Glencore und der chinesisch kontrollierte Bergbaukonzern Yancoal dürfen ihre riesigen Kohleminen im australischen Hunter Valley deutlich länger betreiben. Behörden in New South Wales haben nach einem sechsjährigen Verfahren dem sogenannten Hunter Valley Operations Continuation Project zugestimmt. Die Minen können damit teilweise bis 2045 weiterbetrieben werden. Die Zustimmung der australischen Bundesbehörden steht noch aus.
Die Dimensionen sind beträchtlich. Im Rahmen des Projekts sollen weitere rund 429 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden. Glencore hält 49 Prozent an Hunter Valley Operations (HVO), Yancoal die restlichen 51 Prozent.
Der Zuger Rohstoffrise vollzieht damit eine bemerkenswerte strategische Spitzkehre. Noch 2023 wollte Glencore sein gesamtes Kohlegeschäft abspalten. Im Zusammenhang mit der Übernahme des Kohlegeschäfts von Teck plante das Unternehmen, Kohle und Stahlrohstoffe in eine separate Gesellschaft auszulagern.

Doch daraus wurde nichts. Im Sommer 2024 kam es zur Kehrtwende. Nach einer Konsultation der Aktionäre entschied der Verwaltungsrat, das Kohlegeschäft im Konzern zu behalten. Ein Argument lautete damals: Die hohen Cashflows aus dem Kohlegeschäft können Investitionen insbesondere in Kupfer finanzieren und für Ausschüttungen an die Aktionäre verwendet werden.
Offiziell hält Glencore dennoch an einem schrittweisen und «verantwortungsvollen» Rückgang seines Geschäfts mit Kraftwerkskohle fest. Die Verlängerung bestehender Minen steht dazu aus Sicht des Konzerns nicht im Widerspruch.
So viel CO₂ wie die Schweiz in 20 Jahren
Klimapolitisch ist das australische Projekt gewaltig. Über die gesamte zusätzliche Laufzeit werden die damit verbundenen Emissionen auf 809 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente geschätzt. Rund 794 Millionen Tonnen davon entstehen erst bei der späteren Verbrennung der geförderten Kohle im Ausland. Rund 87 Prozent dieser Emissionen entfallen auf Kohle, die in Kraftwerken verbrannt wird.
Zum Vergleich: Die gesamte Schweiz verursachte 2024 Treibhausgasemissionen von 40,1 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Die mit dem australischen Kohleprojekt verbundenen 809 Millionen Tonnen entsprechen damit gut 20 Jahren des heutigen Schweizer Treibhausgasausstosses.
Die australischen Behörden haben den Klimaeffekt ausdrücklich in ihre Beurteilung einbezogen. Sie kamen jedoch zum Schluss, dass die wirtschaftlichen Vorteile für die Region und den Bundesstaat schwerer wiegen. Dazu zählen Arbeitsplätze, wirtschaftliche Aktivität sowie Steuer- und Lizenzeinnahmen. Gleichzeitig muss HVO unter anderem einen Plan zum Umgang mit den Emissionen aus der Verbrennung der exportierten Kohle vorlegen.
Ganz durch ist das Projekt allerdings noch nicht. Glencore und Yancoal benötigen zusätzlich eine Umweltgenehmigung auf Bundesebene. Diese soll bis Ende 2026 vorliegen.