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# UBS nützt ihre Macht aus
- URL: https://www.tippinpoint.ch/ubs-nutzt-ihre-macht-aus/
- Published: 2026-09-01T06:14:46.000Z
- Updated: 2026-09-01T06:14:46.000Z
- Description: Im Prinzip liebt der Bulle die Analysten, weil ihre Einschätzungen zu Aktien meist positiv ausfallen. Jüngst hat ihn eine Verkaufsempfehlung der UBS aber vergrätzt. Der Bär erklärt derart aggressive Meinungswechsel mit dem Eigeninteresse der Grossbank.
- Author: Beat Schmid
- Tags: #Bulle&Bär, Bulle und Bär, UBS

Bulle: Da hat wieder einer von der UBS den Vogel abgeschossen. Am 20\. August hat ihr Analyst Iffert in einem einzigen Ruck die Aktien-Empfehlung für Aryzta von «Kaufen» auf «Verkaufen» herabgestuft und das Kursziel von 70 auf 40 Franken beinah halbiert. 

Bär: Vor rund einem Jahr hatte die UBS sogar ein Kursziel von 94 Franken, auf Sicht von zwölf Monaten. Heute, nach Fristablauf, notiert die Aryzta-Aktie um 42 Franken. Ein schönes Beispiel für den Wert, den Analysten für uns Normalanleger haben.

![](https://storage.ghost.io/c/11/7a/117a3396-8af6-43a4-8dc5-f891a0cee13d/content/images/2026/09/Chart-9_1_2026-2_09_05-AM.png)

Kursentwicklung Aryzta. 

Bulle: Wahr ist ja, Aryzta hat bewegte Zeiten er- und überlebt. Früher einmal, als Gipfelibäcker Hiestand, war das ein topseriöses Unternehmen. Nach der Fusion mit der irischen IAWS kam sie in die Hände von Abzockern und Versagern. Mit der Folge, dass der Kurs vom Höchst zum Tiefst fast 99% einbrach und das im eigentlich stabilen Backwarengeschäft.

Bär: Die irren Zeiten unter Führung der Iren sind gottlob vorüber. Seit der Schweizer Urs Jordi das Zepter in der Hand hat, ist mehr Ruhe und Vernunft eingekehrt. 

> Bär: Für einmal gebe ich dir recht. Aryzta ist keine Zockeraktie, heute nicht mehr.

> Bulle: Und trotzdem will die UBS daraus ein Instrument für Spekulanten machen…

Bulle: Darum versteh ich den UBS-Iffert nicht. Wie kann der so herumirren mit seinen Kurszielen? Aryzta hat ein relativ einfaches Geschäftsmodell, das nicht so schwierig einzuschätzen ist. Nichts Hochspekulatives. Backwaren sind kein zyklisches Geschäft. Und dass Grosskunden vermehrt selber produzieren könnten und der Wettbewerb zunimmt, das Thema hatten wir früher schon. 

Bär: Für einmal gebe ich dir recht. Aryzta ist keine Zockeraktie, heute nicht mehr.

Bulle: Und trotzdem will die UBS daraus ein Instrument für Spekulanten machen…

Bär: Schau dir an, wer die wirklich wichtigen Kunden im Handelsgeschäft der UBS sind. Hedgefonds, die traden, ständig Positionen auf- und abbauen, auf fallende Kurse wetten. Schnell rein und raus. Was die suchen und brauchen, ist Volatilität an den Märkten. Starke Kursbewegungen, nach oben oder nach unten…

Bulle: …und die UBS hilft ihnen, indem ihre Analysten Aktien herauf- und herunterstufen und die Kursziele stark verändern, meinst du?

Bär: So kann man das sehen. Die UBS mit ihrer Kundenbasis und Vermögensverwaltung im Rücken hat natürlich die Macht, um Aktienkurse mit Empfehlungen kräftig zu beeinflussen, gerade bei kleinen und mittleren Börsenwerten wie Aryzta. Zumal bei uns die Zahl der Analysten gesunken ist.

Bulle: Wie wahr, nachdem die UBS ihre Verkaufsempfehlung veröffentlicht hatte, sackte Aryztas Kurs in zwei Tagen um 9% ab. Mir ist in diesem Jahr noch ein drastisches Beispiel aufgefallen, da war ich auch investiert. Im Frühling hat die UBS das Kursziel für den Personalvermittler Adecco in einem Rutsch von 21 auf 13 Franken gesenkt, um annähernd 40%.

> Bär: Ich kenne ein paar Finanzchefs von Börsengesellschaften. Sie sagen mir, dass die Analysten ihnen gar nicht mehr richtig zuhören. Die hätten sich in ihrem Hinterkopf schon vorher ihren Case zusammengezimmert.

Bär: Auch ein starkes Stück, ja. Ich kenne ein paar Finanzchefs von Börsengesellschaften. Sie sagen mir, dass die Analysten ihnen gar nicht mehr richtig zuhören. Die hätten sich in ihrem Hinterkopf schon vorher ihren Case zusammengezimmert. Man merke schon an ihren Fragen, auf was sie hinauswollen.

> Bulle: So langsam habe ich Sympathie für unsere Finanzministerin. Ich kann es mehr und mehr verstehen, wenn Keller-Sutter der UBS Zügel anlegen will.

Bulle: So langsam habe ich Sympathie für unsere Finanzministerin. Ich kann es mehr und mehr verstehen, wenn Keller-Sutter der UBS Zügel anlegen will. Wäre es am besten, die Bank aufzuspalten, in eine Schweizer und eine unabhängige amerikanische Einheit? Um ihre Macht einzuschränken.

Bär: Da machst du ein grosses Fass auf. Aber ja, es ist einfach so, dass eine Grossbank wie die UBS stur ihre eigenen Interessen verfolgt, auch wenn die nicht im Interesse des Landes liegen. Und es ist so, dass ihr Denken kurzfristig ausgerichtet ist, dafür sorgt schon die Vergütungsstruktur mit den Boni. Um zu unserem Fall zurückzukommen, an langweilig-soliden Finanzmärkten hat die UBS im Grunde kein Interesse. Ihr Geschäftsmodell basiert auf Volatilität. Reges Auf und Ab bringt Gebühren.