Frühere Kunden der Credit Suisse brauchen starke Nerven. Sie müssen damit rechnen, dass bei der Übertragung ihrer alten Kundenbeziehung zur UBS einiges schiefgehen kann. Eine negative Erfahrung musste auch Sandra P.* machen, die viele Jahre lang zufriedene CS-Kundin war. Ihr Konto wurde vor wenigen Tagen auf die UBS-Systeme übertragen. Dabei sind allerdings einige elektronische Dokumente auf der Strecke geblieben. So war etwa der Steuerausweis aus dem letzten Jahr plötzlich nicht mehr auffindbar.
Da sie dieses Dokument für die Steuerbehörden benötigte, ging sie in die UBS-Filiale in ihrer Wohngemeinde im Zürcher Umland – in der Hoffnung, dass ihr ein Mitarbeiter das Dokument aushändigen könnte. Doch bis auf einen Lernenden war kein Mitarbeiter anwesend. Stattdessen traf sie auf sieben Personen, die ebenfalls Probleme mit ihrer neuen Kundenbeziehung hatten. Der KV-Lehrling entschuldigte sich für die lange Wartezeit und meinte, der Bank würde das Personal fehlen. Die CS-Filiale vor Ort ist bereits seit mehreren Monaten geschlossen. «Offenkundig will die UBS nicht, dass ich Kundin der Bank bleibe», sagt Sandra P .
Christine L.* ist eine andere Kundin, deren Kundenbeziehung am vergangenen Wochenende zur UBS übertragen wurde. Sie berichtet, dass sie seitdem nicht mehr auf ihr Konto zugreifen kann. Am Montag habe sie deshalb die Hotline angerufen. Ein Mitarbeiter konnte das Zugriffsproblem zwar nicht lösen, war aber sehr nett und hilfsbereit. Für sie steht bereits sei längerem fest, dass sie ihre Kundenbeziehung zur UBS allmählich beenden wird. Noch ist sie über eine Hypothek für eine Ferienimmobilie mit der Bank verbunden, doch wenn sie diese nächstes Jahr erneuern müsse, sei sie ganz weg, sagt sie. Die Hauptbank der langjährigen CS-Kundin ist bereits seit die Raiffeisenbank.
Um möglichst viele Schweizer Kunden bei der Stange zu behalten, hat die Bank derzeit eine Aktion laufen. Wer bis zum 31. Oktober Neugeld zur Bank bringt, erhält auf der Einlage einen Zins von 1,4 Prozent für eine Laufzeit von 12 Monaten gutgeschrieben. Die Hälfte der Neugelder muss allerdings in einem UBS-Fondskonto oder in der Anlagelösung «UBS Managed» angelegt werden. Dort wiederum fallen für die Bank attraktive Gebühren an.
* Name geändert.

