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# Finma schiesst scharf gegen Julius Bär – und verhängt Massnahmen bis 2032
- URL: https://www.tippinpoint.ch/finma-schiesst-scharf-gegen-julius-bar-und-verhangt-massnahmen-bis-2032/
- Published: 2026-09-29T05:33:45.000Z
- Updated: 2026-09-29T05:33:45.000Z
- Description: Die Privatbank Julius Bär kassiert erneut eine scharfe Rüge von der Finanzmarktaufsicht. Es geht um das Kreditgeschäft mit René Benkos Signa-Gruppe sowie um Kundenbeziehungen im Umfeld von zwei russischen PEPs.
- Author: Beat Schmid
- Tags: Julius Bär, Finma, Financials, #pos1

Die Finma geht hart mit Julius Bär ins Gericht. Die Privatbank habe in «schwerer Weise gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstossen», schreibt die Finanzmarktaufsicht zum Abschluss eines umfangreichen Enforcementverfahrens. Im Zentrum stehen die Private-Debt-Kredite an René Benkos Signa-Gruppe sowie Geschäftsbeziehungen mit Kunden aus dem Umfeld zweier russischer politisch exponierter Personen (PEP). Das teilte die Finma heute mit.

Besonders schwere Mängel stellt die Finma im Private-Debt-Geschäft fest. Julius Bär hatte dieses ab 2018 aufgebaut und ab September 2019 insgesamt acht Kredite an die Signa-Gruppe und deren Gründer René Benko vergeben. Das gesamte Kreditvolumen überschritt 2022 und 2023 die Marke von einer Milliarde Franken. Die Finma nennt keine Namen, aber es ist hinlänglich bekannt, dass es sich dabei um René Benkos Immobilienimperium handelt.

Für dieses Geschäft sei die Bank «weder organisatorisch noch personell richtig aufgestellt» gewesen. Es hätten ein ausreichendes internes Regelwerk, wirksame Kontrollen und genügend ausgebildetes Personal gefehlt. Zudem habe Julius Bär zahlreiche Warnsignale ignoriert. Selbst auferlegte Limiten für einzelne Schuldner seien kontinuierlich missachtet und regulatorische Vorgaben zur Meldung von Klumpenrisiken verletzt worden.

Die Finma nennt zudem erhebliche Interessenkonflikte und Fehlanreize. Mitarbeitende der Bank sowie externe Vermittler verdienten mit der Geschäftsbeziehung Saläre beziehungsweise Provisionen «in Millionenhöhe». Die Bank habe für «undurchsichtige Aktiengeschäfte» mit Titeln von Benko-Gesellschaften Hand geboten und brachte ihrerseits die Kundengruppe dazu, [eine Durchlauftransaktion in der Höhe von 60 Millionen Euro ](https://www.tippinpoint.ch/neue-vorwuerfe-gegen-julius-baer-im-fall-ren-benko/)durchzuführen. Ende 2023 bestanden noch Kredite von 586 Millionen Franken. Diese mussten vollständig wertberichtigt werden.

### Sonderbehandlung für russischen PEP-Kunden

Auch bei Kunden aus dem Umfeld zweier russischer PEP stellt die Finma schwere Verstösse fest. Julius Bär habe über Jahre hinweg die Herkunft von Vermögenswerten unzureichend abgeklärt, negative Medienberichte und verdächtiges Kundenverhalten zu wenig kritisch gewürdigt sowie Meldepflichten nach dem Geldwäschereigesetz verletzt. 

Brisant ist eine Ausnahme, welche die Bank 2019 von ihren eigenen Know-your-Customer-Regeln gewährte. Ein Mitarbeiter hatte eine Empfehlung zugunsten eines PEP-Kunden abgegeben. Dieser Mitarbeiter unterhielt laut Finma enge persönliche Beziehungen zur Familie des Kunden. Die Bank habe dieses Vorgehen auch bei späteren Überprüfungen nicht ausreichend hinterfragt.

Auch hier nennt die Finma keine Namen. Tippinpoint berichtete im Mai 2025 über eine heikle Kundenbeziehung von Julius Bär mit der [Tochter des russischen Aussenministers Sergej Lawrow](https://www.tippinpoint.ch/julius-baer-fuehrte-bis-zum-ausbruch-des-ukraine-kriegs-ein-konto-mit-verbindung-zu-sergej-lawrow/). 

### Bär muss Dividenden genehmigen lassen

Die Aufsicht ordnet nun umfangreiche Massnahmen an. Julius Bär muss bis 2032 regelmässig über ihre Risiko-, Fehler- und Compliance-Kultur Bericht erstatten. Bis die Bank die Trennung von Kunden abgeschlossen hat, die nicht mehr ihrem neu definierten Risikoappetit entsprechen, muss sie zudem 250 Millionen Franken zusätzliche Eigenmittel halten.

Weiter muss die Bank Ausschüttungen an die Aktionäre, darunter Dividenden, vorgängig von der Finma genehmigen lassen. Zudem zieht die Aufsicht rund 10 Millionen Franken Gewinn ein, den Julius Bär mit den beiden russischen PEP-Kundengruppen unter Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen erzielt hat.

Die Finma anerkennt, dass Julius Bär inzwischen zahlreiche Veränderungen vorgenommen hat. Die Bank hat das Private-Debt-Geschäft eingestellt, die Kreditvergabe reduziert, Kontrollfunktionen verstärkt und das Vergütungssystem überarbeitet. Auch [Verwaltungsrat und Geschäftsleitung wurden personell weitgehend erneuert](https://www.tippinpoint.ch/knall-bei-baer-evie-kostakis-verlaesst-die-bank/). Die heutige Geschäftsleitung war während der untersuchten Vorgänge noch nicht im Amt.

Neu ist auch: Die Finma hat zusätzlich Verfahren gegen drei ehemalige Mitarbeitende von Julius Bär eröffnet, wie sie schreibt. Sie untersucht, ob diese für Verletzungen aufsichtsrechtlicher Bestimmungen oder interner Weisungen verantwortlich sind.

Die Verfügung gegen Julius Bär ist noch nicht rechtskräftig.