In seiner Rede am Studienzentrum des Tessiner Finanzplatzes in Lugano unterstrich der Finma-Chef am Donnerstag die zentrale Bedeutung der Vermögensverwaltung für die Schweiz. Insgesamt geht es um 4'222 Milliarden Franken, wobei rund die Hälfte auf Fondsvermögen entfällt, die andere Hälfte auf individuelle Vermögensverwaltungsmandate. Die unabhängigen
Vermögensverwalter kritisierten kürzlich das Aufsichtsregime beziehungsweise die Doppelspurigkeit mit Aufsichtsorganisationen und Finma. Ohne direkt darauf einzugehen, machte Walter laut dem Redetext deutlich, dass die Finma nicht daran denkt, bei der Aufsicht zurück zu krebsen.
Die Finma schaue bei diesem Sektor genau hin, sagte Walter. «Nicht weil wir dieses Geschäft erschweren wollen – im Gegenteil: Weil seine Bedeutung für Kundinnen und Kunden sowie für den Schweizer Finanzplatz entsprechend gross ist.» Damit gingen erhebliche Risiken einher, insbesondere der Verlust von Kundengeldern und ein möglicher Reputationsschaden für die gesamte Branche. Zudem sei das Umfeld, in dem Vermögen verwaltet werden, zunehmend anspruchsvoll. Der Finma-Direktor machte auf die stark gestiegenen Fälle von Mängeln bei individuellen Vermögensverwaltern aufmerksam. 2023 eröffnete die Finma demnach sieben Aufsichtsfälle, 2024 waren es 32, letztes Jahr 60.
Dabei beobachtete die Finma wiederkehrende Risikomuster. In besonders schwerwiegenden Fällen seien komplexe, risikoreiche oder illiquide Produkte in Kundenportfolios eingesetzt worden, ohne dass ihre Eignung ausreichend geprüft worden sei. Teilweise habe es sich um ausländische Fonds ohne gleichwertige Aufsicht, um strukturierte Produkte – insbesondere sogenannte Actively Managed Certificates – oder um Produkte nicht regulierter ausländischer Emissions- oder Strukturierungsgesellschaften gehandelt. «Solche Produkte sind nicht per se problematisch», sagte Walter. Entscheidend sei vielmehr, ob ihre Eigenschaften und Risiken verstanden würden – und ob sie für die jeweilige Kunden geeignet seien. «Genau hier haben wir in einzelnen Fällen erhebliche Mängel festgestellt», so der Finma-Direktor.
In einzelnen Fällen habe eine solche Kombination zu erheblichen Verlusten geführt. Besonders schwer wiege dies, wenn weniger finanzkundige Privatkundinnen und Privatkunden betroffen seien. In einzelnen Fällen seien sogar für die Altersvorsorge notwendige Gelder betroffen gewesen. Die Finma will deshalb gemäss Walter nicht bestimmte Produktkategorien pauschal auszuschliessen. Die entscheidende Frage sei vielmehr: Passt das Produkt zum Kunden? .
Bei der Eignungsprüfung für Vermögensverwaltungsmandate und dauernde Beratungsverhältnisse müssten die finanziellen Verhältnisse, die Anlageziele, sowie die Kenntnisse und Erfahrungen der Kunden berücksichtigt werden. Erst dann könne ein geeignetes Risikoprofil und eine Anlagestrategie entwickelt werden.
Interessenkonflikte vor allem bei Banken beobachtet
Ein zweites Muster bei den Aufsichtsfällen betrifft laut dem Finma-Chef Interessenkonflikte. Diese Frage sei auch für Banken besonders relevant. Viele Banken nähmen gleichzeitig mehrere Rollen wahr: als Vermögensverwalterin, Produktanbieterin, Vertriebsträgerin oder Depotbank. Dies könne zu Interessenkonflikten führen. «Unsere Eskalationsfälle in der Aufsicht haben gezeigt, was geschehen kann, wenn solche Konflikte nicht ausreichend beherrscht werden», sagte Walter, und weiter: «Wir haben beispielsweise intransparente doppelte Gebührenbelastungen gesehen. Wir haben Vergütungsanreize zugunsten eigener Produkte festgestellt. Wir haben mangelnde Diversifikation gesehen, die im klaren Widerspruch zum Risikoprofil der Kundschaft stand. Und teilweise fehlten Prozesse zur Selektion von Finanzinstrumenten anhand branchenüblicher, objektivierter Kriterien.»
Die Antwort auf diese Risikobereiche laute nicht überall mehr Aufsicht, versicherte Walter. Es gehe darum, die Intensität der Aufsicht dort zu fokussieren, wo die Risiken am grössten seien. Das sei der Kern eines risikobasierten und proportionalen Ansatzes zur Aufsicht. Weil die Kosten der Aufsicht bei einem kleinen Institut stärker ins Gewicht fallen als bei einem grossen, berücksichtige die Finma bei der Aufsichtsintensität die Grösse.
Der Finma-Direktor unterstrich sodann die Bedeutung der Früherkennung. Ziel sei es nicht, Probleme erst dann anzugehen, wenn sich Verluste für Kunden bereits materialisiert hätten. Die jüngste Aufsichtsmitteilung zu Risiken beim Einsatz von Produkten in der individuellen Vermögensverwaltung sei ein Beispiel für diesen Ansatz. Eine wirksame Aufsicht schütze nicht nur einzelne Anleger. Sie trage auch zur Integrität und Reputation des Schweizer Finanzplatzes bei und sei ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, sagte Walter.