Digital Assets Briefing
Ab 1. Juli ist Schluss mit Tether in Europa. Dann endet die Übergangsphase der MiCA-Regulierung. Auch Binance stolpert. Besser sieht es Schweizer Krypto-Anbieter aus.
26. Juni 2026 • Werner Grundlehner

Am 1. Juli endet die Übergangsphase der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) in der EU. Unternehmen ohne Zulassung dürfen dann keine europäischen Kunden mehr bedienen – oder müssen ihr Geschäft ganz einstellen. Die neuen Vorgaben regeln unter anderem, wie viel Eigenkapital ein Unternehmen zu halten hat, wie es geführt wird, wie Kundengelder geschützt werden und wie Geldwäsche verhindert wird. Die Verordnung ersetzt die bisherigen nationalen Regelwerke der 27 Mitgliedstaaten. Wer in einem EU-Land eine Lizenz erhält, bekommt den Zugang zum gesamten Binnenmarkt.

So arbeitet Coinbase mit einer Zulassung in Irland, Kraken erhielt eine solche in Irland sowie Luxemburg, die Banking-App Revolut besitzt seit Ende des vergangenen Jahres eine Bewilligung in Zypern. Brisant ist die Lage für die weltgrösste Kryptobörse Binance. Reuters berichtete unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen, Binance werde die Erlaubnis verlieren, EU-Kunden zu bedienen, weil der Lizenzantrag bei der griechischen Marktaufsicht, der Hellenic Capital Market Commission, kurz vor der Ablehnung stehe.

Binance will vorerst nicht mehr

Mitte der laufenden Woche teilte Binance mit, den Antrag bei der griechischen Behörde zurückgezogen zu haben. Das Unternehmen erklärte dazu: Das Bekenntnis zu einem klaren, fairen und harmonisierten MiCA-Rahmen bleibe unverändert. Binances Ziele in Europa würden dieselben bleiben und das Unternehmen sei zuversichtlich, in den kommenden Monaten eine Lizenz zu erhalten.

Betroffen von der neuen Regulierung sind nicht nur Börsen, sondern auch Stablecoins. So steht Branchenleader Tether, mit einer Marktkapitalisierung von 187 Milliarden Dollar, kurz davor, wegen der Nichteinhaltung der MiCA-Vorschriften aus der EU verbannt zu werden. Der Stablecoin-Riese entschied sich bewusst gegen die Einhaltung der MiCA-Vorschriften. Einerseits machte das Unternehmen geltend, dass Europa nicht der Hauptmarkt des Stablecoins sei und andererseits lehnt Tether die strengen Mindestreserveanforderungen entschieden ab und äussert Datenschutzbedenken bezüglich von Übergriffen durch Regierungsstellen.

Circle profitiert

Mehrere Krypto-Plattformen wie Binance, Kraken und Crypto.com haben bereits Anfang des Jahres damit begonnen, den Handel von Tether zurückzufahren. Mit dem Näherrücken der MiCA-«Deadline» haben viele Nutzer in Europa damit begonnen, Tether in andere Stablecoins zu wechseln. Schätzungen gehen aber davon aus, dass per 1. Juli nochmals über 17 Milliarden Dollar in Tether von regulieren Kryptobörsen delistet werden. Der grösste Nutzniesser dürfte der andere Dollar-Stablecoin-Gigant Dollar-Coins (USDC) sein (aktuelle Marktkapitalisierung 74 Milliarden Dollar). Der Emittent Circle verfügt über eine MiCA-Lizenz.

Bis Mai hatten aber erst rund 210 Krypto-Dienstleister in Europa eine Vollzulassung erhalten – von mehr als 1200 Anbieter, die bisher über eine nationale Kryptoregistrierungen innerhalb der EU verfügen –, hält die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA fest. Der Regulator schloss jedoch im April eine Verlängerung der Übergangsphase aus. Vier Fünftel der bisherigen Anbieter stehen damit kurz vor Ablauf der Frist ohne Lizenz da. Diese niedrige Umstellungsquote zeigt, dass die Mehrheit der Anbieter zum Schluss gekommen ist, dass ein Geschäftsmodell mit einer MiCA-Lizenz für sie nicht wirtschaftlich ist.

Knapp vor der Deadline hat sich auch Bitcoin Suisse noch eine MiCA-Lizenz gesichert. Nach mehr als einem Jahrzehnt als einer der Pioniere der Schweizer Kryptobranche expandiert Bitcoin Suisse nach Europa. Das im Jahr 2013 gegründete Krypto-Urgestein aus Zug hat diese Woche von der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht (FMA) die Zulassung als Crypto Asset Service Provider (CASP) gemäss der europäischen Regulierung MiCA erhalten. Die Bewilligung baut auf der bereits bestehenden Registrierung nach dem liechtensteinischen Token- und VT-Dienstleister-Gesetz (TVTG) auf und eröffnet dem Unternehmen den Zugang zu den Märkten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der EU. Die Sygnum Bank und die Amina Bank haben sich über Auslandsniederlassungen bereits in den Vorjahren den EU-Marktzugang gesichert.

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