Die Zürcher Vegan-Boutique Blue Horizon ist auf wenige Mitarbeiter geschrumpft

Nach heftigen Turbulenzen verwaltet das Team um Vegan-Guru Roger Lienhard keine eigenen Fonds mehr. Blue Horizon setzt nun alles auf ein Riesenprojekt in Abu Dhabi.

Die Zürcher Vegan-Boutique Blue Horizon ist auf wenige Mitarbeiter geschrumpft
Roger Lienhard, Gründer von Blue Horizon und Vegan-Investor. (Quelle: HO)

Roger Lienhard hatte einst Grosses vor. Mit seiner Zürcher Boutique Blue Horizon sah er sich auf den Spuren von Warren Buffet. Er wollte aus seiner Zürcher Private-Equity-Firma eine Berkshire Hathaway der Nahrungsmittelindustrie machen, sagte er einmal einem Ableger des «Forbes Magazine».

Dazu kam es nicht. Vielmehr wurde ihm das Management des ersten Fonds, Blue Horizon Venture, nach langem Streit mit den Limited Partners entzogen. Auch der zweite Fonds – Blue Horizon Growth – wird nicht mehr von Lienhard kontrolliert.

Die Beteiligungen im Umfang von rund 100 Millionen Dollar werden neu von AgFunder, einer Agritech Venture Capital Gesellschaft aus dem Silicon Valley, verwaltet. Die Übergabe wurde Mitte Jahr bekannt gegeben. Der Growth Fund hat sein Ziel, rund 500 Millionen Dollar bei Investoren einzusammeln, nie erreicht.

Geblieben sind Blue Horizon kleinere Beteiligungen an Vegan-Firmen wie Livekindly, die das Unternehmen direkt hält. Weil die Fees aus der Management der Fonds weggefallen sind, musste Blue Horizon Stellen abbauen. Von den einst über 30 Mitarbeitenden zählt die Firma höchstens noch eine Handvoll.

Gigafactory für Proteine – Nuos. (Quelle: HO)

Trotz der Rückschläge wollen Lienhard und seine verbliebenen engsten Geschäftspartner Björn Witte und Hector Freitas nicht aufgeben. In der arabischen Wüste planen sie den nächsten Coup. In Abu Dhabi wollen sie eine riesige Fabrik für alternative Proteine bauen – eine «Gigafactory» nach dem Vorbild der Tesla-Fabriken von Elon Musk.

Tippinpoint berichtete vor über einem Jahr erstmals über Nuos. Computeranimationen zeigen vollautomatische, futuristische Produktionsprozesse. Eines Tages soll die Fabrik eine Million Tonnen vegane Lebensmittel produzieren, heisst es auf der Website. Nicht nur eine, gleich mehrere Gigabariken sollen entstehen.

Doch viel mehr als Computeranimationen gibt es auch ein Jahr später nicht. Neu ist, dass Nuos eine Vereinbarung mit einem kürzlich in Abu Dhabi gegründeten Cluster für Nahrungsmittel und Wasser (AgriFood Growth & Water Abundance) getroffen hat. Die Vereinbarung sieht vor, dass Nuos dort die geplanten Produktionsanlagen und ein Innovationszentrum errichtet. Eine finanzielle Beteiligung von Abu Dhabi scheint es nicht zu geben.

Keine Investoren sichtbar

Es finden sich keine Informationen, wer das Mammutprojekt finanzieren soll. Deshalb ist auch vollkommen unklar, wann und ob der Spatenstich erfolgt. Auch in einem kürzlich veröffentlichten Interview bleiben die Initiatoren um Roger Lienhard sehr vage. Nuos soll 2025 den «grossen Engpass» beseitigen, heisst es da. Die Rede ist vom «grossen Aufschwung» für pflanzliches Fleisch.

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