Green Bonds schlagen Fossile
Dem ölgetriebenen Regimechange in Venezuela zum Trotz: Banken erzielen inzwischen deutlich höhere Erträge mit Green Bonds als mit fossilen Anleihen.
5. Januar 2026 • Beat Schmid

US-Präsident Donald Trump hat Öl im Blut. Beim Regimewechsel in Venezuela geht es also auch um die riesigen Ölreserven des Landes. Ob Venezuela tatsächlich zum grossen Geschäft für die US-Öllobby wird, wie sich das Trump erhofft, steht auf einem anderen Blatt. Das Geschäft mit fossilen Energien läuft trotz Trumps «Drill, baby, drill»-Doktrin nur auf halbem Zylinder.

Denn die grössten Banken der Wall Street haben auch im vierten Jahr in Folge mehr Gebühren mit der Finanzierung von grünen Projekten erzielt als mit Geschäften für Unternehmen aus der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. Dies, obwohl der politische und regulatorische Druck auf nachhaltige Finanzierungen stark zugenommen hat.

Gemäss von Bloomberg zusammengestellten Daten beliefen sich die Erträge aus klimabezogenen Krediten sowie der Emission von Anleihen im Jahr 2025 auf rund 3,7 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber standen etwa 2,9 Milliarden US-Dollar, die Banken mit der Finanzierung fossiler Energieträger erwirtschafteten.

Klarer Trendwechsel seit 2020

Damit hat sich die Situation gegenüber dem Jahr 2020 deutlich umgekehrt. Damals nahmen Banken mit fossilen Energiekonzernen noch fast doppelt so hohe Gebühren ein wie mit der Unterstützung grüner Initiativen.

Treiber dieser Entwicklung ist die stark gestiegene Nachfrage nach Kapital für die Energiewende – insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Infrastruktur. Das Resultat ist eine hohe Emissionstätigkeit bei Green Bonds. Nachhaltige Finanzierungen seien heute nicht mehr primär ein «Reputationsprojekt», sondern ein zentrales Wachstumsfeld, sagt Grace Osborne, Analystin bei Bloomberg Intelligence. Dort würden zunehmend Dealflow, Gebühren und Ertragspotenzial entstehen.

Europäische Banken an der Spitze

Zu den führenden Emissionshäusern für Green Bonds zählten im vergangenen Jahr BNP Paribas, Crédit Agricole und die Deutsche Bank. Im Geschäft mit Anleihen für fossile Energieunternehmen lagen hingegen JP Morgan, Citigroup und die Bank of America an der Spitze. Allerdings ging das Gesamtvolumen der Gebühren aus grünen Finanzierungen zurück. Die 3,7 Milliarden US-Dollar liegen unter den 4,2 Milliarden US-Dollar des Vorjahres.

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