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# «Schlechter Stil»: Raiffeisen erntet scharfe Kritik für Stellenabbau
- URL: https://www.tippinpoint.ch/schlechter-stil-raiffeisen-erntet-scharfe-kritik-fur-stellenabbau/
- Published: 2026-09-03T06:05:00.000Z
- Updated: 2026-09-03T06:10:04.000Z
- Description: Raiffeisen Schweiz streicht 180 Stellen. Was für Verärgerung sorgt: Die Mitarbeitenden sollen erst aus den Medien vom Abbau erfahren haben. Der Bankpersonalverband warnt vor einer neuen, ruppigen Kultur in der Zentrale.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Raiffeisen, People

Raiffeisen Schweiz soll ihre Mitarbeitenden erst nach der Öffentlichkeit über den geplanten Abbau von 180 Stellen informiert haben, schreibt CH Media. Diese seien im Vorfeld lediglich für Mittwochnachmittag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen worden, heisst es.

Die Bank begründete die Nichtkommunikation mit der «Regelung der Ad-hoc-Publizitätspflicht». Raiffeisen müsse «die sich daraus ergebenden Einschränkungen beachten». Eine Vorabinformation der Mitarbeitenden wäre nach eigener Darstellung nicht erlaubt gewesen. Raiffeisen ist nicht an der Börse notiert, aber über Anleihen am Kapitalmarkt aktiv.

### Neue ruppige Kultur bei Raiffeisen?

«Das ist schlechter Stil», kommentierte der Präsident des Schweizerischen Bankpersonalverbands, Michael von Felten, die Kommunikation. Der Verband geht davon aus, dass viele Mitarbeitende die Hiobsbotschaft zuerst am Radio oder über eine Pushmeldung auf dem Handy erfahren hätten, sagte von Felten zu CH Media. Der Verband befürchtet, dass «diese ruppige Art die neue Kultur bei Raiffeisen» werde. «Da mache ich mir schon Sorgen.»

Welche Abteilungen vom Stellenabbau betroffen sind und inwiefern er sich auf die beiden Hauptstandorte St. Gallen und Zürich auswirken wird, will die Bank weiterhin nicht mitteilen. «Es werden bis zu 70 Kündigungen notwendig sein», sagte ein Raiffeisen-Sprecher. Laut CH Media soll gar eine Abbauliste mit über 100 Namen kursieren. Darauf sollen sich die Namen etlicher Mitarbeitender befinden, die über 55 Jahre alt sind, sagte von Felten.

Noch diese Woche sollen alle Betroffenen über ihr Schicksal aufgeklärt werden. Laut Raiffeisen werden die Mitarbeitenden bis spätestens Anfang September informiert. Der Bankpersonalverband sieht den Personalabbau sehr kritisch. Er erfolge ohne jede Not, zeitgleich mit einem Halbjahresgewinn, der höher liegt als im Vorjahr, sagte von Felten.

### Kein Grund für die Massenentlassung erkennbar

Tatsächlich ist kein wirklicher Grund für die [Massenentlassung ](https://www.tippinpoint.ch/raiffeisen-schweiz-kundigt-entlassungen-an/)zu erkennen. Raiffeisen-CEO Gabriel Brenna selbst konnte an der Medienorientierung letzte Woche keinen spezifischen Grund nennen. Eine gut vernetzte Quelle sagt, dass Brenna mit den Entlassungen in der Zentrale die Regionalgenossenschaften besänftigen wollte. Diese sehen das Wachstum der Zentrale traditionell kritisch, weil sie für die Dienste bezahlen müssen. 

Letzte Woche setzte Gabruel Brenna mit Helen Fricker zudem eine in den Regionen[ gut vernetzte Raiffeisen-Kaderfrau ab](https://www.tippinpoint.ch/patrick-lehner-erst-beriet-er-raiffeisen-jetzt-sitzt-er-in-der-geschaftsleitung/). Er löste Frickers Geschäftsbereich auf, gleichzeitig holte er mit Patrick Lehner einen Ex-CS-Banker und Boston-Consulting-Berater in die Geschäftsleitung der Zentrale. Als Chef des neu geschaffenen Departements «Privatkunden» wird er sich künftig um die Regionalgenossenschaften kümmern.