Sie investieren mit unterschiedlichen Philosophien und Zugängen in den Kryptomarkt: Julian Liniger, CEO und Mitgründer der Bitcoin-Spar-App Relai, Jonas Gantenbein, Head of Digital Assets bei der liechtensteinischen Bank Frick sowie Marcel Oldenkott, Anlagestratege und Mitgründer der deutschen BIT Capital. Alle drei führten an, dass ihre Kunden sich durch den Kursrückschlag nicht beunruhigen lassen. Die andere Gemeinsamkeit: Die Fachleute sind überzeugt, dass der Bitcoin seine Dominanz im Kryptosektor behalten werde. Und das, obwohl der Bitcoin oft als zu langsam oder technisch limitiert kritisiert wird.
«Ich führe das auf den hohen Wissensstand unserer Kunden zurück», begründet Liniger die Zuversicht seiner Kunden, die Bitcoins in der Schwächephase kaufen. Die Relai-App wurde mittlerweile rund eine halbe Million Mal heruntergeladen. Über 100'000 Kunden nutzen sie aktiv. 80 Prozent der Transaktion seien momentan Kaufaufträge. Der Optimismus ist gemäss Liniger auch damit zu erklären, dass historisch gesehen die Rückschläge in einer gewissen Regelmässigkeit auftreten, aber über die Zeit immer schwächer werden.
Die Bank Frick ist ein Blockchain-Pionier und bietet seit 2018 den Handel sowie die Verwahrung von Krypto-Werten in einem regulierten Bankenumfeld an. Anfang 2026 erhielt das Institut von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) die Zulassung nach der europäischen Krypto-Regulierung MiCA. Das Institut bietet seine Dienste vor allem Unternehmen aus den Bereichen DeFi (Decentralized Finance) und Web 3 an.
Zug und Schiene
«Während andere Finanzinstrumente nur den Zug anbieten, verkörpern Kryptowährungen sowohl den Zug als auch das Schienennetz, auf denen dieser unterwegs ist». Die Vorteile der Blockchain sei mittlerweile anerkannt, man wisse aber nicht, welche «Schienennetze» sich durchsetzen würden. In den vergangenen Jahren hätte es unter den grössten zehn Kryptowährungen – ausser auf den Positionen eins und zwei – grosse Umwälzungen geben. «Sicher sei hingegen, dass die Millionen von Shitcoins, die heute den Markt bevölkern, bald wieder verschwinden werden», fügt Gantenbein an.
BIT Capital hat den ersten aktiv gemanagten Krypto-UCITS Fonds in Deutschland aufgelegt, der mit seinem hybriden Portfolio aus Krypto-Aktien und -Vermögenswerten ein grosses Spektrum des Ökosystems abdeckt. Durch diese Diversifikation etwa auch in Bitcoin-Miner ist der Rückschlag in den vergangenen Monaten deutlich tiefer als bei Kryptowährungen ausgefallen.
Marcel Oldenkott räumt mit zwei grossen Vorurteilen im Markt auf. Erstens sei das Mining nicht mehr ein diffuses Geschäft von Unternehmen irgendwo an einem «russischen Wasserfall», sondern an der Nasdaq kotierte Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit sauber rapportierten, seien mittlerweile für den Grossteil der Miningaktivitäten verantwortlich. Zweitens sei es nicht so, dass Investoren, die dem digitalen Gold misstrauten und Sicherheit im traditionellen Gold gesucht hätten, für das jüngste Goldrallye verantwortlich seien. Der Edelmetallpreis sei vor allem von Notenbanken getrieben worden, die keine Teilnehmer des Finanzmarktes seien.
Nur Glaube oder Ablehnung
In der Fragerunde mit dem Publikum wurde klar, dass Kryptoanlagen immer noch etwas Religiöses anhaften. Es gibt nur Glaube oder Ablehnung – kaum eine Zwischenstufe. Während ein Gast darauf bestand, dass der Bitcoin kein Vertrauen verdiene, solange es keine verantwortliche Stelle gebe, die etwa bei einem Totalausfall hafte. Die Podiumsgäste hielten dagegen, dass die Dezentralität gerade für Sicherheit sorge und etwa Blackrock die Bitcoin-Blockchain nicht beherrschen könne, auch wenn der US-Vermögensverwalter zwei Millionen Coins besitze.

