Der Schweizer Franken gehört zu den grossen Gewinnern der amerikanischen Zwischenwahlen. Mit dem voraussichtlichen Sieg der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses gerät der Dollar kräftig unter Druck. Die Anleger flüchten in sichere Häfen – allen voran in den Franken und den japanischen Yen.
Im asiatischen Handel legte der Franken gegenüber dem Dollar um fast 1 Prozent zu. Der Dollar fiel unter die Marke von 82 Rappen, so tief wie seit zwei Monaten nicht mehr. Der Yen gewann 0,7 Prozent. Damit sind beiden klassischen Fluchtwährungen die Gewinner unter den wichtigsten Devisen.

Auslöser ist die Aussicht, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat übernehmen könnten. Ein demokratisch kontrollierter Kongress könnte die Ausgabenpolitik von Präsident Donald Trump stärker einschränken und damit den Inflationsdruck dämpfen. Gleichzeitig rechnen Investoren mit einer strengeren Regulierung der amerikanischen Technologiebranche, vor allem im Bereich künstliche Intelligenz (KI).
Die Wahlen drücken auch auf die Aktienmärkte. Die Futures auf den S&P 500 verloren zeitweise 1,4 Prozent, die Nasdaq-100-Futures gaben um 2,4 Prozent nach.
Franken ist als Fluchtwährung zurück
Der Franken erlebt mit den Midterms ein Revival als sicherer Hafen in politisch unsicheren Zeiten. Diese Funktion hatte die Währung aufgrund des grossen Zinsunterschieds gegenüber anderen Währungen zuletzt verloren.
Das setzt die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter Druck: Ein stärkerer Franken verbilligt die Importe und dämpft damit die ohnehin geringe Inflation. Sollte die Aufwertung anhalten, könnte dies den geldpolitischen Handlungsspielraum der SNB zusätzlich einschränken.
Allerdings ist völlig offen, wie lange die Dollarschwäche andauern wird. Präsident Trump kann Gesetzesvorhaben der Demokraten mit seinem Veto blockieren oder mit neuen kreativen Dekreten am Kongress vorbei regieren. Daher könnte der Höhenflug des Frankens auch nur von kurzer Dauer sein.