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# KI-Apokalypse und Öl-Schock setzen Börsen unter Druck
- URL: https://www.tippinpoint.ch/ki-apokalypse-und-ol-schock-setzen-borsen-unter-druck/
- Published: 2026-09-14T05:39:00.000Z
- Updated: 2026-09-14T05:41:02.000Z
- Description: Warnungen prominenter Tech Bros vor einer zu schnellen Entwicklung der KI haben auf die Märkte durchgeschlagen. Gleichzeitig steigt der Ölpreis weiter. In Asien gaben die Aktienmärkte am Montag nach.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Tech, OpenAI, Anthropic

Die asiatischen Börsen gaben am Montag deutlich nach. Der südkoreanische Leitindex Kospi, der stark von Halbleiter- und KI-Aktien geprägt ist, fiel um 2,1 Prozent. Die Chipkonzerne SK Hynix und Samsung Electronics gaben nach. In Tokio brach die Aktie von Softbank zeitweise um 13 Prozent ein. Der MSCI Asia Pacific Index verlor 0,5 Prozent.

Auf die Kurse gedrückt hat insbesondere die Aussage von OpenAI-Chef Sam Altman, wonach sein Unternehmen in diesem Jahr nicht an die Börse gehen werde. Auch an der Wall Street zeichnet sich ein schwacher Handelsstart ab. Die Futures auf den technologielastigen Nasdaq 100 verloren 1,1 Prozent, jene auf den S&P 500 0,4 Prozent.

### KI-Chefs treten auf die Bremse

Die Kursabschläge ausgelöst haben ungewöhnlich deutliche Warnungen aus der KI-Branche. Anthropic-Chef Dario Amodei kündigte am Samstag zusätzliche Sicherheitsmassnahmen und unabhängige Überprüfungen an. Gleichzeitig forderte er die Branche auf, die Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle zu verlangsamen. Unterstützung erhielt er von Sam Altman, der sich hinter den Vorschlag stellte. Auch Elon Musk, Gründer des KI-Unternehmens xAI, erklärte: «Dario hat recht.»

Zuvor sorgte der KI-Entwickler Jacob Coxon für internationale Schlagzeilen: Der KI-Forscher hängte letzte Woche seinen Job bei Anthropic an den Nagel und gab auf der Plattform X die spektakuläre Prognose ab, KI könnte die Menschheit bis 2040 auslöschen. KI-Firmen würden mit unserem Leben spielen.

> I resigned from Anthropic today. I spent the last three years doing pretraining research at both OpenAI and Anthropic. Neither company is acting responsibly. They are racing straight to self-improving superintelligence and gambling with our lives. More thoughts below.
> 
> — Jacob Coxon (@hilbertspaess) [September 9, 2026](https://x.com/hilbertspaess/status/2097476196791709843?ref%5Fsrc=twsrc%5Etfw&ref=tippinpoint.ch)

Für Investoren stellt sich unmittelbar die Frage, ob eine abgebremste Entwicklung der KI zu einem Rückgang der Investitionen in Rechenzentren, Chips und Energie-Infrastruktur führen könnte. Gerade hoch bewertete Technologieaktien reagieren empfindlich auf Anzeichen, dass die erwarteten Gewinne später oder geringer ausfallen könnten.

### Ölpreis steigt auf 107 Dollar

Gleichzeitig spitzte sich die Lage am Ölmarkt zu. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg um 2,7 Prozent auf 107,51 Dollar je Fass. Saudi-Arabien hatte nach Drohnenangriffen eine wichtige Ölpipeline stillgelegt. Zudem wurde ein geplantes Treffen zwischen Iran und den Golfstaaten verschoben.

Damit kehren die Inflationssorgen mit voller Wucht zurück. Höhere Energiepreise verteuern nicht nur Benzin und Diesel, sondern wirken sich über Transport- und Produktionskosten auf weite Teile der Wirtschaft aus.

### US-Zinsen kratzen an der 5-Prozent-Marke

Hinzu kommt ein dritter Belastungsfaktor: die Zinsen. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen bei 4,97 Prozent und damit unmittelbar vor der psychologisch wichtigen Marke von 5 Prozent.

Die jüngsten US-Inflationszahlen vom Freitag wurden mehrheitlich als Zeichen gedeutet, dass die Fed diesen Mittwoch die Zinsen erhöhen könnte. Am Terminmarkt wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank mittlerweile auf fast 90 Prozent geschätzt.

Damit treffen derzeit drei Risiken gleichzeitig auf die Börsen: eine mögliche Abkühlung des KI-Booms, ein Ölpreis von deutlich über 100 Dollar und steigende langfristige Zinsen. Als weitere Belastungsfaktoren könnte man noch die Saisonalität (es ist September) und die Zwischenwahlen dazuzählen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte die Entwicklung sehr genau verfolgen. Am 24\. September fällt sie ihren nächsten Zinsentscheid. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte, also von aktuell 0 auf 0,25 Prozent, wäre keine allzu grosse Überraschung mehr. Das Zinsgefälle gegenüber dem Dollar- und dem Euroraum hat sich zuletzt deutlich vergrössert. Die Lage für die SNB hat sich dadurch verbessert. Sie verfügt über Spielraum, ihre Bilanz zu verkleinern und sich beispielsweise von ausländischen Anleihen oder Aktien zu trennen.