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# Bisher kein Strafverfahren gegen ehemalige Bank MBaer
- URL: https://www.tippinpoint.ch/bisher-kein-strafverfahren-gegen-ehemalige-bank-mbaer/
- Published: 2026-10-28T07:00:02.000Z
- Updated: 2026-10-28T07:00:02.000Z
- Description: Die USA hatten die Bank als primäres Risiko für Geldwäscherei eingestuft. Die Finma entzog dem Institut die Bewilligung. Doch die Strafjustiz ermittelt bisher weder gegen die Bank noch gegen ihren Gründer Mike Bär, wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage von Tippinpoint bekanntgab.
- Author: Balz Bruppacher
- Tags: Financials, MBaer

Der Fall platzte Ende Februar dieses Jahres und schien als besonders gravierendes Kapitel in die Kriminalgeschichte des hiesigen Finanzplatzes einzugehen. Die US-Finanzstrafbehörde FinCen stufte die Zürcher MBaer Merchant Bank AG als primäres Risiko für Geldwäscherei ein[. US-Finanzminister Scott Bessent sagte](https://home.treasury.gov/news/press-releases/sb0408?ref=tippinpoint.ch), das Institut habe über 100 Millionen Dollar aus illegalen Quellen für Iran und Russland durch das US-Finanzsystem geschleust. Die US-Behörde nannte auch Transaktionen im Zusammenhang mit der Korruption in Venezuela. Die [Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma](https://www.finma.ch/de/news/2026/02/20260227-mm-mbaer-liquidation/?ref=tippinpoint.ch) zog der Bank einen Tag später den Stecker, nachdem diese ihre Beschwerde gegen die von der Finma drei Wochen zuvor angeordnete Liquidation zurückgezogen hatte. Der drohende Ausschluss vom US-Finanzsystem liess der Bank keine andere Wahl. 

Die Finma sprach von einem ausserordentlich schweren Fall. Anfang April meldete sich auch die Bundesanwaltschaft zu Wort, die für die Strafverfolgung grenzüberschreitender Wirtschaftskriminalität zuständig ist, [Bundesanwalt Stefan Blättlers Aussagen](https://www.tippinpoint.ch/bundesanwalt-stefan-blaettler-zu-mbaer-der-fall-liegt-bei-uns/) erweckten den Eindruck, dass die Strafjustiz demnächst aktiv werden dürfte. Auf wiederholte Anfragen hiess es bei der BA seither, die Prüfungen des Falls seien noch nicht abgeschlossen. 

Nun teilte die BA auf Anfrage von Tippinpoint mit, man habe über das weitere Vorgehen betreffend zur Kenntnis gebrachter Vorwürfe in Sachen MBaer entschieden. Weiter heisst es in der Stellungnahme wörtlich: «Diese in Bundeszuständigkeit fallenden und die MBaer als kontoführende Bank mitbetreffenden Vorwürfe wurden in mehrere laufende Strafverfahren und Vorabklärungen integriert.» Die Vorwürfe beträfen unterschiedliche Sachverhalte und würden im Rahmen dieser bereits hängigen Strafverfahren und Vorabklärungen untersucht. Diese Verfahren richteten sich derzeit gegen mehrere natürliche Personen sowie gegen Unbekannt. «Die BA hat aktuell keine Strafuntersuchung gegen die ehemalige MBaer oder gegen für die ehemalige MBaer tätige Personen eröffnet», erklärte die Bundesanwaltschaft weiter. Aufgrund des Untersuchungsgeheimnisses könnten keine weiteren Informationen abgegeben werden.

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Dies bedeutet, dass die BA trotz umfangreichen Vorabklärungen bisher keinen ausreichenden Anfangsverdacht für ein Geldwäschereiverfahren gegen Organe oder Mitarbeiter der Bank oder gegen die Bank selber gefunden hat. Laut Medienberichten betreute die junge Bank vor allem Hochrisikokunden, die anderswo abgelehnt wurden. In der Finma-Mitteilung hiess es unter anderem, dass 80 Prozent der Geschäftsbeziehungen erhöhte Risiken aufwiesen. Zuletzt hätten 98 Prozent der entgegengenommenen Vermögenswerte von Hochrisikokunden gestammt. 

Die von der Finma eingesetzte Untersuchungsbeauftragte stellte fest, dass die Bank im Umgang mit diesen Geschäftsbeziehungen mehrfach Empfehlungen ihrer Compliance-Abteilung ohne nachvollziehbare Begründung übersteuert habe. Sie habe die Hintergründe der Geschäftsbeziehungen sowie der Transaktionen systematisch nicht hinreichend abgeklärt und die Geldwäscherei-Meldepflichten vernachlässigt. In mehreren Fällen führte die Bank laut Finma Transaktionen für Kunden aus, die auf Sanktionslisten aufgeführt oder deren Gelder mit Sperren von inländischen Strafbehörden belegt gewesen seien. Schliesslich gebe es konkrete Hinweise darauf, dass die MBaer Kunden aktiv dabei unterstützt habe, behördliche Vermögenssperren zu umgehen. 

Der Gründer Mike Bär von der bekannten Zürcher Bankiersdynastie sieht sich als [Opfer von Justiz-Willkür](https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-us-behoerden-warnten-seit-jahren-vor-einer-schweizer-bank-die-alle-roten-linien-ueberschritt-wie-mbaer-zu-einer-gefahr-fuer-den-finanzplatz-wurde-ld.1930823?utm%5Fcampaign=mrf-facebook-nzz&mrfcid=2026032969c5c881edbcfe2d686415b5&ref=tippinpoint.ch). Der Umstand, dass die Bundesanwaltschaft bisher weder gegen ihn noch gegen andere Personen und auch nicht gegen die Bank ein Strafverfahren eröffnete, deutet auf ein sehr geschicktes Vorgehen der handelnden Personen hin. Der Hinweis der BA, wonach die Vorwürfe in mehrere laufende Verfahren integriert würden, bedeutet anderseits, dass die Vorkommnisse bei MBaer die Strafjustiz dennoch beschäftigen dürften. So laufen zum Beispiel Untersuchungen wegen des Korruptionssumpfs in Venezuela oder wegen der Umgehung von Russland-Sanktionen.

Derweil kommt die Liquidation der Bank kaum voran. Im Februar 2026 entzog die Finma der MBaer Merchant Bank die Lizenz. Für die Abwicklung hat die Finma den Basler Anwalt Daniel Staehelin von Kellerhals Carrard mandatiert. Für die Kunden und Aktionäre der Bank ist der[ bisherige Verlauf der Liquidation frustrierend](https://www.tippinpoint.ch/30-leute-im-einsatz-der-mbaer-liquidator-scheint-keinen-aufwand-zu-scheuen/), da sie kaum Informationen über den Stand der Abwicklung erhalten. So konnte das Team um Staehelin beispielsweise noch keine sogenannte Liquidationseröffnungsbilanz erstellen. Die Überprüfung der rund 700 Kunden der Bank scheint sehr viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Inzwischen sollen jedoch [erste Kundengelder überwiesen](https://www.tippinpoint.ch/mbaer-die-ersten-kunden-haben-offenbar-gelder-erhalten/) worden sein.