Die Bank braucht die Börse nicht. So sieht es die Rothschild-Familie, welche die gleichnamige Bankengruppe kontrolliert. Die Familienholding Concordia sei für eine Übernahme von Rothschild & Co zu 48 Euro pro Aktie bereit, teilte die Familie mit. Die in Paris gelistete Aktie machte daraufhin einen Sprung um 17 Prozent auf 47 Euro.
Das Übernahmeangebot soll den Aktionären am 25. Mai vorgelegt werden. Zudem soll eine Sonderdividende von acht Euro ausgeschüttet werden. Das Angebot impliziert einen Unternehmenswert von 3,7 Milliarden Euro. Die Familie besitzt 55 Prozent der Aktien und zwei Drittel der Stimmrechte. Derzeit befinde sich Concordia in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Investoren und Banken, um die Finanzierung der Übernahme abzuschliessen, berichten Agenturen.
Rothschild & Co ist die börsenkotierte Holding des französischen Zweigs der Bankiersfamilie Rothschild. Bis 2015 hiess die Bank Paris Orléans. Mit der Änderung zu Rothschild kam es zum Zwist mit einem anderen Familienzweig, mit demjenigen von der Bank Edmond de Rothschild, die nicht zur Gruppe gehört. Dieser ist inzwischen beigelegt. Mit dem geplanten Delisting endet eine mehr als hundertjährige Börsengeschichte von Rothschild.
Rothschild & Co. ist in drei Geschäftsbereiche gegliedert: die Investmentbank, das Asset- und Wealth-Management sowie die Geschäftskundensparte. Laut Concordia benötigt keiner der Geschäftsbereiche Kapital von der Börse. In der Vermögensverwaltung verfügt die Bank über Assets in der Höhe von etwa 100 Milliarden Franken. Im Beratungsgeschäft mit Fusionen und Übernahmen war sie im vergangenen Jahr die globale Nummer sechs. Trotz Marktturbulenzen konnte die Bank ihre Erträge 2021 bis September steigern.