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# Lex UBS: Kommt es zu einem letzten Kompromiss?
- URL: https://www.tippinpoint.ch/lex-ubs-kommt-es-zu-einem-letzten-kompromiss/
- Published: 2026-11-05T06:15:11.000Z
- Updated: 2026-11-05T06:15:11.000Z
- Description: Im Eigenkapitalstreit scheint es einen letzten Versuch zu geben, der UBS entgegenzukommen. Der Vorschlag aus der SVP-Ecke setzt bei der Bewertung der Auslandstöchter an. Die Grossbank selbst hat diese Möglichkeit bereits in ihrer Vernehmlassungsantwort ins Spiel gebracht.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Lex UBS, Financials, UBS, Regulierung, #pos2

Kommt es im erbitterten Streit um die künftigen Eigenkapitalvorschriften für die UBS doch noch zu einem Kompromiss? Nachdem der Ständerat im September harte Kante gezeigt hat, gibt es im Nationalrat einen neuen Verwässerungsversuch.

Wie Bloomberg berichtet, will offenbar ein Mitglied des Nationalrats eine alternative Bewertungsmethode für die ausländischen Tochtergesellschaften der UBS ins Spiel bringen. Statt die Beteiligungen wie bisher zu Anschaffungskosten zu bilanzieren und jährlich auf Wertminderungen zu überprüfen, soll die sogenannte Equity-Methode zur Anwendung kommen.

Der entscheidende Unterschied: Bei dieser Methode orientiert sich der Beteiligungswert am Eigenkapital der jeweiligen Tochtergesellschaft. Gewinne und Verluste schlagen sich damit laufend im Buchwert der Beteiligung nieder. Das soll verhindern, dass sich über Jahre überhöhte Bewertungen aufbauen, die in einer Krise plötzlich zu massiven Abschreibungen führen.

### UBS hat den Vorschlag selbst eingebracht

Bemerkenswert ist, dass die UBS diesen Ansatz bereits Anfang Jahr in ihrer Vernehmlassungsantwort zur geplanten Gesetzesänderung diskutiert hat. Auf Seite 14 des 33-seitigen Dokuments verweist die Grossbank auf die Erfahrungen mit der Credit Suisse.

Das CS-Stammhaus musste zwischen 2020 und 2022 auf seinen ausländischen Beteiligungen Wertberichtigungen von insgesamt 45 Milliarden Franken vornehmen. Das entsprach einem Wertverlust von 63 Prozent. Die UBS führt dies unter anderem auf aggressive Bewertungen nach der Discounted-Cashflow-Methode (DCF) zurück.

«Die erheblichen Abschreibungen auf ausländische Beteiligungen in den Jahren 2020 bis 2022 resultierten aus der aggressiven Bewertung auf Basis von Zukunftswerten (Discounted Cash-Flow - DCF), welche übermässig optimistisch war, trotz negativer Entwicklung der Geschäfts- und Finanzzahlen», heisst es da. Eine konservativere Bewertung hätte nach Ansicht der UBS die Widerstandsfähigkeit der Credit Suisse verbessert und eine frühere Restrukturierung ermöglicht.

Die Equity-Methode würde laut UBS nicht nur das Risiko grosser Bewertungsverluste in einer Krise verringern. Sie hätte auch zur Folge, dass der Nettobuchwert einer Beteiligung ungefähr dem Eigenkapital der Tochtergesellschaft entspricht. Verluste würden sich damit konsistenter auf das Stammhaus und den Konzern auswirken.

### Wie viele Milliarden könnte die UBS sparen?

Die UBS will sich dem Willen des Bundesrats nicht beugen. Dieser verlangt, dass die Auslandstöchter künftig vollständig mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegt werden. Der Ständerat hat diese Anforderung im September auf 90 Prozent reduziert. Nach Berechnungen der UBS würde dies immer noch einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 16 Milliarden Dollar auslösen.

Mit der Equity-Methode könnte dieser Betrag sinken, weil die Kapitalunterlegung auf einer anderen Bewertungsgrundlage berechnet würde. Wie gross die Entlastung tatsächlich ausfallen könnte, ist allerdings offen. Auch eine konservativere Bewertung führt nicht zwangsläufig zu tieferen Beteiligungswerten.

Der Bundesrat steht dem Ansatz skeptisch gegenüber. Aus seiner Sicht würde die Equity-Methode das Risiko nicht vollständig beseitigen, dass Wertverluste bei ausländischen Tochtergesellschaften die Kapitalbasis des Schweizer Stammhauses belasten.

### Entscheidende Beratungen Ende November

Wie Recherchen ergeben haben, kommt der neue Vorschlag aus der SVP-Ecke. Ob er sich politisch durchsetzen kann, ist ungewiss. Ganz unmöglich ist das nicht: Falls sich durch einen Wechsel der Bewertungsmethode der Töchter die Kapitalerfordernisse im Stammhaus reduzieren lassen, müsste an der 90-Prozent-Regel möglicherweise gar nicht geschraubt werden.

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) hat Ende Oktober nach Anhörung von UBS-Chef Sergio Ermotti, Finanzministerin Karin Keller-Sutter sowie Vertretern der Nationalbank und der Finma beschlossen, auf die Vorlage einzutreten.

Am 23\. und 24\. November will die Kommission die Detailberatung aufnehmen und ihren Vorschlag zuhanden der grossen Kammer fällen. Anschliessend dürfte sich der Nationalrat noch vor Weihnachten mit der Lex UBS befassen.