Sie haben auf Granit gebissen: Schweizer Investoren, die den Zürcher Fussballclub Grasshopper Club Zürich kaufen wollten. Doch wie aus informierten Kreisen, die den Verhandlungen nahestehen, zu hören ist, wird das Zürcher Family Office nicht zum Zug kommen. Die aktuellen Besitzer, der LAFC aus Kalifornien, befinden sich offenbar bereits seit April in exklusiven Verhandlungen mit der Bridge Football Group.
Hinter der Bridge Football Group, über deren Kaufabsichten erstmals der Blick berichtete, stehen primär der Investor Eric Li Ying und der niederländisch-chinesische Unternehmer Eddie Tao sowie zwei weitere, nicht namentlich bekannte Angel-Investoren. Eric Li Ying gilt als Schlüsselfigur der Gruppe. Er soll Verbindungen zum TikTok-Gründer Zhang Yiming haben. Zu seinen geschäftlichen Aktivitäten und den finanziellen Mitteln gibt es kaum öffentlich verfügbare Informationen.
Die Gruppe hält Beteiligungen und Partnerschaften in Europa und Asien. Zum Netzwerk gehören der niederländische Fussballclub FC Den Bosch, der italienische Verein FC Pro Vercelli 1892 sowie Shaanxi Union FC. Es handelt sich um unterklassige Provinzvereine, von denen in der Schweiz bislang kaum jemand gehört hat.
Westschweizer Fifa-Jurist
Nun also die Grasshoppers – Schweizer Rekordmeister mit 27 Titeln. Inzwischen haben die mutmasslichen neuen Besitzer in der Schweiz eine Struktur aufgebaut. Gemäss Handelsregister wurde am 27. Mai 2026 in Wil SG die Bridge Football Group Switzerland AG eingetragen. Die Gesellschaft bezweckt die Erbringung von Dienstleistungen sowie die Ausübung sämtlicher Tätigkeiten in den Bereichen Fussball, Sport, Medien, Unterhaltung und Vermarktung im In- und Ausland.
Präsident des Verwaltungsrats und Vorsitzender der Geschäftsleitung ist Ludovic Deléchat, ein Westschweizer, der in Zürich lebt. An Bord ist auch der chinesische Investor Eric Li Ying, der gemäss Handelsregister in Hongkong leben soll.
Wie zu hören ist, ist Ludovic Deléchat als neuer Präsident der Grasshoppers vorgesehen. Der Westschweizer Jurist, der zugleich CEO der Bridge Football Group und in dieser Funktion ebenfalls Präsident von zwei Vereinen ist, sitzt gemäss LinkedIn-Profil im Disziplinarausschuss der FIFA. Zwischen 2011 und 2019 war er beim Weltfussballverband in verschiedenen Funktionen tätig.
Chinesisches Déjà-vu
Dass erneut chinesische Investoren die Kontrolle über den Verein übernehmen, dürfte bei den Fans und den verbliebenen Mitarbeitenden der Grasshopper Fussball AG keine guten Erinnerungen wecken. Im Jahr 2020 stiegen Jenny Wang und der Fosun-Konzern beim Verein ein. Die erfolglose Ära endete im Januar 2024. Dann übernahm der LAFC – der in Zürich einen Scherbenhaufen hinterlässt.
Im April kam es zu einem Eklat zwischen den Fans und den Besitzern. Mit einem Banner «Fuck Off LAFC» machten die Anhänger ihrem Ärger Luft. Kurz darauf erklärten die Eigentümer aus Kalifornien ihre Bereitschaft, über einen Teil- oder Vollverkauf zu verhandeln. Wie sich nun herausstellt, waren die Verhandlungen damals bereits weit fortgeschritten.