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# Kevin Warsh: Das Schweigegelübde des neuen US-Notenbankchefs
- URL: https://www.tippinpoint.ch/kevin-warsh-das-schweigegelubde-des-neuen-us-notenbankchef/
- Published: 2026-08-26T05:55:48.000Z
- Updated: 2026-08-26T06:06:33.000Z
- Description: Seit Mai im Amt und schon heftig umstritten: Der neue Chef der US-Notenbank will weniger über die Geldpolitik schwätzen als seine Vorgänger, was den Bullen verunsichert. Der Bär sagt, die Verschuldung bringt Warsh zum Schweigen.
- Author: Bulle und Bär
- Tags: #Bulle&Bär, Bulle und Bär, Markets, #Kommentar

Bulle: Das kann bös nach hinten losgehen. Der neue Chef des Fed will viel weniger mit den Märkten kommunizieren als seine Vorgänger. Weniger als halb so viel, nimmt man die Statements zu den Zinsentscheiden. Das von Ende Juli unter Warsh zählte 166 Worte, das letzte unter Vorgänger Powell 341 Worte. Die Forward Guidance hat Warsh auch abgeschafft. Jetzt dürfen wir rätseln, in welche Richtung die Leitzinsen sich bewegen sollen.

Bär: Es wird noch besser. Laut der New York Times überlegt sich Warsh, ob das Fed seine regulären Meetings zu den Zinsentscheiden, bisher acht pro Jahr, reduzieren soll. Endlich weniger Theater.

Bulle: Kauzig. Alle Welt sieht die Sitzungen des Fed und die Erläuterungen seines Chefs als taktgebend für die Märkte an. Für dich aber alles Theater. 

Bär: Die Fixierung der Märkte auf die Fed-Meetings hat doch etwas Infantiles. Schon Tage vorher werweisst ihr, was der Meister ausbrütet. Nach den Sitzungen hält er Hof und ihr hängt an seinen Lippen und prüft jedes Wort und Komma auf allenfalls dahinter verborgene Weisheiten. Ihr solltet mehr auf die Marktsignale hören und weniger auf den Erleuchteten.

> Bulle: Jeder Eheberater sagt dir, wie wichtig die Kommunikation mit deiner Frau ist. Weniger heisst mehr Chaos. So ist es auch an den Märkten.

Bulle: Jeder Eheberater sagt dir, wie wichtig die Kommunikation mit deiner Frau ist. Weniger heisst mehr Chaos. So ist es auch an den Märkten. Wenn die Notenbankchefs weniger kommunizieren, bedeutet das, dass die Unsicherheit und die Kursschwankungen zunehmen. Also höhere Risiken. Soll das gut sein?

Bär: Das hat in dem Fall sein Gutes, ja. Auf die Weise werdet ihr erwachsen und lernt, die Risiken an den Märkten selbständig einzuschätzen. Dann handelt ihr auch risikobewusster. Du spekulierst doch auch mit Kredit an der Börse. 

Bulle: Wer nicht? Ich kenne viele, die das tun. Die Banken geben dir gerne einen Lombardkredit, so wie meine. Online einen Antrag stellen und das Geld innerhalb einer Stunde erhalten. Ganz einfach.

Bär: Verführerisch einfach. Und die Notenbanker haben‘s euch auch so leicht gemacht, haben euch ans Händchen genommen und gezeigt, wo es langgeht. Und wenn’s an der Börse einmal gerappelt hat, haben sie sofort erste Hilfe geleistet, Zinsen gesenkt, Liquiditätsspritzen verabreicht. Greenspan-Put, Bernanke-Put, Yellen-Put, Powell-Put, auf die Absicherungsdienste der Fed-Chefs konntet ihr euch lange, lange verlassen. 

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Ist Schweigen Gold? FED-Chef Kevin Warsh. (Bild: FED) 

Bulle: Und es hat gut funktioniert. Es gab die Finanzkrise, die Corona-Krise. Alle wurden überwunden, dank entschlossenen Handeln der Notenbanker und glaubwürdiger Kommunikation. Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut von Notenbankern. Das haben ihnen die Märkte zugestanden. Bisher jedenfalls. 

Bär: Das höchste Gut eines Notenbankers, du wirst pathetisch. Für jene, die die Sache wie ich betrachten, haben die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit schon längst verloren.

Bulle: Einer wie du nörgelt ständig an allen herum. Aber du wirst mir zustimmen, dass das Fed die global wichtigste Institution für die Finanzmärkte ist. Wenn es an Vertrauen verliert, weil schlecht oder eben zuwenig kommuniziert wird, dann haben wir alle ein Problem.

Bär: Was du als gute Kommunikation bezeichnest, ist am Ende aller Tage reines Einlullen. Wegen der Notenbanken habt ihr euch in Sicherheit gewogen, in falscher. Sie haben Versprechen gemacht, in denen sie sich eines Tages zwangsläufig verstricken. 

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Bulle: Wer falsche Versprechen macht und Mist baut, das sind die Politiker. Die Notenbanker haben gewiss Fehler gemacht, wer nicht. Aber alles in allem haben sie geliefert. Zu deinem Verdruss, lieber Bär, haben die Börsen auch in diesem Jahr einen guten Lauf, der amerikanische Leitindex S&P 500 ist nahe seinem Allzeithoch. Unser Swiss Market Index ist noch etwas näher dran und hat dieses Jahr 9% zugelegt, ohne Dividenden. 

Bär: Du siehst es halt aus deinem kleinen beschränkten Blickwinkel. Was kümmern dich die langfristigen Folgen der lockeren Geldpolitik der Notenbanker, solange deine Aktien steigen. Ich will nicht ins Detail gehen, zu komplex für hyperaktive Anleger wie dich. Aber eine Schlagzeile aus den letzten Tagen wird dir nicht entgangen sein.

Bulle: Mangel an Schlagzeilen gibt es nicht, aber welche Negativschlagzeile hat es dir denn angetan? 

> Bär: Gefangen im Schuldendilemma. In dem können die Notenbanker nicht mehr der Taktgeber sein, der Takt wird ihnen vorgegeben. Was soll Warsh noch viel dazu sagen? Da ist Schweigen Gold.

Bär: In der vergangenen Woche ist die Staatsverschuldung der USA zum ersten Mal auf über 40 Billionen Dollar gestiegen. Das sind mehr als 360 000 Dollar pro Steuerzahler. 

![](https://storage.ghost.io/c/11/7a/117a3396-8af6-43a4-8dc5-f891a0cee13d/content/images/2026/08/Screenshot-2026-08-26-074814.png)

Quelle: [Fiscal Data, US Treasury](https://fiscaldata.treasury.gov/datasets/debt-to-the-penny/?ref=tippinpoint.ch)

Bulle: Schulden sind Investitionen in die Zukunft. Und die USA können noch lange Geld drucken, sie verfügen über die Weltleitwährung.

Bär: Falsch. Die Abwärtsspirale ist in Gang. Stetig wachsende Schulden der USA, schwindendes Vertrauen in deren Schuldpapiere und den Dollar, steigende Zinsen, noch höhere Kreditkosten für das Land, weiter wachsende Schulden und so fort. Wenn die USA da Geld drucken, erhöhen sie nur die Inflation und die Zinsen. Gefangen im Schuldendilemma. In dem können die Notenbanker nicht mehr der Taktgeber sein, der Takt wird ihnen vorgegeben. Was soll Warsh noch viel dazu sagen? Da ist Schweigen Gold.