Neue Bär-Verwaltungsrätin: Kuhnerts heikle Doppelrolle

Die Ex-UBS-Topfrau Caroline Kuhnert soll in den Verwaltungsrat von Julius Bär einziehen. Gleichzeitig sitzt sie im Aufsichtsrat der österreichischen Erste Group. Die Doppelrolle ist nicht verboten – aber unüblich und aus Governance-Sicht heikel. 

Neue Bär-Verwaltungsrätin: Kuhnerts heikle Doppelrolle
Caroline Kuhnert: Bei Erste Group dabei und bald auch bei Julius Bär.

Die frühere UBS-Managerin Caroline Kuhnert stellt sich an der Generalversammlung 2027 zur Wahl in den Verwaltungsrat der Privatbank Julius Bär. Gleichzeitig sitzt sie im Aufsichtsrat der österreichischen Erste Group. Aus Governance-Sicht ist diese Konstellation heikel. Denn beide Banken sind im Private Banking aktiv und in mehreren Märkten Konkurrenten.

Das könnte insbesondere dann relevant werden, wenn in den Verwaltungsräten strategische Entscheide zur Marktbearbeitung diskutiert werden. Was geschieht beispielsweise, wenn Julius Bär beschliessen sollte, ihr Private Banking in Osteuropa massiv auszubauen? Was macht Kuhnert dann mit diesen Informationen, die auch für die Erste Group von Interesse wären?

Erste ist im Private Banking eine Konkurrentin

Die Erste Group ist mit mehr als 55'000 Beschäftigten und rund 2'100 Geschäftsstellen eine der grössten Banken Mittel- und Osteuropas. Die 1819 gegründete Bank ist heute in acht Kernmärkten aktiv: Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien.

Zwar gilt die Erste Group vor allem als Retailbank. Doch sie verfügt auch über ein bedeutendes Private-Banking-Geschäft in den meisten Marktgebieten. Die Bank bezeichnet sich selbst als führenden Private-Banking-Anbieter in Zentral- und Osteuropa.

Genau in dieser Region verfügt Kuhnert über besondere Erfahrung. Bei der UBS war sie unter anderem Regionalchefin für Zentral- und Osteuropa sowie die Türkei. Zuletzt gehörte sie dem Executive Committee des Global Wealth Management an und verantwortete Zentral- und Osteuropa, Griechenland und Israel. Zudem war sie Vorsitzende von UBS OOO Bank in Moskau.

Beide Banken mit Benko-Verbindungen

Ein weiterer Punkt kommt hinzu: der gescheiterte Immobilieninvestor René Benko und seine Signa-Gruppe. Bekanntlich gewährte Julius Bär dem Benko-Imperium Kredite von mehr als 600 Millionen Franken. Der Zusammenbruch von Signa führte bei der Privatbank zu hohen Abschreibungen, kostete den damaligen CEO Philipp Rickenbacher den Job und führte zu einem Enforcement-Verfahren der Finma.

Doch auch die Erste Group gehörte zu den Kreditgebern von Signa. Medien berichteten bereits vor dem Zusammenbruch über entsprechende Engagements. Bei der Wiener Immobilie Renngasse 2 etwa bestand eine Hypothek der Erste Group über 120 Millionen Euro. Eine österreichische Wirtschaftskanzlei, die die Bank in den Insolvenzverfahren berät, führt die Erste Group als Gläubigerin verschiedener Gesellschaften der Signa-Gruppe auf.

Doppelrollen sind aussergewöhnlich

Die Doppelrolle von Caroline Kuhnert ist nicht verboten. Bei den grossen börsenkotierten Schweizer Banken ist eine solche Konstellation allerdings ungewöhnlich. In den Verwaltungsräten von UBS, Vontobel, EFG und bisher auch Julius Bär finden sich keine vergleichbaren Doppelmandate bei einer anderen Bank.

Zwei Beispiele gibt es bei kleineren Banken: Sandra Hauser sitzt gleichzeitig in den Verwaltungsräten von Cembra Money Bank und der Banque Cantonale Vaudoise (BCV). Marianne Wildi präsidiert den Verwaltungsrat der Hypothekarbank Lenzburg und gehört gleichzeitig dem Verwaltungsrat der Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) an.

Eine Sprecherin von Julius Bär lehnte eine Stellungnahme zur Nomination Kuhnerts und zu möglichen Interessenkonflikten ab.

Ein Sprecher der Erste Group erklärt auf Anfrage, die Bank halte sich bei möglichen Interessenkonflikten von Aufsichtsratsmitgliedern streng an die gesetzlichen Vorgaben und die eigenen Corporate-Governance-Regeln. «Die vorgesehenen Informations- und Governance-Prozesse wurden auch in diesem Fall eingehalten. Mögliche Interessenkonflikte werden im Rahmen dieser Prozesse geprüft und, sofern erforderlich, entsprechend adressiert.»

Gibt Kuhnert ihr Erste-Mandat ab?

Interessant ist dabei der zeitliche Horizont. Kuhnert wurde 2024 in den Aufsichtsrat der Erste Group gewählt. Ihr Mandat läuft bis 2027 – also genau bis zum Zeitpunkt, an dem sie in den Verwaltungsrat von Julius Bär einziehen soll.

Was danach geschieht, lässt der Sprecher der Erste Group offen: «Über eine mögliche Wiederwahl wird im Rahmen der dafür vorgesehenen Nominierungs- und Entscheidungsprozesse in den zuständigen Gremien zeitgerecht entschieden werden. Diesen möchten wir nicht vorgreifen.»

Kuhnert könnte ihr Mandat bei der Erste Group 2027 auslaufen lassen und danach nur noch im Verwaltungsrat von Julius Bär sitzen. In der offiziellen Mitteilung von Julius Bär vom Dienstag findet sich dazu allerdings kein Hinweis. Die Bank kündigte lediglich an, Kuhnert an der Generalversammlung 2027 zur Wahl vorzuschlagen und verwies explizit auf ihre Rolle bei der Erste Group. 

Dass Doppelmandate bei Finanzunternehmen schnell politische und öffentliche Diskussionen auslösen können, zeigte zuletzt der Fall Bernadette Koch. Sie stellte sich zur Wahl in den Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank. Ihr Mandat bei Postfinance gab sie auf, wollte zunächst aber Vizepräsidentin des Post-Konzerns bleiben. Nach Kritik in den Medien und aus der Politik verzichtete sie schliesslich auch auf dieses Mandat – allerdings erst, nachdem ihre Wahl in den Verwaltungsrat der LUKB Tatsache war.

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