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# «Bei gewissen Gebühren sind wir eher zu günstig»
- URL: https://www.tippinpoint.ch/bei-gewissen-gebuhren-sind-wir-eher-zu-gunstig/
- Published: 2026-11-03T09:00:00.000Z
- Updated: 2026-11-03T09:00:00.000Z
- Description: Désirée von Michaelis, Leiterin Private Banking der Luzerner Kantonalbank, über die Ansprüche vermögender Kunden, den Wettbewerb mit günstigen Online-Anbietern und die Folgen des Untergangs der Credit Suisse.
- Author: Beat Schmid
- Tags: LUKB, Private Banking, #pos1

**Frau von Michaelis, die Luzerner Kantonalbank hat zusammen mit der Hochschule Luzern** [**eine Studie über das Anlageverhalten vermögender Privatkunden**](https://www.tippinpoint.ch/ubs-und-kantonalbanken-dominieren-das-geschaft-mit-den-vermogenden/) **durchgeführt. Darin heisst es, Private-Banking-Kunden wünschen sich durchschnittlich vier Kontakte pro Jahr. Ist das nicht ziemlich viel?**  
Ja, das könnte man denken, es besteht ja nicht zwingend alle drei Monate grosser Beratungsbedarf. Ich habe aber selbst die Erfahrung gemacht, dass ein kurzer Austausch alle drei Monate sehr wertvoll sein kann. Es braucht kein langes Meeting. Oft genügt ein kurzer Check-in, um offene Fragen zu klären oder anstehende Entscheidungen anzusprechen. Private Banking lebt von einer von Vertrauen geprägten persönlichen Beziehung und eine solche entsteht nicht, wenn man nur einmal im Jahr miteinander spricht.

**Kann die LUKB diese Betreuungsintensität überhaupt gewährleisten?**Das hängt von den Bedürfnissen und der Komplexität der Kundensituation ab. Unsere formelle Eintrittsschwelle im Private Banking liegt bei rund einer Million Franken. Wir schauen aber auch darauf, welche Beratung ein Kunde aufgrund seiner Vermögenskomplexität tatsächlich benötigt. Ein Unternehmer mit komplexen Fragen zum Zusammenspiel von Privat- und Geschäftsvermögen braucht eine andere Betreuung als jemand, der einfach in einen Fonds oder ETF investieren möchte. Die Betreuungsintensität muss auch wirtschaftlich sinnvoll sein.

**Die Studie zeigt, dass vermögende Kunden durchschnittlich 46 Prozent ihres Wertschriftenvermögens selbst verwalten. Weitere 22 Prozent entfallen auf Anlageberatungs- und 32 Prozent auf Vermögensverwaltungsmandate. Braucht es für fast die Hälfte des Vermögens überhaupt noch eine klassische Bank?**  
Wir sehen sehr häufig Mischformen. Kunden verwalten einen Teil ihres Vermögens selbst und nutzen für andere Teile ein Beratungs- oder Vermögensverwaltungsmandat. Viele schätzen es, alles bei einer Bank zu haben. Zudem geht es nicht nur um Anlageentscheide, sondern auch um Finanzplanung. Gerade erfahrene Anleger suchen häufig einen Sparringspartner, mit dem sie ihre Anlageideen diskutieren können. Sie erwarten dabei nicht einmal, dass die Bank immer richtig liegt.

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#### Désirée von Michaelis

Désirée von Michaelis (Jahrgang 1975) ist eine deutsch-schweizerische Bankmanagerin und Ökonomin. Seit dem 1\. März 2026 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung der Luzerner Kantonalbank (LUKB) und leitet dort das das Departement Firmenkunden & Private Banking. Zuvor war die mehrere Jahre bei der Credit Suisse und der UBS tätig, wo sie zuletzt Head Wealth Planning Advisory Switzerland war.

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**Tiefe Gebühren gehören laut Studie zu den wichtigsten Kriterien bei der Wahl einer Anlagebank. Wie kann die LUKB mit günstigen Anbietern wie Swissquote konkurrieren?**  
Wir vergleichen uns nicht mit reinen Digitalbanken, weil deren Geschäftsmodell ein anderes ist. Sie müssen weder ein Filialnetz noch eine vergleichbar personalintensive Betreuung finanzieren. Als Kantonalbank haben wir gerade in unserer Region den Vorteil, sehr nahbar zu sein. Die Kunden kennen uns und schätzen die persönliche Beziehung. Dazu kommen Sicherheit und Stabilität. Für jemanden, der nur kleine Beträge selbst handelt, sind wir möglicherweise nicht der günstigste Anbieter. Im Private Banking sind wir bei gewissen Gebühren aber schon fast zu günstig.

**Wo genau?**  
Beispielsweise sind unsere Transaktionsgebühren im Wettbewerbsvergleich sehr attraktiv. Da müssen wir uns nicht verstecken.

**Laut Studie haben 13 Prozent der Befragten innerhalb von zwei Jahren ihre Hauptanlagebank gewechselt. Über längere Zeiträume ergibt das eine beträchtliche Kundenfluktuation. Wie hoch ist die Abwanderungsquote bei der LUKB?**  
Eine genaue Zahl kann ich ihnen nicht nennen. Die Kundenabwanderung ist bei uns jedenfalls kein Thema, das uns beschäftigt. Bei den Ergebnissen der Studie in Bezug auf vermögende Kunden generell muss man berücksichtigen, dass wir keinen Vergleich mit früheren Perioden haben. Ein Teil der Wechsel könnte mit dem Untergang der Credit Suisse zusammenhängen.

**Wie stark hat die LUKB vom Verschwinden der Credit Suisse profitiert?**  
Im gesamten Markt haben sich Kunden neu orientiert, Gelder verschoben und neue Bankbeziehungen aufgebaut. Das haben auch wir gespürt. Inzwischen hat sich die Situation weitgehend beruhigt. Vereinzelt begegnen wir noch Kunden, die ihre neue Bankbeziehung nicht abschliessend geregelt haben. Von einem anhaltenden Massenexodus bei UBS/CS würde ich aber nicht sprechen.

**Konnten Sie die gewonnenen Kunden halten?**  
Wir nehmen keine ausgeprägte Rückwanderung wahr. 

**Die LUKB verfügt über eine Staatsgarantie. Ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im Private Banking?**  
Wir stellen die Staatsgarantie in unserer Kommunikation nicht in den Vordergrund. Wir wollen uns nicht darüber definieren. Aber natürlich spielt das Vertrauen in die Stabilität einer Kantonalbank eine Rolle. Gerade während der Bankenkrise haben viele Kunden Gelder zu Kantonalbanken verschoben. Ein weiterer Vorteil ist unser Geschäftsmodell als Universalbank, wir sind beispielsweise traditionell stark bei Immobilienfinanzierungen und der Beratung entlang des Lebenszyklus von Renditeimmobilien.

**Die LUKB hat gemäss Halbjahresabschluss 2026 Kundenausleihungen von 46,7 Milliarden Franken, aber nur 30,6 Milliarden Franken Kundeneinlagen. Die Einlagen decken damit lediglich rund 65 Prozent der Kredite. Ist der Ausbau des Private Banking auch ein Mittel, um diesen Funding Gap zu verkleinern?**  
Kundeneinlagen sind nur eine von mehreren Finanzierungsmöglichkeiten. Die LUKB tritt bewusst sehr regelmässig am Kapitalmarkt auf und emittiert Anleihen, um die Liquiditätsrisiken zu minimieren. Aus Sicht unseres Geschäftsmodells ist vor allem entscheidend, dass wir das zinsunabhängige Geschäft ausbauen. In einem Umfeld mit anhaltend tiefen Zinsen ist das für Banken besonders wichtig. Das Private Banking bietet dafür eine Möglichkeit.

**Aber vermögende Privatkunden bringen auch erhebliche liquide Mittel mit.**  
Natürlich sind Kundeneinlagen willkommen. Für uns im Private Banking ist aber vor allem wichtig, dass die Kunden uns ihr Vertrauen bei der Vermögensverwaltung schenken. Das zeigt, dass unser Angebot am Markt gefragt ist.

**Stichwort Home Bias. Viele der befragten Anleger investieren bevorzugt in Schweizer Aktien, wie auch die Umfrage zeigte. Versuchen Sie, die Kunden von einer breiteren Diversifikation zu überzeugen?**  
Selbstverständlich. Wir zeigen ihnen die Möglichkeiten eines international diversifizierten Portfolios auf. Gleichzeitig gibt es Anlageformen, die bei Schweizer Kunden besonders beliebt sind, beispielsweise Schweizer Dividendenstrategien. Wir müssen einen vernünftigen Mittelweg zwischen einer möglichst breiten Diversifikation und den individuellen Wünschen unserer Kunden finden.

**Eine interessante Zielgruppe sind Menschen, die bei der Pensionierung Kapital aus ihrer Pensionskasse beziehen. Wie wichtig ist dieses Geschäft?**  
Es gehört zu unseren Aufgaben, die Kunden rechtzeitig auf die finanziellen Entscheidungen rund um die Pensionierung vorzubereiten. Gerade ab 50 bis zum Renteneintritt werden wichtige Weichen gestellt. Wenn ein Kunde Kapital bezieht, kann das auch zu einem Zufluss ins Private Banking führen. Es wäre ein Versäumnis, wenn wir unsere Kunden in dieser Lebensphase nicht begleiten würden und sie deshalb zu einer anderen Bank wechseln.

**Das Vermögen wird irgendwann an die nächste Generation vererbt. Das kann Vor- und Nachteile haben.**  
Wenn wir zu den Kindern unserer Kunden keine Beziehung aufgebaut haben, besteht die Gefahr, dass das Vermögen die Bank verlässt. Hinzu kommt, dass Erben heute oft selbst bereits um die 60 Jahre alt sind und etablierte Bankbeziehungen haben.

**Wie weit reichen die Wachstumsambitionen der LUKB im Private Banking? Andere Schweizer Banken expandieren gezielt nach Deutschland. Ist das auch für die LUKB eine Option?**  
Ausserhalb Luzern sind wir seit langem auch in Zürich vertreten und haben heute Kunden in anderen Teilen der Deutschschweiz. Aus Deutschland haben wir historisch bedingt gewisse Kunden, betreiben dort aber keine aktive Akquisition. Wenn jemand einen Bezug zu unserer Region hat, beispielsweise durch einen Wohnsitz oder eine Ferienimmobilie, kann eine Bankbeziehung mit uns sinnvoll sein. Eine Expansion nach Deutschland gehört aber nicht zu unserer Strategie.