Im Dezember soll es so weit sein. Dann will die UBS ihren US-Angestellten ermöglichen, Bankkonten zu eröffnen. Die Bank will damit Preise, Produkte und technische Abläufe unter realen Bedingungen testen, bevor das Angebot schrittweise auf Kunden im Wealth Management ausgeweitet wird, schreibt die Financial Times (Abo), die sich auf mit den Plänen vertraute Kreise beruft.
Damit konkretisiert sich, wie die UBS in den USA mit Retaildienstleistungen Fuss fassen will. Die Grossbank hat Anfang Jahr eine nationale US-Banklizenz erhalten, die es ihr erlaubt, zu einer Universalbank in der grössten Volkswirtschaft der Welt zu werden. Die UBS ist die einzige ausländische Bank, die in den USA eine Vollbanklizenz erworben hat.
Neu kann die UBS neben der Vermögensverwaltung auch klassische Bankdienstleistungen wie Lohn- und Sparkonten, Hypotheken sowie weitere Kreditprodukte anbieten. Die UBS will damit ein grösseres Stück vom Kuchen. Als Vermögensverwalterin betreut sie zwar bereits Milliardenvermögen amerikanischer Kunden vor Ort, doch das Geschäft leidet seit Jahren unter Margenproblemen. Die Region Americas ist mit Abstand die unrentabelste Region innerhalb der Bank.
Unrentabelste Region
Der Hauptgrund ist das in den USA etablierte Beratermodell, das die UBS mit der Übernahme von PaineWebber geerbt hat. Die Kundenberater arbeiten weitgehend selbstständig und werden so entschädigt, dass die Bank ihre Erträge kaum skalieren kann. Im vergangenen Jahr flossen zudem sechs Milliarden US-Dollar aus dem Geschäft ab, weil zahlreiche Beraterteams zu Konkurrenten wechselten, nachdem die UBS die Vergütungskonditionen verschlechtert hatte. Weil die UBS während Jahren nicht vom Fleck kam, gab es immer wieder Stimmen, die der Bank einen Rückzug aus den USA empfahlen.
Doch statt sich vom Markt zurückzuziehen, geben Präsident Colm Kelleher und CEO Sergio Ermotti nun Vollgas. Mit dem erweiterten Angebot will die UBS stärker mit Konkurrenten wie Morgan Stanley, JP Morgan und der Bank of America konkurrieren, deren integrierte Bank- und Vermögensverwaltungsgeschäfte deutlich höhere Margen erzielen. Gerade die hohen Zinsen in den USA liessen die Erträge im Retailgeschäft amerikanischer Banken sprudeln.
Auf Kollisionskurs mit dem Bundesrat
Die UBS dürfte sich in den USA als Bank für vermögende Privatkunden positionieren, die über investierbare Vermögen von 2 bis 10 Millionen Dollar verfügen. Die Pläne der UBS stehen allerdings im Widerspruch zu den Regulierungsbestrebungen des Bundes. Mit der geplanten Vollunterlegung der Auslandstöchter setzt der Regulator einen Anreiz, das Bilanzwachstum im Ausland zu begrenzen.
Mit dem Einstieg ins amerikanische Kreditgeschäft wird jedoch genau das Gegenteil geschehen. Die Vergabe von Hypotheken, Lombardkrediten sowie Konsum- und Studienkrediten lässt das Kreditbuch im Ausland wachsen – und damit auch die Risiken für den Schweizer Steuerzahler. Finanzministerin Karin Keller-Sutter hatte erklärt, die geplanten Regeln würden das Wachstum der UBS in den USA verteuern. Konzernchef Sergio Ermotti betonte dagegen, ein Schrumpfen der Bank komme nicht infrage. Die UBS setzt darauf, dass das Parlament die Pläne des Bundesrats verwässert.