Rekordzins
Die Grossbank zahlt für einen vorrangigen Bond einen Coupon von sehr hohen 9 Prozent. So viel musste die Bank wohl noch nie für eine Finanzspritze zahlen – die Investoren-Community ist begeistert.
10. November 2022 • Beat Schmid

Die Credit Suisse holt sich erneut Geld auf dem Kapitalmarkt. Die Grossbank, die in tiefen Problemen steckt, muss dabei den Anlegern einen enorm hohen Zins in Aussicht stellen, um die nötige Nachfrage anzuheizen.

Für eine vorrangige Dollaranleihe mit einer Laufzeit von 11 Jahren muss die Grossbank einen Zins von 9 Prozent zahlen. Einen sogenannten Coupon in derart schwindelerregender Höhe entspricht gemäss Bloomberg-Daten eher dem aktuellen Kursniveau von sogenannten Junk-Bonds. Also Anleihen, die von Unternehmen mit einem Non-Investment-Grade-Rating vergeben werden.

Die Grossbank hat zuvor bereits den Euro-Markt angezapft. Eine ebenfalls vorrangige Anleihe mit Laufzeit bis 2029 kommt auf einen Coupon von 7,75 Prozent – gemäss Bloomberg-Daten ist das der zweithöchste Zins, der jemals von einer Investment-Grade-Bank in Euro bezahlt werden musste.

Junk-Renditen lösen hohe Nachfrage aus

Die Junk-Renditen haben eine hohe Nachfrage bei Anlegern ausgelöst. Beide Bonds wurden mehrfach überzeichnet: Für die 2-Milliarden-Dollar-Anleihe gab es Angebote im Umfang von 8 Milliarden Dollar. Für die Euro-Anleihe im Umfang von 3 Milliarden kamen Angebote im Umfang von 7,5 Milliarden Euro herein.

Die enormen Zinsaufschläge sind ein Zeichen, dass die Bank noch lange nicht über dem Berg ist. Ende Oktober hat sie ein umfassendes Sanierungspaket bekanntgegeben, das einen grossen Stellenabbau, die Abspaltung der Investmentbank und eine Kapitalerhöhung im Umfang von 4 Milliarden Franken umfasst.

Die rekordhohen Coupons sind auch das Resultat der gesunkenen Kreditwürdigkeit der Bank. Als Reaktion auf das Sanierungspaket hat die Ratingagentur S&P die langfristige Bonität der CS auf BBB- herabgesetzt, weil die Umsetzung der Pläne erhebliche Risiken bergen.

Nur noch eine Stufe über Junk-Niveau

Mit einem Rating von BBB- liegt die CS nur noch eine Stufe oberhalb der Non-Investment-Grade-Zone, die mit dem Rating von BB+ beginnt. Ab diesem Niveau werden Anleihen im Börsenjargon als “spekulativ”, “High-Yield” oder eben Junk (Abfall) bezeichnet. Viele institutionelle Anleger haben Vorschriften, die es ihnen verbieten, in Bonds aus diesem Segment zu investieren.

Gemäss den Fixed-Income-Indizes von Bloomberg liegt die durchschnittliche Rendite von vorrangigen Euro-Bankanleihen aktuell bei 4,3 Prozent. Die Renditen haben sich im Zuge der Leitzinserhöhungen der Notenbanken seit Jahresbeginn vervielfacht. Gemäss Analysten soll das frisch aufgenommene Kapital zur Stärkung der Sicherheitspuffer eingesetzt werden.