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# Wenn KI den Krypto-Anlageentscheid übernimmt
- URL: https://www.tippinpoint.ch/wenn-ki-den-krypto-anlageentscheid-ubernimmt/
- Published: 2026-08-25T04:29:37.000Z
- Updated: 2026-08-25T04:29:37.000Z
- Description: Ein neues Produkt gewichtet Cash und Bitcoin automatisch je nach Marktlage. Ähnliches gibt es schon, mit durchzogener Performance.
- Author: Werner Grundlehner
- Tags: Markets, SIX, Bitcoin, 21Shares

Das tönt ja wie das Ei des Kolumbus: «Bitcoin, wenn's läuft. Cash, wenn's kracht». Drei Schweizer Finanzdienstleister präsentieren eine anscheinend verblüffend einfache Lösung für ein schwieriges Problem – nämlich die Volatilität des Bitcoins. House of Satoshi, Aisot Technologies und Maverix Securities lancieren den Bitcoin AI Strategy ETP (BTCAI). Das Anlageprodukt investiert in Bitcoin und Dollar. Die Quoten werden monatlich automatisch an die Marktlage angepasst.

Ein Exchange Traded Product (ETP) ist ein börsengehandeltes, besichertes Schuldinstrument. Ein ETP ist kein Anlagefonds, sondern eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten. Daher ist es kein Sondervermögen und fällt nicht unter das Schweizer Kollektivanlagengesetz (KAG).

Im neuen Produkt kommen einige Trendthemen zusammen: «Wir verbinden die Renditekraft von Bitcoin mit AI und nutzen die Volatilität des Bitcoin-Marktes gezielt», heisst es in der Pressemitteilung. Das ETP BTCAI passt die Gewichtung zwischen Bitcoin und Bargeld monatlich an die Marktlage an. Grundlage sind gemäss Emittenten KI-gestützte quantitative Modelle von Aisot, die Markt-, Nachrichten- und Wirtschaftsdaten laufend auswerten. «Unsere Modelle schätzen ein, wie sich Bitcoin entwickeln könnte, und wie sicher diese Einschätzung ist», schreibt Stefan Klauser, CEO von Aisot Technologies. In schwierigen Marktphasen kann der Bargeldanteil bis zu 80 Prozent betragen.

### Wirbel veranstalten im Krypto-Winter?

Angesichts des Zeitpunkts könnte der Beobachter auf die Idee kommen, dass im Kryptowinter der vergangenen Monate selbst eingefleischte Bitcoiner neue Anlageideen suchten. «Die Idee stand schon länger im Raum. Wir haben vor schätzungsweise zweieinhalb Jahren mit Aisot zusammen Strategien entwickelt und diese unserer Community vorgestellt, so nach dem Motto: Was wollt ihr lieber? Nach dem Voting haben wir uns für Bitcoin & Cash entschieden», führt Rino Borini vom House of Satoshi aus.

Sie hätten eine gewisse Zeit zur Vorbereitung gebraucht und einfach noch andere Prioritäten gehabt. Die Anbieter hätten zudem nicht einfach ein Produkt raushauen wollen. Alle Kanäle sollten ready sein und sie möchten die Investoren auch während des Produktzyklus begleiten, «auf moderne Art», sagt Borini. «Auf dem Höhepunkt des Bullenmarkts wollten wir das Produkt nicht lancieren und wir fanden: Jetzt mitten im Bärenmarkt ist ein idealer Zeitpunkt zum Loslegen. Man muss auch Mut haben, um jetzt sowas rauszuhauen», fügt er an.

### Dollar hat bessere Liquidität als Franken

Die Angabe von «Dollar-Bargeld» in der Pressemitteilung ist nicht ganz genau. Borini führt aus: «Im Termsheet ist festgelegt, dass die Strategie neben Bitcoin auch Cash bzw. Cash-Instrumente halten kann. Die Produktwährung selbst ist Franken. Für den Handel mit Bitcoin ist die Liquidität in Dollar-basierten Märkten allerdings deutlich höher als in Bitcoin/Franken.» Deshalb könnten Cash-Reserven, die für Käufe und Verkäufe von Bitcoin eingesetzt würden, auch in Dollar bzw. geeigneten Dollar-basierten Cash-Instrumenten gehalten werden. Die Wahl von Dollar sei damit primär operativ durch die Marktliquidität begründet und keine eigenständige Anlageentscheidung zugunsten des Dollars. Auf die Frage, warum nicht Gold anstelle von Dollar gewählt wurde, erklärt Borini, Gold wäre ein zusätzlicher risikobehafteter Anlagebaustein gewesen und nicht einfach eine Cash-Alternative.

Fixiert wird jeweils Anfang Monat. Die Emittenten wollen nicht auf kurzfristige Bewegungen reagieren und dem Modell nicht noch die emotionale menschliche Komponente beifügen. «Wir sind derzeit bei 80 Prozent Cash, das heisst, wir haben den jüngst kurzfristig stattgefundenen Kursaufstieg verpasst», räumt Borini auf die Frage der aktuellen Zusammensetzung ein. Doch wer habe gedacht, dass die Ankündigung des US-Finanzministeriums so viel auslösen würde. Es hätte auch jederzeit in eine Gegenrichtung gehen können, fügt er an. Die ETP-Strategie sei langfristig orientiert.

### Nicht das erste Krypto-Produkt mit Gewichtung durch KI

Das Anlageprodukt hat eine Gesamtkostenquote (TER) von 1,5 Prozent und eine Performance-Fee von 10 Prozent. «Letzteres nach dem High-Water-Mark-Prinzip und somit verdienen wir daran nur, wenn Anleger neues Geld verdient haben», so Borini.

An der Schweizer Börse gibt es bereits zahlreiche ETP auf Bitcoin und Kryptowährungen. Die meisten investieren long only auf einen Coin oder einen Basket. Am ehesten vergleichbar mit dem neuen Produkt ist der BTC BOLD vom Anbieter 21Shares. So wie der BTCAI auf Cash setzt, investiert der BOLD je nach Marktlage in Gold. Bei beiden Produkten sind die Faktoren, die zur jeweiligen Gewichtung führen, für Aussenstehende nicht direkt nachvollziehbar. Auch Bitgold von Helveteq setzt auf Gold und Bitcoin, deren Gewichtung mit KI bestimmt wird. Seit der Lancierung im September des vergangenen Jahres ist der Kurs von 1000 Dollar auf rund 620 Dollar gefallen. Das 21Shares-Produkt notiert auf dem Niveau von vor einem Jahr.

### Zumindest die historischen Zahlen stimmen

Das soll beim BTCAI besser werden. Die Emittenten legen die Resultate einer historischen Rückrechnung vor. Gemäss dieser hätte das Anlageprodukt über fünf Jahre einen Gesamtgewinn von 153,8 Prozent erzielt, gegenüber 50,4 Prozent bei einer reinen Bitcoin-Anlage. Gleichzeitig fiel das Verlustrisiko deutlich kleiner aus (−41,8 statt −76,7 Prozent). Über zwei Jahre hätte BTCAI 28,4 Prozent Gewinn erzielt, während Bitcoin 2,9 Prozent verloren hätte. Wie bei jeder Anlagestrategie besteht kein Schutz vor Verlusten. Zudem kann BTCAI in stark steigenden Märkten hinter einer reinen Bitcoin-Anlage zurückbleiben, insbesondere nach Produktkosten.

Eigentlich kommt man sogar auf fünf Schweizer Parteien, die den BTCAI handelbar machen. Aisot Technologies entwickelt die Strategie, Maverix Securities emittiert das Produkt, Swissquote Bank verwahrt die zugrunde liegenden Werte, gehandelt wird an der SIX Swiss Exchange und House of Satoshi begleitet die Anleger mit laufenden Informationen zur Entwicklung des Produkts. Also verdient das Produkt – ohne zu schummeln wie gewisse Sportschuhhersteller – ein Schweizerkreuz und den Vermerk: «Made in Crypto Valley».

Die Zeichnungsfrist für das neue Anlageprodukt läuft vom 24\. August bis zum 1\. Oktober 2026\. Gehandelt wird es ab dem 6\. Oktober 2026 an der SIX Swiss Exchange.