Der Abgang von Thomas Oetterli als CEO von Rieter kommt kaum überraschend. Der frühere Schindler-Chef legt seine operative Funktion per Ende Oktober nieder. Gleichzeitig gibt er das Präsidium des Verwaltungsrats ab. Dieses übernimmt vorerst der langjährige Verwaltungsrat Carl Illi.
Dass Oetterli die Doppelfunktion nicht dauerhaft ausüben würde, war vorgesehen. Oetterli übernahm im März 2023 den CEO-Posten bei Rieter und wurde kurz darauf auch in den Verwaltungsrat gewählt. Seit 2024 führt er das Gremium als Präsident. Davor war Oetterli für nur einen Monat Zeit CEO von Nokera, einem Unternehmen des schillernden Immobilieninvestors Norbert Ketterer.
In seine gut dreieinhalbjährige Amtszeit bei Rieter fiel ein tiefgreifender Umbau des Konzerns. Mit dem Performance-Programm «Next Level» wurden Kosten gesenkt und Strukturen angepasst. Gleichzeitig tätigte Rieter mit der Übernahme von Barmag einen grossen strategischen Schritt und weitete sein Geschäft von Kurzstapelfasern auf Chemiefasern aus.
Finanziert wurde die Barmag-Übernahme unter anderem mit einer gewaltigen Kapitalerhöhung. Im Herbst 2025 gab Rieter rund 131 Millionen neue Aktien aus. Allein die Bezugsrechtsemission brachte netto rund 386 Millionen Franken ein, hinzu kamen rund 76 Millionen Franken aus einer Privatplatzierung. Die Zahl der ausstehenden Aktien vervielfachte sich dadurch.
Als Oetterli im März 2023 CEO wurde, kostete eine Rieter-Aktie rund 96 Franken. Heute notiert sie bei rund 2.50 Franken. Auch unter Berücksichtigung der Bezugsrechte haben die Aktionäre erheblich an Wert verloren. Zuletzt geriet die Aktie nochmals stark unter Druck. Mitte September stufte die UBS Rieter auf «Sell» zurück und senkte das Kursziel auf 2 Franken.
Neuer CEO wird per 1. November Daniel Lippuner. Er kennt die Textilmaschinenindustrie aus früheren Führungsfunktionen gut. Unter anderem war er CEO der Saurer Group und zuvor für Oerlikon Textile Components verantwortlich. Zudem ist er Verwaltungsratspräsident und Mitinhaber von Heberlein Technology.
Das Verwaltungsratspräsidium übernimmt bis zur nächsten Generalversammlung vom 14. April 2027 Carl Illi. Er gehört dem Rieter-Verwaltungsrat seit 2017 an. Rieter wird von zwei Grossaktionären dominiert. Stadler-Rail-Unternehmer Peter Spuhler hält über seine PCS Holding 33,11 Prozent, Martin Haefner kommt über die BigPoint Holding auf 17,38 Prozent – zusammen kontrollieren die beiden damit gut die Hälfte des Winterthurer Industriekonzerns.