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# Glencores Kohle-Comeback bringt UBS in Erklärungsnöte
- URL: https://www.tippinpoint.ch/glencores-kohle-comeback-bringt-ubs-in-erklarungsnote/
- Published: 2026-10-20T07:11:47.000Z
- Updated: 2026-10-20T07:11:47.000Z
- Description: Die Umweltorganisation Reclaim Finance legt den Finger auf einen wunden Punkt: Während die Grossbank die Kohlefinanzierungen einschränkt, unterstützt sie weiterhin den Zuger Rohstoffkonzern, der sein Kohlegeschäft gerade kräftig ausbaut.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Impact, Glencore, UBS, #pos2

Die UBS gehört zu den wichtigeren Bankpartnern von Glencore. Zwischen 2021 und 2025 soll die Grossbank laut Zahlen der Umweltorganisation Reclaim Finance den Zuger Rohstoffkonzern mit Finanzierungshilfen in der Höhe von 2,1 Milliarden Dollar unterstützt haben.

Glencore investiert wiederum kräftig in die Kohleförderung in Australien. Erst [kürzlich erhielt das Unternehmen die Genehmigung](https://www.tippinpoint.ch/glencores-kohleausstieg-dauert-plotzlich-bis-2045/) für eines der grössten Kohleprojekte des Landes. Reclaim Finance und weitere NGOs wie BankTrack, Market Forces, Lock the Gate und Urgewald haben die Finanzierung von Kohleprojekten von Glencore und anderen Rohstoffriesen untersucht, die im australischen Bowen-Basin den Kohleabbau intensivieren wollen. Die Region zählt zu den weltweit wichtigsten Fördergebieten für Kokskohle, die vor allem in der Stahlproduktion eingesetzt wird.

Insgesamt haben 19 europäische Banken zwischen 2021 und 2025 Unternehmen, die in der Region neue Kohleminen entwickeln oder bestehende Anlagen erweitern wollen, Finanzierungen im Umfang von 30 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Die UBS belegt mit 2,9 Milliarden Dollar den fünften Platz. Vor ihr liegen Crédit Agricole, Barclays, Santander und Deutsche Bank.

### Glencore baut Kohlegeschäft aus

Der allergrösste Teil der UBS-Finanzierungen floss auf die Konten von Glencore. Pikant dabei ist: Der Rohstoffkonzern hat sein Kohlegeschäft in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Mit der Übernahme des Kohlegeschäfts des kanadischen Bergbaukonzerns Teck Resources im Jahr 2024 verstärkte Glencore insbesondere seine Position bei der Kokskohle. Der Konzern hat seine Kohleziele erst kürzlich auf das Jahr 2045 verschoben. 

Zudem entschied das Unternehmen, sein Kohlegeschäft entgegen früheren Plänen nicht abzuspalten, sondern im Konzern zu behalten. In Australien plant Glencore unter anderem eine Erweiterung der Hail-Creek-Mine im Bowen Basin.

Damit steht die Kohle wieder stärker im Zentrum der Konzernstrategie. 2025 förderte Glencore insgesamt rund 130 Millionen Tonnen Kohle, davon 32,5 Millionen Tonnen Kokskohle. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies bei der Kokskohle einem Anstieg von rund 63 Prozent.

Allerdings, und hier wird es kompliziert, ist Glencore weit mehr als ein Kohlekonzern. Das Unternehmen gehört auch zu den bedeutenden Produzenten von Kupfer, Zink, Nickel und anderen Metallen. Gerade Kupfer spielt beim Ausbau der Stromnetze und der Elektrifizierung der Wirtschaft eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Glencore mit Metallen und Mineralien einen deutlich höheren operativen Gewinn als mit Kohle.

Wenn die UBS Glencore mit 2,1 Milliarden Dollar finanziert, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Gelder direkt in neue Kohleminen fliessen. Der Rohstoffkonzern benötigt Kapital auch für sein Metallgeschäft und den internationalen Rohstoffhandel. Aus den von Reclaim Finance genannten Beträgen geht nicht hervor, welcher Anteil tatsächlich in den Ausbau der Kohleförderung geflossen ist. Trotzdem wird Glencore wegen des Kohlerevivals für die UBS zu einem zunehmend heiklen Kunden.

Die UBS hat ihre Kohlefinanzierungen in den vergangenen Jahren eingeschränkt. Gemäss ihren Richtlinien finanziert sie keine neuen Kraftwerkskohleminen auf bisher unerschlossenen Standorten, sofern die Gelder ausdrücklich für diesen Zweck bestimmt sind. Unternehmen, die mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes mit Kraftwerkskohle erzielen, dürfen nur unter bestimmten Bedingungen finanziert werden. Beispielsweise müssen sie eine mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbare Übergangsstrategie verfolgen. Für Kokskohle, die in der Stahlproduktion eingesetzt wird, gelten diese Einschränkungen jedoch nicht.