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# Patrick Lehner: Erst beriet er Raiffeisen, jetzt sitzt er in der Geschäftsleitung
- URL: https://www.tippinpoint.ch/patrick-lehner-erst-beriet-er-raiffeisen-jetzt-sitzt-er-in-der-geschaftsleitung/
- Published: 2026-08-28T05:58:16.000Z
- Updated: 2026-08-28T05:58:16.000Z
- Description: Er beriet Raiffeisen bei der Strategieentwicklung. Nun holt ihn CEO Gabriel Brenna in die Geschäftsleitung. Die Personalie ist auch deshalb brisant, weil Lehner eine in den Regionen gut vernetzte Raiffeisen-Kaderfrau ersetzt.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Raiffeisen, Financials

Er beriet Raiffeisen bei der Strategieentwicklung. Nun holt ihn CEO Gabriel Brenna in die Geschäftsleitung. Die Personalie ist auch deshalb brisant, weil Lehner eine in den Regionen gut vernetzte Raiffeisen-Kaderfrau ersetzt.

Es ist ein phänomenaler Aufstieg von Patrick Lehner, dem ehemaligen CS-Kadermann, der unter anderem eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der CSX-Plattform spielte. Nach dem Kauf der Credit Suisse durch die UBS gab es jedoch keinen Platz mehr für ihn. Lehner ging zu Boston Consulting und wurde Berater. Es war eine Rückkehr: Nach seinem ETH-Studium stieg er beim Strategieberater ins Berufsleben ein.

Dazu muss man wissen: Boston Consulting hat seit mehreren Jahren ein Mandat von Raiffeisen für die Strategieentwicklung. Patrick Lehner leitete das Mandat bei Raiffeisen während rund zwei Jahren und war oft in St. Gallen, am Sitz der Zentralgenossenschaft, wie eine Quelle sagt. Ein Raiffeisen-Sprecher bestätigt, dass Boston Consulting ein Mandat von Raiffeisen hat.

Dass Berater eines Unternehmens später bei diesem einsteigen, ist nicht unüblich. Die Rekrutierung von Lehner wirft trotzdem Fragen auf. In seinen früheren Rollen war Lehner nie Mitglied einer Geschäftsleitung einer Bank, er war auch bei der CS Schweiz nicht in der Geschäftsleitung. Raiffeisen ist die Nummer 2 im Schweizer Banking und wird von der Nationalbank als systemrelevant eingestuft.

### Ansprechpartner für die regionalen Genossenschaften

Ein weiterer Punkt ist der Bereich, den er leiten wird. Lehner wird das neu geschaffene Departement «Privatkunden» führen. Die Bezeichnung überrascht, da Raiffeisen Schweiz selbst keine Privatkunden hat. Diese werden von den regionalen Genossenschaften betreut. Noch ist vieles unklar, welches Profil das neue Departement haben wird. Klar scheint einzig, dass der ehemalige Grossbanker in seiner neuen Rolle der wichtigste Ansprechpartner für die regionalen Genossenschaften werden wird.

Eine Rolle, die bislang Helen Fricker innehatte, deren Bereich «Services» hiess und nun aufgelöst wird. Mit der Abberufung von Fricker und der Einwechslung von Lehner hat CEO Gabriel Brenna seinen vielleicht heikelsten Entscheid getroffen. Ein Kadermann sieht die Personalie kritisch: «Mit dem Abgang von Helen Fricker hat sich Gabriel Brenna sicherlich keinen Gefallen getan», sagt er überzeugt.

Als Bankerin blickt Fricker auf 30 Jahre Erfahrung zurück. Sie war bei der ZKB; seit 2011 ist sie bei Raiffeisen. In den Regionen war sie gut vernetzt und hatte ein offenes Ohr für die Anliegen der über 200 rechtlich eigenständigen Raiffeisenbanken. In der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz vertrat sie Positionen, die manchmal auch im Widerspruch zu denen des CEOs standen, sagt eine Quelle.

Damit dürfte sie bei Gabriel Brenna angeeckt sein, der seit Anfang Jahr Raiffeisen-Chef ist. Brenna soll kein Fan abweichender Meinungen sein, wie ein Kadermann mit Kenntnissen der Vorgänge auf Stufe Geschäftsleitung sagt.