Digital Assets Briefing
In der Schweiz tummeln sich zahlreiche FINMA-regulierte Coins. Gerade kommt mit dem CHF-S ein neuer hinzu.
26. Juni 2026 • Werner Grundlehner

Noch hat keiner sich wirklich etablieren können – und schon kommt der nächste Franken-Stablecoin. Diese Woche kündigte das Fintech Safirum den neuen CHF-S-Token an, worüber Tippinpoint bereits berichtete. Die Lancierung soll gemäss CEO Bastien Thiébaud im 3. Quartal des Jahres erfolgen. Für jeden im Umlauf befindlichen CHF-S-Token werden gleichwertige Fiat-Bestände auf gesonderten Konten bei Schweizer Depotbanken gehalten.

Im Franken-Markt tummeln sich unterschiedliche Coins wie etwa der Frankencoin (ZCHF) oder das Projekt Swiss Stablecoin der ehemaligen Politikerin Pascal Bruderer. Während etwa der ZCHF ein dezentraler Stablecoin ohne Emittenten ist und eher der Geldschöpfung dient, soll der neue Coin von Safirum ein effizientes Zahlungsmittel für Unternehmen und Institutionelle werden und auch ein Wertaufbewahrungsmittel sein.

«Franken muss aus der Schweiz kommen»

«Ich begrüsse die vielen innovativen Ideen in der Schweiz – auch wenn es am Schluss vielleicht nur einen Franken-Stablecoin geben wird», sagt Bastien Thiébaud. Alle diese Produkte haben noch keine relevante Grösse erreicht und unterstehen dem Schweizer Recht – das heisst, sie werden von der hiesigen Finanzmarktaufsicht FINMA reguliert.

Die Ausnahme ist hier – punkto Regulierung, nicht Relevanz – der im Februar dieses Jahres lancierte CHFAU von Allunity. Das Gemeinschaftsunternehmen von DWS Group, Flow Traders und Galaxy ist in Frankfurt domiziliert und verfügt bereits über einen E-Euro (EURAU), ein regulierter, in Euro denominierter Stablecoin. «Die Schweiz ist souverän und braucht einen souveränen Franken-Stablecoin, der aus der Schweiz kommt», sagt dazu der Safirum-CEO. Bevor ausländische Gesetze erfüllt werden, müssten die hiesigen Anbieter zuerst den eigenen Folge leisten.

Mit Solana und Gebühren

Die FINMA dürfte 2027 – oder doch eher 2028 – einen neuen gesetzlichen Rahmen für Stablecoins erlassen. «Nach der Lancierung des CHF-S ist der Erhalt der MiCA-Regulierung ein Ziel – vielleicht werden wir aber zuerst einen anderen Markt anvisieren. Es gibt nicht nur die EU», sagt Thiébaud. Der CHF-S unterscheidet sich auf zwei Arten grundlegend von bisherigen bekannten Stablecoin-Projekten: Zum einen wird er auf der Solana-Blockchain betrieben, zum anderen lebt er nicht vom Ertrag der Reserven, sondern von einer Transaktionsgebühr.

«Die Solana-Blockchain hatte teilweise schlechte Schlagzeilen, weil auf ihr einige wenig seriöse Projekte gestartet wurden», antwortet Thiébaud auf die Frage, wieso die «Meme-Blockchain» verwendet werde. Technologisch sei Solana eine der besten Blockchains und bezüglich Kapazität, Kosten und Geschwindigkeit Ethereum, das die meisten Stablecoins nutzen, weit überlegen.

«Die Anonymität wird verschwinden»

Die bekannten Stablecoins wie Tether oder USDC erzielen momentan sehr hohe Gewinne mit der Verzinsung der Reserven. Jeder Dollar ist mit einem Gegenwert in gleicher Höhe hinterlegt, diese Erträge dürfen nicht ausgeschüttet werden. Das sind im Moment vielleicht 4 bis 5 Prozent auf dem Kapital. Für einen Schweizer Anbieter bleibt nach Abzug der Inflation aber wenig übrig. Der CHF-S erhebt eine Gebühr von 0,05 Prozent auf jeder Zahlung – im Maximum 50 Rappen. Thiébaud schätzt, dass sein Unternehmen gut leben könnte, wenn er ein halbes Prozent des Schweizer Transaktionsmarktes abdecken würde. Transaktionen seien nur unter identifizierten Teilnehmern möglich. «Die reine Anonymität auf der Blockchain wird verschwinden», glaubt er. Auch heute sei die IBAN-Nr. anonym, die Bank wisse aber genau, wer hinter der Zahlung stehe.

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