglieder organisiere. Etwa die Hälfte davon befasse sich mit arbeitsrechtlichen Fragen.
Das Seminar zu Massenentlassungen sei Teil dieses regulären Angebots gewesen. Zwar kämen Massenentlassungen vergleichsweise selten vor, doch gerade deshalb sei eine gute Vorbereitung wichtig. Bei solchen Verfahren dürften sich Arbeitgeber keine Fehler erlauben.

«Wir begleiten immer wieder solche Massenentlassungen und Sozialpläne», sagt Stückelberger. Dies komme inzwischen häufiger vor als früher. Gerade bei Sozialplänen sei es wichtig, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Verhandlungsmöglichkeiten zu kennen. Der Verband wolle deshalb entsprechende Schulungen regelmässig anbieten.
Ein Tabuthema
Gerade einmal fünf Personen nahmen an der Veranstaltung teil. Laut Stückelberger habe man erwogen, das Seminar abzusagen. Schliesslich habe man es dennoch in kleinem Kreis durchgeführt. Nach Angaben des Verbandsdirektors war keiner der Teilnehmer unmittelbar von einer bevorstehenden Massenentlassung betroffen. Das Seminar habe vielmehr dazu gedient, den Verantwortlichen das notwendige Rüstzeug für einen möglichen Ernstfall zu vermitteln.
Die geringe Teilnehmerzahl dürfte allerdings auch mit dem Thema selbst zusammenhängen. Massenentlassungen sind in der Bankenbranche nach wie vor ein Tabuthema. Wer an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, könnte den Verdacht wecken, dass bei seiner Bank ein grösserer Stellenabbau bevorsteht. Kaum ein Personalverantwortlicher möchte mit einem solchen Signal in Verbindung gebracht werden. Das könnte erklären, weshalb sich das Interesse in Grenzen hielt.
Von einer Massenentlassung im rechtlichen Sinn spricht man in der Schweiz, wenn innerhalb von 30 Tagen eine bestimmte Zahl von Kündigungen ausgesprochen wird. Die Schwellenwerte hängen von der Betriebsgrösse ab: Bei Betrieben mit 21 bis 99 Beschäftigten sind es mindestens zehn Kündigungen, bei 100 bis 299 Beschäftigten mindestens 10 Prozent der Belegschaft und bei grösseren Betrieben mindestens 30 Kündigungen.
UBS-Abbau belastet den Arbeitsmarkt
Im Schweizer Banking sind zuletzt wie Stellen verschwunden. Im Zuge der Integration der Credit Suisse in die UBS sind bereits Tausende Jobs verschwunden. Aber auch andere Banken streichen Stellen oder reorganisieren Geschäftsbereiche. Der Einfluss der KI dürfte noch kaum «eingepreist» sein.
Besonders betoffen ist der Kanton Zürich, dem wichtigsten Bankenstandort der Schweiz. Im September 2026 waren insgesamt 1621 arbeitslose Personen aus dem Bankensektor registriert. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 31 Prozent gestiegen.