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# Urs Birchler kontert Ermotti – und bringt dessen Bonus ins Spiel
- URL: https://www.tippinpoint.ch/urs-birchler-kontert-ermotti-und-bringt-dessen-bonus-ins-spiel/
- Published: 2026-09-22T05:47:48.000Z
- Updated: 2026-09-22T06:21:40.000Z
- Description: Sergio Ermottis Rundumschlag gegen seine Kritiker sorgt für Wirbel. Bankenprofessor Birchler weist auf einen kaum beachteten Aspekt hin: Die von der UBS favorisierte 50:50-Lösung schont eine Renditekennzahl, die auch für Ermottis Bonus relevant ist.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Lex UBS, UBS, Financials

So viel steht jetzt schon fest: Sergio Ermotti hat mit seinem emotional aufgeladenen Interview in der NZZ vom Montag ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Ob er mit seinem Rundumschlag gegen die Nationalbank, die Finma, das SIF und Ständeräte – die seien [«verwirrt» oder «wollen nicht verstehen»](https://www.tippinpoint.ch/sergio-ermotti-standerate-sind-verwirrt/) – seiner Bank tatsächlich einen Dienst erwiesen hat? Wir wissen es morgen Mittwoch.

Nicht überzeugt hat Ermotti den emeritierten Zürcher Bankenprofessor Urs Birchler. Der frühere Direktor der Schweizerischen Nationalbank weist in seinem Blog [Batz.ch](https://batz.ch/?ref=tippinpoint.ch) auf einen Aspekt hin, der in der Debatte bisher kaum zur Sprache gekommen ist – und eine Erklärung dafür liefert, warum sich die UBS so vehement für die 50:50-Lösung starkmacht. Und dies, obwohl dieser Kompromiss in der Endabrechnung kaum günstiger sein dürfte als etwa der 90-Prozent-Vorschlag von Peter Hegglin.

Es geht um die Eigenkapitalrendite. Beim 50:50-Vorschlag muss die UBS nach eigenen Angaben lediglich 2 Milliarden Dollar zusätzliches hartes Eigenkapital vorhalten. Damit kann die Bank bei gleichem Gewinn eine höhere Rendite auf dem eingesetzten harten Kernkapital ausweisen als beim 90-Prozent-Vorschlag, bei dem sie deutlich mehr CET1 vorhalten müsste.

### Return on CET1 (RoCET1) als wichtige Kennzahl 

Der Return on CET1 (RoCET1) ist eine der wichtigsten Profitabilitätskennzahlen im Banking. Er misst, wie viel Gewinn eine Bank im Verhältnis zu ihrem regulatorisch wichtigsten und qualitativ hochwertigsten Eigenkapital – eben dem harten Kernkapital (Common Equity Tier 1, kurz CET1) – erwirtschaftet.

Auch bei der UBS gehört der RoCET1 zu den zentralen Rentabilitätskennzahlen. Darüber hinaus spielt er im Vergütungsmodell der Konzernleitung eine wichtige Rolle. Ermottis Bonus für das Geschäftsjahr 2025 betrug 12,1 Millionen Franken. Beim Long-Term Incentive Plan (LTIP) verwendet die UBS den durchschnittlichen RoCET1 über einen Dreijahreszeitraum als eine der Leistungskennzahlen.

Urs Birchler hakt genau hier ein. Der UBS-Chef habe gesagt, es gebe eine «ganze Reihe von Experten, die jahrelang geschwiegen haben zur CS. Und heute melden sich alle zu Wort.»

Birchler merkt dazu trocken an, dass seine erste «Motzerei» zur Credit Suisse, die er auf die Schnelle habe finden können, aus dem Jahr 2012 stamme. Schon damals kritisierte er den Return on Equity – eine Kennzahl, bei der das Eigenkapital im Nenner steht. «Das Eigenkapital (equity) steht im Nenner; drum sollte es für einen grossen Bonus möglichst klein sein — egal was die Eidgenossenschaft dabei riskiert», schreibt Birchler.

Damit dreht Birchler Ermottis eigene Argumentation gegen ihn. Der UBS-Chef hatte im NZZ-Interview gesagt: «Denn es geht um mehr als die UBS oder den Finanzplatz. Es geht um die Schweiz.»