Titelwischerei bei der UBS
Ralph Hamers will die starren Hierarchiestufen abschaffen. Um einen echten Kulturwandel herbeizuführen, müsste UBS-Chef aber auch bei den Löhnen das Messer ansetzen. Sonst bleibt es ein oberflächlicher Akt.
18. Februar 2022 • Beat Schmid

Der niederländische Konzernchef der UBS, Ralph Hamers, versucht die traditionellen Titelbezeichnungen zurückdrängen, um den «hierarchischen Charakter» Grossbank aufzuweichen und die Mitarbeiter zu einem flexibleren Arbeitsstil zu bewegen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Stufenbezeichnungen wie Managing Director, Director und Associate sollen im internen Personenverzeichnis der Bank versteckt werden, statt wie früher prominent unter dem Namen einer Person zu prangen, berichten Personen gegenüber Bloomberg, die mit den Änderungen vertraut seien.

Der Konzernchef aus Holland findet, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser nach ihren Funktionen benennen sollen, also als Leiter des Zinshandels oder als Leasingspezialistin für vermögende Kunden. Die UBS wollte sich dazu nicht äussern.

Managing Director ist mit viel Prestige verbunden – wer verzichtet schon gerne darauf?

Es ist anzunehmen, dass vor allem Angehörige der unteren Ränge, also die vielen Associates oder Assistant Vice Presidents, die Aufhebung der Titelbezeichnungen begrüssen werden. Die Managing Directors, oder solche mit Aussicht auf diesen Titel, dagegen dürften keine Freude daran haben. Ein Händler, selbst seit vielen Jahren ein «MD», sagt, dass die Bezeichnung mit viel Prestige und Status verbunden sei. Wer verzichtet schon gerne darauf?

Das Rangsystem hat zum Teil auch seine guten Seiten. Geriet eine Bank in eine Krise oder konnte aus anderen Gründen keine grosszügigen Lohnerhöhungen bewilligen, wurden Angestellte bei Laune gehalten, indem man ihnen den nächsthöheren Titel anbot. Das wirkte als Motivationsspritze.

Bei den Löhnen sollte Hamers das Messer ansetzen

Wie Bloomberg auch berichtet, sollen die Löhne mit dem neuen Regime nicht angetastet werden. Die Abschaffung der Titelhierarchie bleibt somit ein einigermassen oberflächlicher Akt, eine andere Kultur in der Bank zu etablieren.

Um einen echten Kulturwandel herbeizuführen, müsste UBS-Chef auch bei den Lohnbändern das Messer ansetzen. Die enorm hohen Kosten der Bank, die seit Hamers Antritt nochmals massiv zugenommen haben, sind eine direkte Funktion (zu) hoher Gehälter. Hier müsste Hamers in die Vollen gehen. Doch das tut weh.

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