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# Grübel zur UBS: «Der Staat ist der grösste Stakeholder»
- URL: https://www.tippinpoint.ch/grubel-zur-ubs-der-staat-ist-der-grosste-stakeholder/
- Published: 2026-08-24T05:28:00.000Z
- Updated: 2026-08-24T05:29:26.000Z
- Description: Der frühere CS- und UBS-Chef schlägt sich in der Eigenkapitaldiskussion überraschend auf die Seite des Staates. Eine Grossbank sei eben nicht nur ein privates Unternehmen.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Eigenkapital, UBS, Financials

Oswald Grübel kennt die Schweizer Grossbanken wie kaum ein anderer. Er stand an der Spitze der Credit Suisse und der UBS. Inzwischen ist er 82 Jahre alt und mischt sich immer noch in aktuelle Debatten ein. In der SonntagsZeitung äusserte er sich zum Streit zwischen der UBS und dem Bund. Während die UBS vor den Folgen deutlich höherer Eigenkapitalanforderungen warnt, stellt sich Ex-Grossbanker Grübel überraschend auf die Seite des Staates.

Dass es nach dem Untergang der Credit Suisse nur noch eine Schweizer Grossbank gibt, hält Grübel zunächst nicht für ein grundsätzliches Problem. Früher hätten UBS und Credit Suisse zusammen eine deutlich grössere Bilanzsumme gehabt als die heutige UBS. «Rein technisch ist das Risiko also kleiner geworden», sagt Grübel.

Allerdings habe sich mit der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS die Ausgangslage für die Schweiz verändert. Das Land verfüge nur noch über eine global tätige Grossbank. Deshalb müsse der Staat entscheiden, unter welchen Bedingungen diese operieren dürfe. Schliesslich sei er beziehungsweise die Nationalbank im Krisenfall der «Lender of last Resort».

Das ist für Grübel der entscheidende Punkt in der Eigenkapitaldebatte. Finanzministerin Karin Keller-Sutter will die Kapitalanforderungen für die UBS deutlich verschärfen. Nach den Plänen des Bundes müsste die Bank rund 20 Milliarden Franken zusätzliches Eigenkapital halten. Die UBS bekämpft die Vorlage vehement. Der Streit dauert nun schon bald drei Jahre.

Grübel hingegen hält strengere Vorgaben grundsätzlich für legitim. Eine Grossbank sei eben nicht nur ein privates Unternehmen. Sie habe verschiedene Stakeholder: Aktionäre, Privat- und Geschäftskunden sowie Angestellte. «Aber der grösste Stakeholder ist der Staat, weil er im Fall einer Krise die Liquidität bereitstellen muss, um seine Wirtschaft zu schützen», sagt Grübel.

### «Staat muss Regeln bestimmen können»

Das Argument, wonach unternehmerische Risiken grundsätzlich Sache der Privatwirtschaft seien, lässt der frühere UBS-Chef nur bedingt gelten. Das treffe zu, solange die Reserven einer Bank ausreichten. Sind diese aufgebraucht, müsse der Staat entscheiden, wie er seine Wirtschaft schütze. Die Finanzkrise von 2008 sei dafür das beste Beispiel.

Auch der Vorstellung, wonach im Krisenfall der internationale Teil einer Grossbank abgewickelt werden könnte, erteilt Grübel eine Absage. Würden Staaten ihre international tätigen Banken einfach untergehen lassen, drohe im schlimmsten Fall eine Weltwirtschaftskrise. Deshalb müssten Zentralbanken in schweren Krisen eingreifen. 2008 und 2009 hätten sie teilweise sogar Banken mit Liquidität versorgt, die diese Unterstützung gar nicht wollten. Das Ziel sei gewesen, Vertrauen zu schaffen und eine Wirtschaftskrise zu verhindern.

Die Konsequenz daraus: Wenn der Staat im Ernstfall das letzte Sicherheitsnetz bildet, muss er auch die Regeln bestimmen können. «Wenn er das nicht tut, gefährdet er die Wirtschaft seines Landes», sagt der frühere Banker.

Denn eine Grossbank sei eng mit der gesamten Volkswirtschaft verflochten. Millionen von Kunden hielten dort Konten, Unternehmen hätten Kredite über Hunderte Milliarden Franken aufgenommen. Eine unkontrollierte Pleite könnte entsprechend weitreichende Folgen haben. Der Untergang der Credit Suisse habe gezeigt, welche Risiken sich über Jahre aufbauen könnten.

### «Der Finanzplatz wird nicht geschwächt»

Grübel sieht deshalb auch einen Widerspruch in der politischen Debatte: Man könne den Staat nicht einerseits dafür kritisieren, eine Grossbank ungenügend beaufsichtigt zu haben, und ihm andererseits vorwerfen, wenn er als Konsequenz strengere Regeln und höhere Kapitalreserven verlange.

Auch das zentrale Argument der UBS gegen die geplante Verschärfung überzeugt ihn nicht. Die Bank warnt davor, dass rund 20 Milliarden Franken zusätzliches Eigenkapital ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit den Schweizer Finanzplatz schwächen würden.

Grübel sieht das anders. Mehr Eigenkapital drücke zwar die Kapitalrendite der UBS. Für den Finanzplatz als Ganzes sei das jedoch kein Nachteil. «Ja, die Kapitalrendite sinkt», sagt Grübel. «Aber der Finanzplatz wird dadurch nicht geschwächt.»

### Ja zur «Neutralitätsinitiative»

Auch zur «Neutralitätsinitiative» äusserte sich Grübel, der schon viele Jahre in der Schweiz lebt, sich aber nicht einbürgern liess. Könnte er abstimmen, würde er Ja sagen. «Wenn wir die Schweiz erhalten wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als konsequent neutral zu bleiben.»

Die gleiche politische Linie vertritt er auch bei den bilateralen Verträgen. Er glaube nicht, dass man sie aus wirtschaftlichen Gründen brauche. Mit dem Vertrag unterwerfe sich die Schweiz ausländischer Gerichtsbarkeit. Neutral sein und gleichzeitig unter EU-Gerichtsbarkeit stehen, gehe nicht, meint Grübel.