Gastkommentar

Ermotti sollte die Ehrlichkeit haben, abzutreten

Sergio Ermotti hat die Schlacht um die «Lex UBS» verloren. Er hat eine Drohkulisse aufgebaut, die nun zum Dilemma geworden ist. Der Rücktritt wäre das Ehrlichste, was er der Bank und dem Land schuldet.

Ermotti sollte die Ehrlichkeit haben, abzutreten
Sergio Ermotti. Quelle: UBS.

Vor wenigen Monaten nannte UBS-CEO Sergio Ermotti die Wegzugsgerüchte um die letzte Schweizer Grossbank noch «Bullshit». Letzte Woche sagte der UBS-CEO nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen, die UBS prüfe die langfristigen Konsequenzen für ihre Wettbewerbsfähigkeit von der Schweiz aus. Die Schweizer DNA der UBS sei nicht der Grund, Kunde bei der Bank zu sein. 

Ein paar Wochen zuvor hatte Ermotti noch gesagt, der Standort Schweiz sei gut für die Schweizer Wirtschaft, die Kunden und die Aktionäre. Andernorts hatte er angedeutet, die Mehrkosten einer härteren Eigenkapitalunterlegung würden wohl an die Kunden weitergegeben – und damit an den Wirtschaftsstandort Schweiz.

Was für ein Dilemma: Ermotti verkauft die Interessen der Aktionäre als Interessen der Schweiz. Die Eigenkapitalregeln würden der Schweiz schaden, ein Wegzug der UBS schade der Schweiz aber noch mehr. Dabei ignoriert Ermotti die Stimmung in der Schweizer Bevölkerung: Sie würde den hypothetischen Schaden einer schärfer regulierten UBS tragen, solange das Risiko eines «Bailouts» durch Schweizer Steuergelder massiv abgemindert würde. 

Dies alles zusammen trägt nicht. Was nun, Sergio Ermotti? Eine weitere Niederlage im Nationalrat im Dezember ist absehbar, die höchsten Chancen hat eine Unterlegung der UBS-Auslandstöchter mit 90 Prozent hartem Kernkapital. Der Ausweg «Wegzug» ist die wohl schlechteste Option von allen: Extrem zäh und aufwendig, ein unsicherer Ausgang, ein Verlust der Swissness und des Vertrauenskapitals der UBS – und ein unvorhersehbarer Reputationsschaden für Ermotti und den Verwaltungsrat. Gleiches gälte für den direkteren Weg: Ein Verkauf der UBS oder eine Fusion. Möglicherweise wäre dies Ermotti egal: Er hätte sein stolzes Salär und seinen Bonus für einige weitere Jahre auf sicher, was den Gesichtsverlust aufwiegen würde.

Ermotti hat auf Sieg gesetzt und verloren: Die Kernfrage, wer die Risiken tragen soll, die eine Grossbank im Ausland eingeht, hat er nie beantwortet. Doch seine Kampagne lässt darauf schliessen: Der Steuerzahler soll zahlen, der Aktionär profitieren.

Ermotti hat mit seinen Wegzugs-Dementi und anschliessenden Andeutungen sowie mit seinen Angriffen auf die Politik der Gesprächsbasis argen Schaden zugefügt. 

Doch genau diese Basis würde es nun brauchen. Das sollte der UBS-Verwaltungsrat erkennen. In dieser Diskussion braucht es ein neues Gesicht, um die verfahrene Lage zu entspannen. Ermotti müsste dies selbst erkennen. Das wäre ehrlicher, als eine gescheiterte Strategie weiterzuführen. 

Gastautor Maxim Nebenwert heisst in Wirklichkeit anders. In Gastkommentaren vertreten die Autoren ihre persönliche Meinung, die nicht zwingend jener der Redaktion entspricht.

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