Im erfolgsverwöhnten Privatbanking brechen härtere Zeiten an

Die Börsenturbulenzen und Rezessionsängste stellen das Geschäftsmodell des Privatbankings auf die Probe. Ein Kommentar.

Im erfolgsverwöhnten Privatbanking brechen härtere Zeiten an
Julius Bär verhängte einen Einstellungsstopp (Quelle: Unsplash)

Allmählich macht sich die Krise in den Bankbilanzen bemerkbar. Der Gewinn von Julius Bär tauchte um 26 Prozent. Die UBS konnte ihren Gewinn steigern, aber auch nur, weil sie im vergangenen Quartal eine Beteiligung an einem Joint-Venture verkaufen konnte. Sonst wäre der Gewinnrückgang noch deutlicher als bei der Bank Bär.

Im zweiten Halbjahr könnten sich die Zahlen nochmals verschlechtern. UBS-Konzernchef Ralph Hamers gab zwar nur einen vagen Ausblick. Die Stimmung bei den Kunden bleibe “gedämpft”, sagte er am Dienstag während des Analystencalls. Viel Optimismus konnte er nicht verbreiten. Aufhellungen erwartet er etwa in Asien gegen Ende Jahr, wenn in China die Covid-Beschränkungen gelockert und der Kurs der Regierung bestätigt werden könnten.

Doch wie reagieren, wenn es schlechter wird, deutlich schlechter sogar? Wenn sich die Inflation auf hohem Niveau festbeisst, wenn Europa ein Abdrehen des russischen Gashahns nicht verhindern kann und in eine schwere Rezession hineinschlittert? Die Stimmungsbarometer jedenfalls kippen ins Negative. Der Konjunkturindex des deutschen Ifo-Instituts ist deutlich stärker eingebrochen als erwartet. Deutschland steht am Rande einer Rezession.

“Wenn Dinge schlechter werden, haben wir Hebel, die wir in Bewegung setzen können”

Ralph Hamers sagt, dass die Bank stark auf die Kosten schaue. Doch wie genau er die Ausgaben senken möchten, sagte er nicht. “Wenn Dinge schlechter werden, haben wir Hebel, die wir in Bewegung setzen können”, sagte er. Klar ist, die Personalkosten sind bei jeder Bank der grösste Brocken. Doch die Löhne werden in Zukunft eher steigen wegen der Inflation und dem Mangel an Arbeitskräften.

Eine klare Position hat Julius Bär eingenommen. Sie kündigte am Montag eine “Beschleunigung der Kostendisziplin in der gesamten Gruppe” an und verfügte einen generellen "Einstellungsstopp" für die Bank. Lediglich Kundenberater sind von der Massnahme ausgenommen.

Solche Meldungen werden sich in den nächsten Wochen häufen. Schon morgen Mittwoch wird die Credit Suisse ihre Zahlen fürs zweite Quartal veröffentlichen. Es ist davon auszugehen, dass bei der krisengeschüttelten Bank die Kostendisziplin ebenfalls ziemlich weit oben stehen dürfte.

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