Jan Poser will mit neuer Initiative Milliarden-Markt für Nature Bonds schaffen

Der Sustainability-Experte und Radicant-Mitgründer lanciert eine Initiative, die einen globalen Markt für Nature Bonds aufbauen möchte. Vorbild sind die boomenden Green Bonds. Doch die Finanzierung von Biodiversität ist leicht komplizierter.

Jan Poser will mit neuer Initiative Milliarden-Markt für Nature Bonds schaffen
Jan Poser.

Der Markt für Green Bonds ist in wenigen Jahren auf mehrere Billionen Dollar gewachsen. Nun soll es einen ähnlichen Entwicklungsschub für sogenannte Nature Bonds geben. An der Building Bridges Conference lanciert der frühere Radicant-Mitgründer Jan Poser gemeinsam mit Aurélia Blin und Alexander Wiese die Nature Bonds Initiative (NBI). Die dreitägige Konferenz für Sustainable Finance startet heute. Bevor Jan Poser Radicant mitaufbaute, arbeitete er 21 Jahre lang bei der Bank J. Safra Sarasin.

«Wir wollen die Infrastruktur für den Nature-Bond-Markt aufbauen», sagt Poser gegenüber Tippinpoint. Vorbild ist die Climate Bonds Initiative, die mit Standards und Taxonomien wesentlich zur Entwicklung des Green-Bond-Markts beigetragen hat. Laut den Unterlagen der NBI hat das kumulierte Volumen von Green Bonds inzwischen die Marke von vier Billionen Dollar überschritten.

Nature Bonds gibt es bereits. Doch der Markt ist klein und fragmentiert. Als Beispiele nennt die Initiative einen 95 Millionen Dollar schweren Nature Bond der Asian Development Bank sowie Biodiversitätsanleihen von BBVA Colombia und Banco Bolivariano über 70 beziehungsweise 120 Millionen Dollar. Finanziert werden damit unter anderem Aufforstung, natürliche Waldregeneration, nachhaltigere Landwirtschaft und die Wiederherstellung von Lebensräumen.

Woher kommt der Cashflow?

Ein Knackpunkt ist die Generierung von Cashflows. Bei erneuerbaren Energien ist das Geschäftsmodell vergleichsweise einfach: Ein Solar- oder Windpark produziert Strom und erzielt damit Einnahmen. Der wirtschaftliche Ertrag eines renaturierten Moors, eines wiederhergestellten Waldes oder einer höheren Artenvielfalt lässt sich wesentlich schwieriger monetarisieren.

Poser sieht dennoch zahlreiche Möglichkeiten. Einnahmen könnten beispielsweise durch nachhaltigen Tourismus oder bestimmte Infrastrukturprojekte entstehen. Daneben dürfte auch sogenanntes katalytisches Kapital eine Rolle spielen, um Projekte überhaupt erst für den Kapitalmarkt attraktiv zu machen.

Die Initiative argumentiert zudem, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Natur bisher unterschätzt werde. Mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung sei von der Natur abhängig. Gleichzeitig beziffert sie die jährliche Finanzierungslücke im Bereich Natur auf 942 Milliarden Dollar. Weniger als ein Prozent des Bondmarkts fliesse bislang in diesen Bereich.

Eigene Standards und Zertifizierung

Die Nature Bonds Initiative will eine Infrastruktur schaffen, damit ein grösserer Markt entstehen kann. Dazu gehören eine gemeinsame Taxonomie, Standards für die Wirkungsmessung, Reporting-Regeln sowie Verifikations- und Zertifizierungsmechanismen. Zudem sollen Projektentwickler, Banken und institutionelle Investoren zusammengebracht werden.

Die NBI baut auf bestehenden Initiativen und Rahmenwerken auf, etwa den Green Bond Principles und der 2025 veröffentlichten Guidance for Sustainable Bonds for Nature der ICMA sowie den Initiativen Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) und den Science Based Targets for Nature.

50 Milliarden Dollar als Ziel

Jan Poser verfolgt mit seiner Initiative steile Ziele. In den ersten zwei Jahren soll eine eigene Taxonomie entwickelt und zwei bis drei Pilotanleihen strukturiert werden. Im dritten Jahr soll dann ein eigener Standard mit unterschiedlichen Zertifizierungsstufen folgen. Danach soll der Markt rasch wachsen.

Bis zum fünften Jahr strebt die Initiative mehr als 50 Milliarden Dollar an gelabelten Nature Bonds an. Zudem sollen Ratingagenturen die Standards anerkennen. Die Initiative will mehr als 150 Mitglieder aus dem Kreis von Investoren und Emittenten gewinnen sowie über 50 Whitepapers veröffentlichen sowie Verifikationsstandards erarbeiten.

Organisiert wird die NBI als gemeinnütziger Verein nach Schweizer Recht. Für die Aufbauphase budgetiert die Organisation Fördergelder in der Höhe von fünf Millionen Franken. Im fünften Jahr will die Organisation den Break-even erreichen und sich als globaler Standardsetzer für Nature Bonds etabliert haben.

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