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# Warum Morgan Stanley die UBS wohl nicht kaufen würde
- URL: https://www.tippinpoint.ch/warum-morgan-stanley-die-ubs-wohl-nicht-kaufen-wurde/
- Published: 2026-11-03T06:27:45.000Z
- Updated: 2026-11-03T07:58:19.000Z
- Description: Morgan Stanley gilt als möglicher Rettungsanker der UBS im Streit um die Eigenkapitalvorschriften. Doch eine Übernahme der Grossbank wäre für die Amerikaner finanziell kaum attraktiv.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Financials, Lex UBS, UBS, Morgan Stanley, #pos2

Wenn UBS-Präsident Colm Kelleher über die Zukunft seiner Bank nachdenkt, dürfte ihm der Name Morgan Stanley durch den Kopf gehen. Bei der amerikanischen Grossbank verbrachte er einen grossen Teil seiner Karriere. Nun wird sein Ex-Arbeitgeber als [möglicher Fusionspartner herumgeboten](https://www.tippinpoint.ch/wall-street-nahes-newsmedium-verbreitet-fluchtplan-geruchte-um-ubs/), sollte die UBS wegen der strengeren Eigenkapitalvorschriften tatsächlich einen Abschied aus der Schweiz wagen.

Doch wie attraktiv wäre der Zusammenschluss eigentlich für die Aktionäre von Morgan Stanley? Dieser Frage ist Liam Proud, Finanzkolumnist von Reuters Breakingviews, nachgegangen. Sein Fazit fällt ernüchternd aus: Selbst unter optimistischen Annahmen könnte eine Übernahme für die Amerikaner ein schlechtes Geschäft sein.

### Ein Kaufpreis von 138 Milliarden Dollar

Proud geht davon aus, dass die UBS zunächst ihr Schweizer Geschäft abspalten würde. Dieses wird von Analysten auf rund 39 Milliarden Dollar geschätzt. Für das verbleibende internationale Geschäft ergibt sich damit ein Börsenwert von etwa 111 Milliarden Dollar.

Unterstellt man eine Übernahmeprämie von 25 Prozent, müsste Morgan Stanley rund 138 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Bei einer Finanzierung mit eigenen Aktien würden die bisherigen UBS-Aktionäre etwa einen Drittel des fusionierten Konzerns besitzen.

Das sieht attraktiv aus, zumindest auf den ersten Blick. Morgan Stanley könnte im grossen Stil Doppelspurigkeiten beseitigen, die sich auf jährliche Kosteneinsparungen von mehr als 10 Milliarden Dollar belaufen könnten. Besonders gross wäre das Sparpotenzial im Investmentbanking, wo beide Banken über grosse Maschinenräume verfügen.

### Schwache Rendite

Doch Einsparungen allein machen noch kein gutes Geschäft. Gemäss den Berechnungen von Breakingviews würde die Rendite auf das investierte Kapital selbst unter günstigen Annahmen lediglich etwas mehr als 14 Prozent erreichen.

Dabei sind potenzielle Ertragsausfälle noch nicht berücksichtigt. Gerade ultrareiche Privatkunden könnten mit den Füssen abstimmen und ihre Gelder zu einer anderen, nicht amerikanischen Bank transferieren. Auch im Investmentbanking wäre mit Ertragsausfällen zu rechnen. Unter Berücksichtigung dieser Negativeffekte würde die Kapitalrendite auf knapp 13 Prozent sinken.

Zum Vergleich: Morgan Stanley dürfte gemäss Analystenschätzungen im kommenden Jahr auf dem materiellen Eigenkapital eine Rendite von rund 24 Prozent erzielen. Zwar lassen sich beide Renditekennzahlen nicht eins zu eins vergleichen. Dennoch zeigt das: Die Amerikaner müssten für eine Übernahme sehr viel Kapital einsetzen, ohne dafür eine überzeugende zusätzliche Rendite zu erhalten.

Hinzu kämen die kaum einzukalkulierenden Integrationsrisiken, die eine transatlantische Grossbankenfusion mit sich bringen würde, die nota bene ziemlich einmalig in der Geschichte des internationalen Bankings wäre.

### Übernahme einer kleineren US-Bank

Breakingviews glaubt denn auch, dass ein anderes Szenario wahrscheinlicher wäre. Statt sich von Morgan Stanley übernehmen zu lassen, könnte die UBS eine kleinere amerikanische Bank kaufen. Als mögliche Kandidaten gelten der Vermögensverwalter Raymond James oder die regionale US-Bank Citizens Financial. Die Institute verfügen über eine Marktkapitalisierung von 31 Milliarden beziehungsweise 22 Milliarden Dollar.

Der Name Raymond James tauchte übrigens schon vor über einem Jahr auf, als die[ Wegzugsgerüchte um die UBS erstmals hochkochten](https://www.tippinpoint.ch/ameriprise-und-raymond-james-sind-zwei-moegliche-uebernahmeziele-fuer-die-ubs/). Neben Raymond James wurde damals auch Ameriprise als mögliche Übernahmekandidatin genannt.